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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Missverständnis: versteh' mich richtig, es geht um Kommunikation"
RessourcentypCall for Papers
TitelMissverständnis: versteh' mich richtig, es geht um Kommunikation
BeschreibungCALL FOR PAPERS
Fächerübergreifender Workshop für NachwuchswissenschaftlerInnen

GIRAF-IFFD (Groupe interdisciplinaire de recherche Allemagne-France /
Interdisziplinäre Foschungsgemeinschaft Frankreich-Deutschland) ist
ein Verein von Nachwuchswissenschaftlern/-innen, Doktoranden/-innen
und Postdoktoranden/-innen aus den Sozial-, Geistes- und
Literaturwissenschaften, deren Forschungsschwerpunkt und/oder
Forschungseinrichtung mit Frankreich oder Deutschland verbunden ist.
GIRAF-IFFD organisiert eine jährliche Nachwuchstagung zu einem
interdisziplinären Thema.

GIRAF-IFFD organisiert vom 1. bis zum 2. Juni 2007 an der Universität zu Köln,
unter der Schirmherrschaft des Zentrums für Moderne Forschung
einen fächerübergreifenden deutsch-französischen Workshop für
Nachwuchswissenschaftler/-innen zu folgendem Thema:

Missverständnis: versteh' mich richtig, es geht um Kommunikation
Malentendu : bien entendu, une affaire de communication


« Die Welt funktioniert nur durch ein Missverständnis. Das
universelle Missverständnis erlaubt es erst der Welt, sich zu
einigen. Denn wenn man sich durch einen unglücklichen Zufall einmal
verstünde, käme man nie zu einer Meinung. » (Charles Baudelaire, Mein
entblößtes Herz, XLII)

Das Missverständnis/ Malentendu wird meist negativ definiert: das
Miss-Verstehen deutet darauf hin, dass die Kommunikation fehl
gelaufen ist, dass ein Klärungsbedarf besteht, um die Situation
wieder zurecht zu biegen und Verständigung zu ermöglichen. Das
Missverständnis ist per se eine schief gelaufene Kommunikation. Eben
darum eignet es sich auch so gut für die Bühne: die anwesenden
Personen verständigen sich in der Illusion, dass sie sich verstehen,
wobei die Illusion selbst die Bedingung dieser Pseudo-Kommunikation
ist. Dieses Paradoxon stellt die Besonderheit und das Interesse des
Missverständnisses als Sprachfigur und als intersubjektive Situation
dar. Seine übliche Abwertung übersieht dabei seine herausragenden
heuristischen Potenziale. Zum Missverständnis gehört eine Absicht zur
Kommunikation von Seiten einer Person und/oder eines Autors. Doch
kann man noch von Missverständnis sprechen, wenn die Absichten nicht
zu durchschauen sind? Handelt es sich dann nicht vielmehr um eine
'Fiktion des Missverständnisses?'
Die Fragen, die das Missverständnis hervorruft, sind breit gefächert.
Ihre Untersuchung an deutsch-französischen Beispielfällen wird zwar
bevorzugt, soll jedoch nicht exklusiv sein. Die vergleichende und
fächerübergreifende Dimension dieses Workshops hat zum Ziel, die
bisherigen Ansätze zur Untersuchung des Missverständnisses
(literarischer, hermeneutischer, sprachlicher Art u.a.) zu erweitern .
In Frankreich wie auch in Deutschland, innerhalb und zwischen beiden
Ländern, ruft die Kommunikation zwischen verschiedenen Instanzen
(Individuen, Gruppen�) und in verschiedenen Bereichen (privat/
öffentlich, politisch, wirtschaftlich, sportlich) Missverständnisse
hervor. Durch sie werden die differenzierten Identitäten der
Gesprächspartner zum Ausdruck gebracht, sowie eine Kommunikation, die
auf einer nicht gemeinsamen Realitätswahrnehmung und einem ungleichen
Sprachverständnis beruht. Welche Mechanismen, Ausdrucksmöglichkeiten
und Einsätze des Missverständnisses lassen sich beschreiben? Was
enthüllt das Missverständnis über Möglichkeiten und Grenzen der
Kommunikation? Gibt es notwendige Missverständnisse und andere, die
es im sozialen Raum zu beseitigen gilt? Wie drücken sich
Missverständnisse in der kulturellen Übermittlung zwischen Frankreich
und Deutschland aus?

Die Veranstaltung richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen aller
Disziplinen und wird etwa zwanzig Teilnehmer umfassen. Um
Anschlussmöglichkeiten für den je facheigenen Umgang mit dem Thema
'Missverständnis' zu schaffen, wird der Workshop in vier thematische
Sitzungen unterteilt. Die Arbeitssprachen sind Deutsch und Französisch.

GIRAF/IFFD lädt DoktorandInnen und PostdoktorandInnen ein, ca. 600
Wörter umfassende Vorschläge für einen 20-minütigen Vortrag zu einer
der folgenden vier Sektionen einzureichen:

1)'Die Sprache des Missverständnisses' (Franco La Cecla)
Am Anfang war das Wort, dies auch an beiden Seiten des Rheins.
Besonders die Frage der Übersetzung bleibt die Pandora-Büchse vieler
Missverständnisse. Das Verhältnis von Sprache und Ausdruck,
Landessprache und Sprechweisen soll in dieser Sektion angesprochen
werden, um Entstehungsbedingungen, Art, Ablauf und Aufhebung der
Missverständnisse zu erläutern. Welche Folgen hat in dieser Hinsicht
die Ausbreitung der Medien? Kommunikation und Begegnungen finden in
immer komplexeren medialen Netzwerken statt. Stellen die Massenmedien
eine Hilfe zur Behebung oder neue Instrumente der Produktion von
Missverständnissen dar?

2)'Ich habe Euch verstanden' (Charles de Gaulle): das Missverständnis
in Geschichte und Politik
Wie wird ein zur Abstimmung vorgelegter juristischer, politischer,
konstitutioneller Text verstanden? Inwiefern kann ein beabsichtigtes
Missverständnis zu einem politischen Instrument werden, wenn man
annimmt, dass das Missverständnis auch eine Frage von Macht und
Strategie ist? Man denke an den Krieg von 1870/71, der zum Teil durch
das provozierte Missverständnis der Emser Depesche ausgelöst wurde.
Welche sind die Mechanismen und was steht beim politisch-
strategischen Missverständnis auf dem Spiel? In wessem Interesse
oder zu wessen Kosten werden Missverständnisse verhindert oder
provoziert, still hingenommen oder denunziert? Ordnung, Kontrolle,
Macht und Wissen sind einige der Schlüsselbegriffe, die in dieser
Sektion in den Vordergrund rücken.

3)Missverständnis und Gesellschaft
Nachbarschaft hat ambivalente Konsequenzen: man glaubt, den anderen
gut zu kennen, Witze und Stereotypen sind leicht bei der Hand und
helfen, Konfliktpotenzial zu entschärfen. Doch diese entkräften
zugleich auch die Neugierde, die Lust zur Begegnung, und die
Authentizität des Austauschs. Es gibt kein starres Bild des Anderen,
denn je nach Kontext wird 'Andersheit' überreizt oder
heruntergespielt. Fragen, die diese Sektion anspricht sind u a.: Wie
funktionieren Stereotypen als Missverständnis, ob bewusst genährt
oder erlitten? Welche Masken, Mythen, Fiktionen sind notwendig, um
die nötigen Voraussetzungen zur Begegnung zu schaffen? Wie lassen
sich Missverständnisse im Hinblick auf Integration und/oder
Assimilation von Fremden in Deutschland und Frankreich erläutern?

4)Das kreative Missverständnis
'Der Schein von Anbeginn [im Ursprung zu allermeist ein Irrtum und
eine Willkürlichkeit, den Dingen übergeworfen wie ein Kleid und
seinem Wesen und selbst seiner Haut ganz fremd] wird zuletzt fast
immer zum Wesen und wirkt als Wesen!', schreibt Nietzsche in Die
Fröhliche Wissenschaft (II, 58). So verstanden ist das
Missverständnis nicht nur unvermeidbar, sondern auch wesentlich.
Literaturwissenschaftler wie Paul de Man, aber auch Psychoanalytiker
wie Jacques Lacan beanspruchen die Deformation durch Lektüre als
notwendigen Schritt zur Sinnproduktion eines literarischen Textes
oder allgemeiner eines Diskurses. Neue Formen der Kommunikation, ob
elliptischer, gestischer oder künstlerischer Art finden durchaus
manchmal ihren Ursprung in einem Missverständnis. Ästhetisches
Potenzial und ästhetische Qualität des Missverständnisses stehen in
dieser Sektion im Vordergrund.

Vorschläge, die sich mit Fallbeispielen beschäftigen, werden bevorzugt.
Die Bewerbungen können bis zum 1. Dezember 2006 per e-mail an
giraf_atelier2007@yahoo.fr eingesandt werden.
Aus dem Workshop wird möglicherweise eine Veröffentlichung in
Deutschland und Frankreich hervorgehen

VeranstalterInnen:
Sidonie Kellerer (Universität Toulouse II : Erraphis/ Universität Bonn),
Astrid Nierhoff-Fassbender (Universität Montpellier III/Universität
Köln),
Alice Perrin-Marsol (Centre d�Etudes Supérieures de la Renaissance,
Tours),
Fabien Theofilakis (Universität Paris X Nanterre, Centre Pierre
Francastel/Universität Augsburg)


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortKöln
Bewerbungsschluss01.12.2006
Beginn01.06.2006
Ende01.06.2006
PersonName: Giraf 
Funktion: Bewerbungen 
E-Mail: giraf_atelier2007@yahoo.fr 
KontaktdatenName/Institution: Groupe interdisciplinaire de recherche Allemagne-France 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch; Französisch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Klassifikation00.00.00 ohne thematische Zuordnung
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/918

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