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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Außenraum – Mitraum – Innenraum. Heterotopien in Kultur und Gesellschaft"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelAußenraum – Mitraum – Innenraum. Heterotopien in Kultur und Gesellschaft
BeschreibungAußenraum – Mitraum – Innenraum. Heterotopien in Kultur und Gesellschaft. Humboldt-Kolleg der University of Wisconsin, Madison und der University of Washington, Seattle

11.-13. Sept. 2009

Department of German, University of Wisconsin-Madison
818 Van Hise Hall
53706 Madison

Kontakt: Dr. Henning Wrage (hwrage@wisc.edu)


Es gibt, zumal in der globalisierten Gegenwart, kaum eine komplexere Kategorie als das Fremde. Die sozialen, kulturellen, ökonomischen und medialen Entgrenzungsbewegungen des 21. Jahrhunderts stellen die Selbstdefinition der europäischen Moderne, besonders, wenn man sie mit Zygmunt Baumann ordnungspolitisch, als Konstruktion nationaler Räume begreift, strukturell infrage. Das Abendland reagiert bislang hilflos: mit nicht immer glücklichen Diskussionen über Migration, Integration und Assimilation, mit Begriffen wie der „Leitkultur“ und vom „Dialog der Kulturen“, die mindestens ebenso viele Probleme aufwerfen, wie sie Lösungen bieten.

Für die Forschung stellt sich mithin die Frage nach den Perspektiven: Wer leitet und wer spricht? Und von welchen Standpunkten aus? Was sind die blinden Flecken eines Diskurses, der das Fremde stets aus einer Perspektive des Eigenen erzeugt? Wenn das Fremde als Nicht-Wir konstruiert wird, erscheint es als Devianz, als Abweichung von der kulturellen Normalität mit allen negativen Implikationen, die sich daran knüpfen: denn die Festlegung des Eigenen als Norm ist exklusiv. Sie neigt, auch und gerade in einer globalisierten Welt, dazu, andere Versionen von Normalität auszuschließen.

Historisch und kulturgeschichtlich lässt sich die diskursive Spielregel der reziproken Definition des Eigenen und des Fremden in mehreren Richtungen verfolgen: interkulturell etwa zum kontrastiven Dialog der Systeme zwischen den Kulturen in der DDR und der Bundesrepublik, transkulturell zu Ein- und Ausschlussbewegungen, wie man sie aus den Debatten um den Orient und den Okzident, um Judentum, Christentum und Islam kennt. Auch in seiner wissenschaftsgeschichtlichen Dimension ist das Feld prominent besetzt und reicht von Georg Simmel über Werner Sombart, Carl Schmitt, Edmund Husserl bis zu neueren Theoretikern wie Michel Foucault, Jürgen Habermas und Emmanuel Levinas.

Dabei fällt auf, dass bei der Beschäftigung mit dem Fremden Raum-Metaphern zu den wirkmächtigsten hermeneutischen Vehikeln zählen: prominent etwa in Helmut Plessners anthropologisch-philosophischer Unterscheidung von „Außenwelt", „Innenwelt“ und „Mitwelt“, allgemeiner aber auch in allen Figuren der Utopie, Heterotopie und Uchronie. Hier offenbart sich eine diskursgeschichtlich bemerkenswerte Tradition des Denkens dritter Räume.

An diesem Punkt will die Tagung ansetzen: Zu fragen ist nach der Tradition, Relevanz und gesellschaftlicher Wirkungsmacht von Raumkonstruktionen, die gerade durch die Behauptung ihrer Eigengesetzlichkeit die Möglichkeit zur Reflexion und Problematisierung gegebener Normen zu gestatten vorgeben. Welche Zwischen-Räume erzeugen Kulturen wie die DDR, die wesentliche Elemente ihrer Selbstdefinition aus Topographien der Grenze gewinnt, zugleich aber innergesellschaftlich Gegenwart nur als Entwurf auf ein zukünftiges Ideal begreift? Gelten schließlich kulturelle Texte als privilegierte Medien der Selbst- und Fremddarstellung, was für einen Stellenwert haben sie selbst? Stellen sie eine Zwischeninstanz dar: ein Drittes, das Eigenes und Fremdes, Identität und Differenzen gleichzeitig repräsentiert? Und wenn die Kultur ein Drittes darstellt, kann sie insgesamt als Heterotopie im Sinne Foucaults betrachtet werden? Und ist nicht, andererseits, die Behauptung ihres eigengesetzlichen Funktionierens selbst eine kulturpolitische Bestimmung? Dies sind einige der Fragen, die uns auf der Tagung in vier Panels beschäftigen:

1. Heterotopien: Begriff, Rezeption und Kritik
2. Das Fremde aus kulturhistorischer Perspektive – Figuren des Dritten
3. Heterotopie – Utopie – Heterochronie
4. Literarische Heterotopien

Die Tagung versammelt Beiträge aus Geschichte, Soziologie, Philosophie, Literatur- und Medienwissenschaft, die sich mit der Raumordnung, Grenzverschiebung, Fremdheitswahrnehmung und Fremdheitsdarstellung in Texten, Filmen und Bildern befassen. Die Tagung richtet sich ebenso an etablierte wie an Nachwuchswissenschaftler.


PROGRAMM


Freitag, 11. September 2009

13:30-14:30 Check in
14:30-14:45 Sabine Mödersheim: Begrüßung
14:45-15:15 Hamid Tafazoli, Henning Wrage: Einführung in die Tagung


PANEL 1: HETEROTOPIEN: BEGRIFF, REZEPTION UND KRITIK
MODERATION, DISKUSSION: IVAN SOLL (ANGEFRAGT)

15:15-16:00 Sabine Mödersheim: Phänomenologien des Anderen – Husserl, Levi-Bruhl, Levinas, Waldenfels.
16:00-16:45 Christian Jäger: Donquijoterien - Buch und Welt als fundamentale Pseudo-Heterotopien.
16:45-17:00 Kaffeepause
17:00-17:45 Hamid Tafazoli: Grenzwüste – Heterotopie. Theoretische Überlegungen zum Text als heterotopischem
Raum
17:45-18:30 Diskussion
19:15 Gemeinsames Abendessen



Samstag, 12. September 2009

PANEL 2: DAS FREMDE AUS KULTURHISTORISCHER PERSPEKTIVE - FIGUREN DES DRITTEN
MODERATION, DISKUSSION: SABINE GROSS

10:00-10:45 Manuel Köppen: Gespiegelte Welten. Filmische Heterotopien
10:45-11:30 Henning Wrage: Der Gral und die Grenze. Über Gründungsmythen in Europa und Amerika
11:30-11:45 Kaffeepause
11:45-12:30 Jürgen Brockoff: Literatur als Ort der Verfremdung (Shklovskij und Brecht)
12:30-13:15 Diskussion
13:15-14:30 Mittagessen



PANEL 3: HETEROTOPIE – UTOPIE – HETEROCHRONIE
MODERATION, DISKUSSION: KLAUS BERGHAHN

14:30-15:15 Marc D. Silberman: Generational Rupture as Utopian Space
15:15-16:00 B.Venkat Mani: Singularly Plural? World Literature as Heterotopia
16:00-16:15 Kaffeepause
16:15-17:00 Marc Lucht: On Zoological Gardens
17:00-17:45 Diskussion
19:00 Gemeinsames Abendessen



Sonntag, 13. September 2009

PANEL 4: LITERARISCHE HETEROTOPIEN
MODERATION, DISKUSSION: TODD MICHELSON-AMBELANG

9:30-10:15 Esther Bauer: 'Sie sind so frei': Sites of Illness in Thomas Mann."
10:15-11:00 Todd Kontje: Heterotopic Cities in Yadé Kara’s Fiction
11:00-11:15 Kaffeepause
11:15-12:00 Richard T. Gray: The Fourth Wall: Narrative Performance and Open Boundaries in Kafka’s “Ein Bericht für eine Akademie"

12:45-13:45 Abschlussdiskussion

14:30 Ende der Tagung


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMadison
Beginn11.09.0009
Ende13.09.0009
PersonName: Dr. Henning Wrage 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: hwrage@wisc.edu 
KontaktdatenName/Institution: Department of German, University of Wisconsin-Madison 
Strasse/Postfach: 818 Van Hise Hall 
Postleitzahl: 53706 
Stadt: Madison 
Telefon: 001 (608) 262-2492 
E-Mail: hwrage@wisc.edu 
LandVereinigte Staaten von Amerika
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Themen; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie
Zusätzliches SuchwortHeterotopie; Figuren des Anderen; Fremde; Orientalismus
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland > 19.10.03 Geistes- und Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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