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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Bewegte Erfahrungen. Zwischen Emotionalität und Ästhetik"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelBewegte Erfahrungen. Zwischen Emotionalität und Ästhetik
BeschreibungBEWEGTE ERFAHRUNGEN Zwischen Emotionalität und Ästhetik

4.Jahrestagung des Sonderforschungsbereichs „Ästhetische Erfahrung im
Zeichen der Entgrenzung der Künste“ (Sfb 626)

3.-5.11.2006, Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, Berlin
Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin-Tiergarten

Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt ist frei.


Schock oder Pathos, Desinteresse oder Sympathie, Reflexion oder körperliche Ergriffenheit? In jedem Falle löst ästhetische Erfahrung Bewegung aus, emotio. Doch stehen Emotionalität und Ästhetik auch in spannungsgeladener Konkurrenz; ihr Verhältnis ist von Anverwandlung und Abstoßung geprägt. Die Künste und ihre Theorien haben noch lange nicht damit aufgehört, das komplexe Wechselspiel dieser Beziehung durch modellartige Beschreibungen im Gespräch zu halten, es zu formen oder programmatisch neu zu gewichten.


PROGRAMM:

3. November 2006

14.00 Uhr Eröffnung (Werner Busch, Sprecher der Sfb)


SEKTION 1: ZWISCHEN PATHOS UND REFLEXION

Moderne Erfahrungsbegriffe speisen sich einerseits aus der bis zu den griechischen Tragikern zurückreichenden Tradition, der zufolge der Mensch Erfahrungen im Modus von Leid und Leidenschaft erwirbt, und werden andererseits getragen von der Idee neuzeitlicher, reflexionstheoretisch begründeter Subjektivität. Im Zuge der Herausbildung dieses Subjektivitätsbegriffes und einer (Wieder-)entdeckung ‚leibhaftiger’ Erfahrung entstehen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts vielfältige Begriffskonzeptionen, die Empfindungen und Erfahrungen nicht länger als Vorstellungs- bzw. Urteilskategorien fassen, sondern als körperliche Zustände bzw. subjektiv reflektiertes Erleben. Im Kontext dieser in Wissenschaft und Kunsttheorie zunächst unter erkenntnistheoretischem Vorzeichen geführten Debatte avanciert die ästhetische Erfahrung zum exemplarischen Erkenntnismodus, weil sie nicht nur das emotionale Erleben von Kunst als bewegende und gerade dadurch erkenntnisreiche Erfahrung am eigenen Leib ermöglicht, sondern zugleich reflexiv aufs Subjekt bezogen wird und somit Selbsterkenntnis ist.
In dieser historisch ausgerichteten Sektion werden zum einen die diskursgeschichtlichen Voraussetzungen sowie die spezifisch ästhetischen Bedingungen der Engführung von Emotion und Erfahrung zu erörtern sein, die in der Auseinandersetzung mit materialistischen, sensualistischen und anthropologischen Strömungen nach 1750 für Konzepte ästhetischer Erfahrung relevant werden. Zum anderen ist nach dem Beitrag zu fragen, den diese Konzepte wiederum für die Entwicklung des modernen Verständnisses von Emotion und Erfahrung liefern.

14.15 Uhr Einführung (Roberto Sanchiño Martínez und Antje Wessels)

14.30 Uhr Martin Vöhler: Bewegte Erfahrungen in der antiken Rhetorik

15.15 Uhr Frank Hentschel: Die sinnenfreudige Musikästhetik des
Mittelalters

16.30 Uhr Marie-Christin Wilm: Freiheit als Leidenschaft? Scheiternde
Helden und ästhetische Erfahrung im Sturm und Drang

17.15 Uhr Carsten Zelle: Sektionsrespondenz

17.45 Uhr Diskussion (Diskutant: Christoph Menke)

19.00 Uhr ABENDVORTRAG: Ronald de Sousa: Repetition and Novelty in
Emotion, Life and Art (Einführung: Oliver Jehle)


4. November 2006

SEKTION 2: MIT ANTEILNAHME UND DESINTERESSE

Modi der Anteilnahme und der Abstoßung bilden prototypische emotionale Dimensionen ästhetischer Erfahrung. Für die Entgrenzungsprozesse der Moderne, vor allem deren Zuspitzung in den Avantgarden, trifft man auf die Diagnose des Inhumanen, der Vertreibung des Menschen aus der Kunst und der Ausgrenzung der Emotionen aus der ästhetischen Erfahrung.
Die Sektion fragt nach emotionalen Implikationen der durch Verfremdung, hermetische Selbstbezogenheit und Zitathaftigkeit perpetuierten reflexiven ästhetischen Erfahrung. Von der Hoffnung auf emphatische Sublimation oder Kompensation von Erfahrungsverlusten und Schockerlebnissen in der ästhetischen Erfahrung einerseits, bis zum Verharren im abgeklärten Modus des Desinteresses als angemessenem Erfahrungsmodus andererseits.
Durch die Eskamotierung von Emotionalität verknüpfen sich ethische und politische Fragestellungen mit ästhetischen. Dies ist auch dort zu beobachten, wo Entgrenzung nicht so sehr zu einer offensichtlichen Kunsthermetik führt, sondern zu einem ‚Anything Goes’, zur Ununterscheidbarkeit. Und schließlich zur Annahme, dass ästhetische Erfahrungen auch ohne Kunst zu machen sind.

09.30 Uhr Einführung (Brigitte Obermayr und Jens Szczepanski)

09.45 Uhr Dirck Linck: Desinvolture und Coolness: Über eine Jüngersche
Haltung in Beat- und Pop-Literatur

10.30 Uhr Carolin Meister: Ikonographien der Emotion bei Francis Bacon

11.45 Uhr Anke Hennig: Die Selbstvergessenheit der Dinge in der
russischen Avantgarde

12.30 Uhr Konrad Paul Liessmann: Sektionsrespondenz

13.00 Uhr Diskussion (Diskutant: Michael Lüthy)


SEKTION 3: VON SINNESPHYSIOLOGIE UND SOLIDARPATHOLOGIE

Emotionen zirkulieren, sie mischen und vermischen sich, sie strahlen aus, werden auf sinnesphysiologischer Ebene wahrgenommen und beantwortet. Sie manifestieren sich in der blitzhaften Übereinstimmung, in der reflexgleichen Gemeinsamkeit von Sympathien oder Aversionen. Emotionen können fremd und bedrohlich erscheinen, anziehen und abstoßen; als möglicher Index einer subjektiven Wahrheit zwingen sie jedoch immer zur Stellungnahme. Wie die Wahrnehmung und Wertung dieser ästhetischen Authentizität die wechselseitige Beziehung von affektiven Stimuli und sympathetischer Reaktion reguliert, wie gegen gängige Formen der Empfänglichkeit Resistenzen entstehen, soll in dieser Sektion unter ästhetischen und epistemischen Vorzeichen diskutiert werden. Ob es die Theorie gleichschwingender Saiten oder die Modellvorstellung übereinstimmender Körperströme ist, vermittels derer die intersubjektive Verständigung hinreichend beschrieben werden kann, oder ob es nicht eher die tradierte Symmetrie von Produktion und Rezeption ist, die emotionale Verkehrssicherheit garantiert, ist zu verhandeln. Die so gefasste vorreflexive Begegnung und Verflechtung von Emotionen wirft dabei die Frage auf, wie über die somatische Welt der Gefühle und Stimmungen, wie über den Rhythmus von Senden und Empfangen kommuniziert werden kann, welche Praktiken der Codierung, der analytischen Gliederung und Semiotisierung für dieses weitverzweigte System von Bezugnahmen angemessen erscheinen.

15.00 Uhr Einführung (Beatrice Trinca und Marie-Christin Wilm)

15.15 Uhr Oliver Jehle: Hautfläche und Zirkelschlag. Ästhetische
Irrwege der Psychophysik

16.00 Uhr Friedrich Weltzien: Zur Physiologie von Geschmacksurteilen.
Gastrosophie und ästhetische Erfahrung

17.15 Uhr Matthias Warstat: Mit den Nerven spielen. Theateravantgarde
und Psychosomatik

18.00 Uhr Jutta Müller-Tamm: Sektionsrespondenz

18.30 Uhr Diskussion (Diskutantin: Erna Fiorentini)


5. November 2006

SEKTION 4: AM MODELL DER LIEBE

Ein Paradebeispiel für das Ineinandergreifen von ästhetischer Erfahrung und Emotion ist die Liebe – in ihrer Verflechtung bildhafter Momente, dramatischer Umschwünge und eines narrativen Verlaufs. In ihr erfährt das Subjekt eine tiefgreifende Veränderung seines Weltbezugs, in dem es sich und seinen Erfahrungsraum angesichts des Anderen zugleich aufhebt und vollendet. Das Privileg der Künste auf den Ausdruck der Liebe mag in dieser irritierenden Bewegung zu suchen sein, in der Subjekt, Emotion und Erfahrung sich untereinander austauschen und der die Künste in ihrer metaphorischen Semantik, der Verdichtung ihres Mediums und der Verdunkelung ihrer Referenz entgegenkommen.
Diese Sektion entfaltet am Beispiel der Liebe, inwieweit Emotionen in ihrer historischen Gestalt und kulturellen Ausdifferenzierung das Ergebnis eines Zusammenwirkens von ästhetischen Codierungen in einer intermedialen Praxis darstellen. Ästhetische Erfahrung würde unter dieser Perspektive somit in den emotionalen Phänomenbereich (von der idealen Minne über die passionierte Liebe bis zur romantischen) zurückwirken, nicht nur Emotionen evozieren, sondern auch Modelle bereitstellen, die emotionale Valeurs überhaupt erst ermöglichen. Darüber hinaus soll der Frage nachgegangen werden, welche Affinitäten die verschiedenen Künste zur Liebeserfahrung ausbilden und wie deren Ambivalenz zwischen den Künsten kommuniziert wird.

09.30 Uhr Einführung (Anke Hennig und Sabine Slanina)

09.45 Uhr Roberto Sanchiño Martínez: „Die dunkle Seite des Herzens“.
Zum Liebesdiskurs in der lateinamerikanischen Postavantgarde in Lyrik
und Film

10.30 Uhr Christiane Voss: Liebe als Metaphysik

11.45 Uhr Beatrix Hauser: Dem Spiel ergeben. Zum Entwurf devotionaler
Liebe bei der indischen Ramlila

12.30 Uhr Barbara Vinken: Sektionsrespondenz

13.00 Uhr Diskussion (Diskutant: Hermann Kappelhoff)

13.30 Uhr Schlusswort (Brigitte Obermayr)


Detailliertes Exposé: http://www.sfb626.de/index.php/veranstaltungen/tagungen/2006-11-03/


Kontakt:
Freie Universität Berlin
Sonderforschungsbereich 626
"Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste"
Altensteinstr. 2-4
14195 Berlin
Tel. 030 - 838 57 400 (Sekretariat)
Fax 030 - 838 5 7410
sfb626@zedat.fu-berlin.de
www.sfb626.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Verknüpfte Ressourcehttp://www.sfb626.de/index.php/veranstaltungen/tagungen/2006-11-03/
VeranstaltungsortBerlin
Beginn03.11.2006
Ende05.11.2006
PersonName: Iwan-Frank, Rita 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: sfb626@zedat.fu-berlin.de 
KontaktdatenName/Institution: FU Berlin, SFB 626 "Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste" 
Strasse/Postfach: Altensteinstr. 2-4 
Postleitzahl: 14195 
Stadt: Berlin 
Telefon: +49 (0)30-838 57 400 
Fax: +49 (0)30-838 5 7410 
E-Mail: sfb626@zedat.fu-berlin.de 
Internetadresse: http://www.sfb626.de/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik
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