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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Im Pausenraum des Dritten Reiches - zur Populärkultur im nationalsozialistischen Deutschland"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelIm Pausenraum des Dritten Reiches - zur Populärkultur im nationalsozialistischen Deutschland
BeschreibungIm Pausenraum des Dritten Reiches - zur Populärkultur im
nationalsozialistischen Deutschland. Tagung an der Humboldt-Universität
zu Berlin, 24./25. November 2006.

Erholung vom harten NS- und Kriegsalltag? Transportmittel für
Eskapisten? Oder doch erfolgreiches Instrument der Integration und
Propaganda?
Produkte einer modernen Populärkultur sind bis 1945 zentraler
Bestandteil des Alltags im 'Dritten Reich'. Auch wenn die
Nationalsozialisten diese Kultur zumindest in Teilen von ideologischer
Warte aus scharf kritisierten, forcierten sie den Ausbau einer auf
Massenkonsum orientierten Kulturindustrie. War all dies lediglich Teil
eines umfassenden Propagandakonzeptes? Populärkultur muss unterhalten,
und die Propaganda mit und in ihr findet da ihre Grenze, wo das Produkt
diese Funktion nicht mehr erfüllt und sich die Konsumenten nicht mehr
unterhalten fühlen. Die Unterhaltungskultur erweist sich so in ihrem
inhärenten Zwang, auf Massenbedürfnisse einzugehen, als Ergebnis eines
Aushandlungsprozesses für einen Massengeschmack, der sich aus Interessen
und Intentionen von Produzenten, Versuchen der Steuerung und Lenkung wie
den Erwartungen und Reaktionen der Rezipienten ergibt.
Auch im 'Dritten Reich' trifft man also auf Bestseller und
Verkaufsschlager: Wie waren die Bedingungen der Herstellung in der
NS-Kulturindustrie? Welche expliziten Vorgaben und Verbote mussten
beachtet werden? Was waren erfolgreiche Marketing- und
Verkaufsstrategien? Wieviel Raum blieb den Autoren und
privatwirtschaftlich agierenden Verlegern? Welche Propagandakonzepte
ließen sich durchsetzen? Inwieweit wurden im Rahmen der Populärkultur
nazistische Erlebnisangebote gemacht und faschistische Erlebnismuster
eingeübt? Behaupteten die Nationalsozialisten auf diese Weise
tatsächlich erfolgreich die Aufhebung der Gegensätze moderner
Industriegesellschaften und kreieren eine Art NS-Populärkultur als die
für die 'deutsche Volksgemeinschaft' angemessenste Kunstform? Oder
stellten die Produkte erfolgreich Parallelwelten zur politischen Sphäre
bereit und können damit als Regenerations- und eben Pausenraum für den
NS-Alltag gelten, in dem ebenso Konflikte der NS-Gesellschaft verhandelt
wie auch Lebensstrategien und Anpassungsmodelle für ein Leben unter
NS-Herrschaft angeboten werden konnten?
Literatur-, Medienwissenschaftler und Historiker werden auf der Tagung
diese und weitere Fragen diskutieren und nach Antworten suchen. Die
Beiträge richten den Blick auf zeitgenössische Bestseller und
Verkaufsschlager wie etwa Arztromane, Krimis, populärwissenschaftliche
Bücher und Science-fiction, analysieren die Rolle des Humors und
beschäftigen sich mit der Stellung von Autoren wie Hans Dominik, Hans
Fallada oder Erich Kästner, sie beleuchten jedoch auch weniger bekannte
Bereiche wie den Fußballfilm, Theater für die Arbeiter der
Reichsautobahn, den Kulturfilm im Nationalsozialismus oder die Präsenz
von Blondinen und anderen Trivialmythen in Propagandaflugblättern.

Programm

Im Pausenraum des Dritten Reiches - Zur Populärkultur im
nationalsozialistischen Deutschland.
Arbeitstagung am 24. und 25. November 2006 am Institut für Deutsche
Literatur
an der Humboldt-Universität zu Berlin, Hegelplatz 2 D, 10099 Berlin
Haus 1, Raum 1.301 (Vorträge) bzw. Raum 1.101 (Abendveranstaltung)
Freitag, 24. November 2006
14:00 Uhr Begrüßung

Zu den Grundlagen der Populärkultur im Nationalsozialismus

14:30 Uhr Ine Van linthout (Antwerpen)
'Dichter, schreibt Unterhaltungsromane!' Der Stellenwert der
Unterhaltungsliteratur im 'Dritten Reich'

14:50 Walter Delabar (Hannover)
NS-Gesellschaft ohne Nationalsozialismus. Oder: Warum ist in der
Unterhaltungsliteratur des Dritten Reiches so wenig vom
Nationalsozialismus zu finden?

15:10 Diskussion

15:30 Kaffeepause

Zum medialen Spektrum der Populärkultur im Nationalsozialismus

16:00 Martin Maurach (Frankfurt/Oder)
Kleists 'Zerbrochner Krug' auf der Autobahn - Die Reichsautobahnbühne
1936/37 zwischen Hochkultur und 'Volksgemeinschaft', Traditionalismus
und Modernität

16:20 Christiane Caemmerer (Berlin)
Gentlemen prefer blondes - Blondinen bevorzugt. Amerikanische
Trivialmythen in der deutschen Kriegsflugblattpropaganda von 1944

16:40 Diskussion

17:00 Ansgar Warner (Gießen)
'Elf Kameraden und ein Gedanke: Glauben an den Sieg!' Unterhaltung und
Kriegspropaganda im Fußballfilm des 'Dritten Reiches' ('Das große
Spiel', 1942)

17:20 Dorit Müller (Berlin)
Wissenschaftsvermittlung als Massenunterhaltung und Erziehungsprojekt:
Das populärwissenschaftliche Genre im Dritten Reich

17:40 Diskussion

18:00 Gemeinsames Abendessen

20:00 Ramón Reichert (Linz)
Der NS-Kulturfilm im 'Dritten Reich'

21:00 Diskussion
Sonnabend, 25. November
Zu populären Genres der NS-Unterhaltungsliteratur

9:30 Dina Brandt (München)
Naziliteratur? Zu den Science Fiction-Romanen zwischen 1933 und 1945

9:50 Carsten Würmann (Berlin)
'Sowas hat es unter Hitler nicht gegeben'. Populäre
Ordnungsvorstellungen im Krimigenre des Dritten Reichs

10:10 Dorota Cygan (Wroclaw)
Braune Weißkittel. Eine gattungstheoretische Autopsie des populären
Arztromans im Nationalsozialismus

10:30 Diskussion

11:00 Kaffepause

11:30 Patrick Merziger (Berlin)
'Sei positiv dagegen!' Zum Humor des Nationalsozialismus

11:50 Anne Peiter (Paris)
Populärkultur und nationalsozialistischer Terror in Victor Klemperers
Tagebüchern

12:10 Diskussion

12:30 Mittagspause

Biographische Fallstudien

14:00 Christian Härtel (Berlin)
Vom Schraubstock zum Schreibtisch. Populärliteratur für die
Volksgemeinschaft am Beispiel Hans Dominiks

14:20 Anja Susan Hübner (Gießen)
'Oh, du mein Fallada, da Du da hangest' - Der Fall Fallada oder
Sollbruchstellen einer prekären Künstlerbiographie im 'Dritten Reich'

14:40 Markus Wallenborn (Köln)
Kleiner Grenzverkehr zwischen Schreibtisch und Pausenraum: Der
Schriftsteller Erich Kästner und das Dritte Reich

15:00 Diskussion

15:30 Kaffeepause

16:00 Abschlussdiskussion


Diese Tagung wird mit Unterstützung der Hans Böckler Stiftung, der
Humboldt-Universität zu Berlin sowie des Gießener Graduiertenzentrums
Kulturwissenschaften (GGK) veranstaltet von:

Prof. Dr. Erhard Schütz, Humboldt-Universität zu Berlin,
Dr. des. Ansgar Warner, Justus-Liebig-Universität Gießen,
Carsten Würmann, Freie Universität Berlin.

Programminfo unter: http://ansgar-warner.de/pausenraum.pdf
Kontakt/Anmeldung: cwurmann@gmx.de


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Beginn24.11.2006
Ende25.11.2006
PersonName: Carsten Würmann 
Funktion: Organisation und Anmeldung 
E-Mail: cwurmann@gmx.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.)
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.08 Unterhaltungsliteratur; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.14.00 Literatur der NS-Zeit. 1933-1945
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