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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Grillparzer und Hebbel: Tragödie im Theater des 19. Jahrhunderts"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelGrillparzer und Hebbel: Tragödie im Theater des 19. Jahrhunderts
BeschreibungInternationales Symposion der Hebbel-Gesellschaft (Wesselburen)in Verbindung mit der Grillparzer-Gesellschaft (Wien)

Wien 21.–23. Mai 2009

Leitung: Monika Ritzer, Institut für Germanistik der Universität Leipzig (Hebbel-Gesellschaft) / Johann Hüttner, Institut für Theaterwissenschaft der Universität Wien (Grillparzer-Gesellschaft)

Tagungsort:
Österreichische Gesellschaft für Literatur
Herrengasse 5, 1010 Wien


"Es ist Abend und ich lese ein Stück Grillparzer, König Ottokars Glück und Ende", schreibt Hebbel 1845 aus Wien an die Hamburger Freundin. Eben schließe er den 2. Akt und wenn der Fortgang dem entspräche, „so ist dies das vortrefflichste historische Trauerspiel, das in unserer Literatur existiert". Hebbel möchte den Kollegen, zu dem er "nur aus Langeweile und Neugier ging", nun "aus wahrer Hochachtung“ besuchen. Doch zögert er nach dem Abschluß der Lektüre, die ihm Befürchtungen bestätigt: „Ich begreife Geister dieser Art nicht“, kommentiert Hebbel den Untergang des Grillparzerschen Helden, dem Herrschaft und Leben in fast epischer Breite zerrinnen. Bei ihm komme es stets auf den Schlußpunkt der Tragödie an.

Solche Finalität ist Grillparzer zutiefst suspekt, denn der Dramatiker der Restaurationszeit mißtraut intellektuellen Zielsetzungen. Wie die Zeitgenossen Büchner und Grabbe zeigt er Wirklichkeit in seinen Trauerspielen als kontingentes Geschehen, dessen Offenheit auch in der explizit künstlerischen Form transparent bleibt. Auf Hebbels Sinnvorstellungen reagiert Grillparzer daher gereizt: Einer Abendgesellschaft entzieht er sich mit der Bemerkung, daß er Hebbel nicht begegnen wolle, weil der ihm einfach zu viel ‚wisse’, ja sogar Gott kenne. In ästhetischer Hinsicht weiß sich der theaterkundige Wiener freilich dem praxisfernen Norddeutschen überlegen: „Der Gedanke macht sich bei ihm nicht im Eindrucke geltend“, notiert Grillparzer ins Tagebuch und kritisiert den „ästhetischen Nebel“ Hebbelscher Dramen. Man respektiert sich; aber dem Verständnis sind Grenzen gesetzt.

Zwei Bilder der Wirklichkeit, zwei Konzeptionen des Tragischen, zwei Poetiken des Dramas, zwei Inszenierungsformen: Grillparzer und Hebbel repräsentieren diametrale Intentionen und Formen der künstlerischen Darstellung, die im Spektrum des 19. Jahrhunderts zu positionieren wären.


Programm:

Donnerstag, 21. Mai

9.00 JOHANN HÜTTNER (Wien): Begrüßung

9.15 MONIKA RITZER (Leipzig)
Trauerspiel versus Tragödie: Konstellationen des 19. Jahrhunderts im Drama der Antipoden Grillparzer und Hebbel

10.00 JÜRGEN SÖRING (Neuchâtel)
Rechtsordnung, Pleonexie und Tragödie. Einige allgemeine Erwägungen mit einem Ausblick auf Grillparzers Bruderzwist in Habsburg und Hebbels Demetrius-Fragment

11.00 MARTIN HUBER (Hagen)
Vom Mythos zur Geschichte. Formen der Retheatralisierung bei Grillparzer und Hebbel

11.45 KATHERINE ARENS (Austin, Texas)
Belehrende Öffentlichkeitssphäre oder didaktischer Erinnerungsraum? Geschichtsdramen und Geschichte als ‚Querelle des Anciens et des Modernes’

14.15 HERBERT KAISER (Duisburg-Essen)
"Die Wahrheit ist der Tod der Intention" (Walter Benjamin). Notwendigkeit und Schuld in den Dramen von Hebbel und Grillparzer

15.30 Führung
Walter Obermaier führt durch das Wien Grillparzers und Hebbels


Freitag, 22. Mai

9.00 HARTMUT REINHARDT (Trier)
Heldendämmerung. Die Krise des Heroischen bei Hebbel und Grillparzer.

9.45 RITCHIE ROBERTSON (Oxford)
Der patriotische Minister bei Grillparzer und Hebbel

11.00 JÜRGEN HEIN (Münster)
„Augiasställe“ vs. „Volksgeist“: Hebbel, Grillparzer und das Wiener Volkstheater

11.45 BRIGITTE DALINGER (Wien)
„Die Judith der Bibel kann ich nicht brauchen“: Hebbels Adaption des Judith-Stoffs und Nestroys Satire

14.15 ULRIKE TANZER (Salzburg)
„Zur Liebes- und nicht zur Tugendheldin bestimmt“: Franz Grillparzers Ester-Rezeption

15.00 JOHANN SONNLEITNER (Wien)
Jungfrau und Weib: Zur Typologie des Weiblichen in Hebbels Trauerspiel Judith

16.00 WOLFGANG MÜLLER-FUNK (Wien)
Hebbel und Grillparzer: Tableaus aus Franz Kafkas Tagebüchern 1918-1920

19.30 LESUNG
Helga Illich liest Texte von Franz Grillparzer und Friedrich Hebbel


Samstag, 23. Mai

9.00 HILDE HAIDER (Wien)
Grillparzers Schauspielertheater

9.45 PETRA STUBER (Leipzig)
Seltsame Vorstellungen von Grillparzer und Hebbel. Inszenierungspraxis und Theatergeschichtsschreibung

11.00 MATTHIAS GRÜNE (Leipzig)
Grillparzer und Hebbel am Burgtheater: Heinrich Laubes Inszenierungen

11.45 MICHAEL GMAIJ (Leipzig)
Aktuelle Inszenierungen Grillparzers und Hebbels

Schlußdiskussion

Das Symposion steht allen Interessierten offen.


Kontakt:
Prof. Dr. Monika Ritzer
Institut für Germanistik
Universität Leipzig
Beethovenstr. 15
04107 Leipzig
E-mail: ritzer@uni-leipzig.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWien
Beginn21.05.2009
Ende23.05.2009
PersonName: Ritzer, Monika [Prof. Dr.] 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: ritzer@uni-leipzig.de 
KontaktdatenName/Institution: Prof. Dr. Monika Ritzer, Institut für Germanistik, Universität Leipzig 
Strasse/Postfach: Beethovenstr. 15 
Postleitzahl: 04107  
Stadt: Leipzig 
E-Mail: ritzer@uni-leipzig.de 
Internetadresse: monika-ritzer.net 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1830 - 1880
Klassifikation15.00.00 19. Jahrhundert > 15.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.13.00 Gattungen und Formen > 15.13.02 Drama. Theater; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.15.00 Zu einzelnen Autoren
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