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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Indien in der deutschsprachigen Literatur: Wahrnehmungsperspektive"
RessourcentypCall for Papers
TitelIndien in der deutschsprachigen Literatur: Wahrnehmungsperspektive
BeschreibungCFP

Seminar on

Indien in der deutschsprachigen Literatur: Wahrnehmungsperspektive

26. – 29. 09.2009, Banaras Hindu University, Varanasi

[Seminar Languages: English & German]


Die Städte vermitteln sowohl die sozialen als auch die kulturspezifischen Impulse eines Landes. Daher gewinnt - im transkulturellen Kontext - die literarische reisedokumentarische Betrachtung über fremde Städte ihren besonderen Wert. Eine um so herausragendere Relevanz beanspruchen solche Schilderungen in der globalisierten, postkolonialen Zeit, in der ‚auf Grund von unterschiedlichen Möglichkeiten der Grenzüberschreitung', so Anil Bhatti, ‚Ethnoscapes entstehen'(siehe, 'Explorations of the History of South Asia. Essay in Honour of Dietmar Rothermund'(Delhi/2001)). Freie Handelszonen, Touristendörfer, ‚world cities' bilden transnationale Kontexte unserer Zeit. Dieser Standpunkt legitimiert nicht nur die rege Diskussion über die Betrachtungen der fremden Städte (world cities), sondern zwingt uns auch die Schilderung indischer Städte in der fremden Literatur - für uns in der deutschsprachigen Literatur - nachzuvollziehen und zu analysieren, um in bestimmten Sinne einen Vergleich zwischen dem Standort der Literatur in der vorglobalisierten/kolonialen und der globalisierten/postkolonialen Zeit ziehen zu können. Hierin lässt sich sich der methodische Ausgangspunkt des vorgesehenen Symposiums präzisieren. Zur Ergänzung muss hinzugefügt werden, daß die übersetzte Literatur den erwarteten Diskussionsvorgang mitprägen sollte.

Die Wahrnehmung von Indien in den literarischen Werken und Reiseschriften des deutschsprachigen Sprachraums bietet sich als eines der vielen Themen an, das den Grundstein von den deutsch-indischen Dialog im literarischen Umfeld legt. Einige Städte Indiens, z.B. Benares, Delhi, Agra, Jaipur, Bombay, Bangalore besitzen einen besonderen Stellenwert in diesem literarischen Dialog der Kulturen Indiens und Deutschlands.

Die indische Legende bzw. Mythologie hat Benares zum allerheiligsten Pilgertum erhoben. Der Ruf einer geistigen Hauptstadt der indischen Antike fällt dieser Stadt Nordindiens zu. Seit der Antike über das Mittelalter bis zur Gegenwart hat sich diese Stadt ebenso als ein wichtiges Handelszentrum herausgebildet, und das heutige Gesicht der Stadt ist von regen Handelstätigkeiten in den Marktstraßen geprägt. Ganz treffend betitelte Stefan Zweig seinen Aufsatz über diese Stadt als " Benares. Die Stadt der tausend Tempel "(1909). Der Ganges, an dessen Ufer Benares liegt, weist auf den ‚ewigen Sühnequell der Inder', um die Bezeichnung Zweigs zu gebrauchen. Die Verbindung von Ganges mit einer Stadt ruft wahre metaphorische Konnotationen hervor und geht sogar so weit, dass Peter Sloterdijk von ‚Frankfurt am Ganges' reden möchte. Joseph Winklers Roman 'Domra: Am Ufer des Ganges'(1998) versucht, die tagtäglichen Ereignise des allgemeinen Menschenlebens in dieser Stadt und die Einäscherunszeremonien am Ganges ins Auge zu fassen. In dem Zusammenhang ist auch auf das das Buch ‚Benares: Stadt des Lichts' von Diana L. Eck zu verweisen.

Die Entwicklungsdynamik der Moderne ist hingegen mit Bangalore verbunden. Diese Stadt in Südindien stellt heute das Zentrum der IT-Forschung dar. Die als ‚Boomtown' und ‚Traumstadt' geltende Stadt Indiens lockt viele ausländische Studierende an. In einem Interview in der Deutschen Welle fasste Georg M. Oswald seine Eindrücke von dieser Stadt folgendermaßen zusammen: „Was wusste ich von Bangalore? Dass es eine Boomtown ist, dass dort die Computerindustrie Indiens ansässig ist, dass große deutsche Firmen wie Bosch oder Siemens da schon länger sind." Trotzdem fällt ihm die Überwindung des ‚Fremdseins' in dieser Stadt schwer.


Einen Schwerpunkt stellt die Architektur dar, wenn man die Schriften über Agra, eine in der Nähe von Delhi gelegene Stadt, heranzieht.Der Nobelpreisträger Rabindranath Tagore bezeichnet das Taj Mahal, ein historisches Monument dieser Stadt, als die "Träne des Augenblicks". Das Thema ‚Liebe' in dieser Stadt, der einstigen Hauptstadt Indiens im 16. und 17. Jahrhundert, erscheint als Leitmotiv im kürzlich auf Deutsch erschienenen Roman ‚Pfauprinzessin' (2005). In diesem mit der Kultur Indiens verbundenen Liebesroman tritt Mehrunissa - eine wahre historische Figur - als die eigentlich Mächtige hinter ihrem Gatten auf. Diesem Erzählwerk tritt der in die postkoloniale Zeit eingebettete Erzählvorgang des Romans „Die Wandlungen des Pran Naths"( München 2002) von Hari Kunzru entgegen. Dieser Roman thematisiert die Identitätssuche in kulturübergreifenden Momenten. Der Protagonist Pran Nath hat eine arme Vergangenheit hinter sich. Bewußt wird er sich seiner weißen Herkunft erst spät im Leben, wenn er den Impuls, als Engländer zu gelten, intensiv verspürt. Dieser Roman, der in Agra spielt, ist ein Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über Identitätsvermittlung in der die Kulturgrenzen in Frage stellenden postkolonialen Literatur.

Bis zu einem gewissen Grad besitzt auch Jaipur wie Benares ein religiösen Profil, da diese Stadt ihren Ruf durch religiöse Würdenträger gewann. Betrachtet man diese Stadt in ihrem geschichtlichen Glanz, darf man ihre Sonderstellung als vorzügliches Reiseziel kaum außer Acht lassen. Noch heute lässt sich die Pracht vergangener Jahrhunderte in ihren weiträumigen Anlagen mit den traumhaften Bauten, Galerien, Marmorgittern und Wandmalereien erkennen. Der Roman von Gayatri Devi „The Memoirs of the Maharani of Jaipur" (1999), der die geschichtliche Seite dieser Stadt ans Licht bringt, hat bei der deutschen Leserschaft starke Resonanz gefunden. Als Ergänzung dazu wirkt der Roman von Javier Mor „Der Fuß von Jaipur. Von der Leidenschaft zu Leben" (Hamburg 1995), in dem zwei körperlich Behinderte an den Mut haben nie ‚aufzugeben'. An den postkolonialen Ansatz knüpft auch der Roman von Pierre Zerfass „Der Wind weht noch immer aus Rajsthan" (2007) an.Dieser Liebesroman hat die Liebe zwischen dem Pariser Kunsthistoriker Alain und Vrinda, der Tochter des Maharadschas, zum Thema.Das Liebespaar zieht sich in einen kleinen Ort in der Nähe von Paris zurück und lässt den Lesern die Identitätsfrage zur Diskussion offen.

Delhi und Bombay, die bewegten ‚global cities' Indiens bieten besondere Ausganspunkte zur Erörterung. Der von Michi Strausfeld herausgegebener Band „Die Schlaflosigkeit Delhis und andere Wirklichkeiten. Wortreisen durch einen Kontinent .Indien erzählt" (2006) enthält literarischen Arbeiten über Delhi. Darin befindet sich die Erzählung von Gagan Gill „Die Schlaflosen von Delhi", ein Text, die das Leidenschaftliche des Leidens in Worte fasst. Ganz auffällig mischen sich darin Fiktion und Wirklichkeit. Schon der 2002 veröffentlichte Roman „Delhi" von Marcus Braun bezieht sich auf einen Mann, der sich in Delhi verliebt. Ein bemerkenswerter Zug der gegenwärtigen deutschen Literatur über Indien zeigt sich an dem von Merle Kroeger veröffentlichten Roman „Cut", in dem das schriftstellerische Bemühen, postkoloniale Fabel und historische Romanze zu verbinden, Hamburger Schönheit mit der Traumwelt von Bollywood zu verknüpfen, zum Ausdruck kommt. Der von Claudia Wenner herausgegebene Band „Die Geister Indiens" (2006) enthält eine Sammlung von Porträts von indischen Städten. Inhaltlich erweist sich auch das Buch „Zwischen den Welten" (2006), herausgegeben von Cornelia Zetsche, als wichtig für die Diskusion.

Welche Themen sind in diesem skizzierten Rahm,en zu reflektieren? Traditionell gilt Indien vielen Europäern als ein Land der Mystik, der Maharadschas, der Philosophie und der Spiritualität.Die ausschlaggebende Frage lautet wohl: Hat sich in dieser Wahrnehmung eine Änderung der Perspektive vollzogen? In diesem Zusammenhang könnte man auf Richard Garbe verweisen, der in seinen Reiseberichten (1885) Indien als ein Land der Wunder bezeichnet hat. Er hat aber ebenso von dem dürftigen Schicksal der armen Menschen gesprochen. Eine kulturwisenschaftlicher Ansatz liegt vielleicht auch bei Walter Benjamins Verständnis der Stadt, die einen ‚Typus des Städtebewohners' provoziert. Im transdisziplinären Rahmen erfordert diese Aufgabe eine sozio-kulturelle Entschlüsselung der literarischen Texte über indische Städte.



Die folgenden Sektionen sind geplant:

1. Die heilige Stadt: Banaras (Varanasi)

2. Das goldene Dreieck [Delhi- Agra-Jaipur]

3. Die Metropolen des Südens: Bangalur – Chennai - Hyderabad

4. Die Wirtschaftszentren: Mumbai - Pune – Baroda/ Ahmedabad

5. Die Touristenattraktionen: Goa - Kerala - Kashmir

6. Die anderen Städte und Orte Indiens


Offers of papers that address the issues and questions suggested above are invited.
Papers are to be 30 minutes in length (20 minutes presentation and 10 minutes discussion).
The deadline for submission of proposals is 31.08.2009.
Please send title and a small abstract (MS-Word) to Dr. M.K.Natarajan (email: headgermanbhu@gmail.com).
Contact telephone numbers: 0091 (0)542 6702276 / 6702315. Cell: +91 (0)9721280728.

No Travel / Daily Allowance will be provided.

Only local hospitality [boarding and lodging in the university guest house] will be provided during the days of seminar.


--
Dr. M.K.Natarajan
Head & Reader

Department of German Studies
Banaras Hindu University [BHU]
Varanasi 221005 India
Tel. +91 (0)542 6702276
Mobile: +91 (0)9721280728
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortVaranasi
Bewerbungsschluss31.08.2009
Beginn26.09.2009
Ende29.09.2009
PersonName: Natarajan, M.K. [Dr.] 
Funktion: Kontakt 
E-Mail: headgermanbhu@gmail.com 
KontaktdatenName/Institution: Department of German Studies, Banaras Hindu University [BHU] 
Postleitzahl: 221005 India 
Stadt: Varanasi  
Telefon: +91 (0)542 6702276 
LandIndien
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Klassifikation04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.06.00 Beziehungen einzelner Völker zur deutschen Literatur
Ediert von  H-Germanistik
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