VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Fremdheit der Formen, Formen der Fremdheit"
RessourcentypCall for Papers
TitelFremdheit der Formen, Formen der Fremdheit
BeschreibungUNIVERSITE JEAN MONNET Saint-Etienne
Groupe de Recherches et d'Etudes sur la Culture Allemande :
Composante du Centre d'Etudes sur les Littératures Etrangères et Comparées


Bewerbungsschluß: 01.06.2009
Anmeldeschluß: 10.01.2010

CALL FOR PAPER
« Fremdheit der Formen, Formen der Fremdheit»

Internationales Kolloquium für Germanisten: 25. bis 27. März 2010

Die Polysemie des Begriffs „Ètrangeté“ fällt auf, sobald man alle im Deutschen möglichen Entsprechungen betrachtet: Seltsamkeit, Sonderbarkeit, Merkwürdigkeit, Eigenartigkeit, Absonderlichkeit, Wunderlichkeit, Fremdartigkeit… Das neutralere „Fremdheit“ kann hier als Sammelbegriff gelten. Wie W. Hogrebe (Die epistemische Bedeutung des Fremden, in Wierlacher, 1993, Kulturthema Fremdheit, S. 355-369) es zeigte, kann Fremdheit in ihrer dreifachen Hinsicht, nämlich als un-gehörig-sein, als un-bekannt-sein, als un-heimlich-sein betrachtet werden. Auf dem Gebiet der Ästhetik ändert sich seine Bedeutung je nach dem in Betracht kommenden Kunstbereich, sei es die Literatur, die bildenden Künste oder der Film. Daher kann sich dieser Begriff bei der Suche nach neuen Formen als sehr fruchtbar erweisen.
Dieses Kolloquium beabsichtigt die Untersuchung der Fremdheit unter ihren strukturellen Aspekten. Es geht darum, sich zu fragen, durch welche Formen die Fremdheit in der Literatur, in der Kunst und im Film zum Vorschein kommt: etwa durch den Traum, wo ein räumlich und zeitlich festgelegter Rahmen, das Kausalitätsprinzip und die gesicherte Identität nicht mehr gelten (Bsp.: die Wiener Novelle und Erzählung der Zwischenkriegszeit); im Übernatürlichen und Fantastischen, wo das Überreale ins Alltägliche einbricht, was die Verwendung spezifischer Ausdrucksmittel und Erzählstrukturen wie Rahmenerzählung / Binnenerzählung, „mise en abyme“, Zeitdehnung / Zeitraffung voraussetzt (Bsp.: Romantik, fantastische Literatur, expressionistischer Film) …
Auf ästhetischer Ebene sollte die Untersuchung des gewählten Begriffs zum gründlichen Nachdenken über die literarischen Gattungen anregen: welche Gattungen räumen der Fremdheit einen größeren Spielraum ein? Kann letztere als Abweichung von der „Norm“, vom Kanon, von der Tradition aufgefasst werden? Wodurch man analysieren kann, wie in der Literatur, in der darstellenden Kunst und im Kino der Bruch mit dem Akademismus, dem Klassizismus oder den Normen einer Gattung zur Erschaffung einer fruchtbaren Fremdheit führen kann: Parodie, mythisches Schreiben, das auf der verwirrenden Anpassung des ursprünglichen Mythos der modernen Welt beruht und zwangsläufig verfremdend wirkt; Ästhetik der Dekonstruktion, des Abweichens vom Üblichen oder dessen Überschreitens, des Verstoßes, der Hybridisierung und der Intertextualität, sowie auch des Avantgardismus.
Bei der Auslegung kann der Text selber als fremdartiges Objekt aufgefasst werden. Seit ihren Ursprüngen hat die jüdische Philosophie eine vielschichtige Hermeneutik entwickelt, die sich bemüht, die ungelösten Widersprüche, die Risse, die Abgründe des Textes, mit einem Wort seine unauslöschliche Fremdheit zum Vorschein zu bringen. Die talmudische Auslegung in ihren kühnsten Einfällen und die moderne und zeitgenössische literarische Hermeneutik streben ein ähnliches Ziel an, wie es unter anderen H. Meschonnic, H. Atlan, D. Banon oder MA Ouaknin hervorgehoben haben. Also könnte man die Fremdheit im Rahmen dieser wechselseitigen Beziehung als ein Schreibverfahren betrachten, das auf Öffnung, Rätsel, Ausstreuung und Aufspaltung beruht… Die Berücksichtigung der „Funktionen“ von Fremdheit, im Zusammenhang mit deren Entstehungsbedingungen (auf kultureller, politischer, sozioökonomischer oder historischer Ebene) könnte in dieser Hinsicht auch fruchtbar sein.
Darüber hinaus kann das Schreiben in einer Fremdsprache zu einem eigenartigen Erleben der Fremdheit führen. Man denke an türkische in Deutschland lebende Autoren, oder auch an den Russen Wladimir Kaminer, an den Syrier Rafik Schami, an den Mongolen Galsan Tschinag… Die Gastsprache wird in diesen Fällen zum Katalysator der Verfremdung, der Entstellung, der Sprachmischung. Ihre Fremdheit liegt darin, dass sie - aufgrund ihrer Hybridität - dem ausländischen Autor ein Mittel zur Aneignung einer Kultur werden und gleichzeitig den deutschsprachigen Leser verwirren kann.

Ihre Vorschläge sind bitte an folgende Email -Adressen zu schicken:

Blandine Chapuis: chapuisbland@wanadoo.fr

Jean-Pierre Chassagne: jean.pierre.chassagne@univ-st-etienne.fr
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortSaint Etienne
Bewerbungsschluss01.06.2009
Anmeldeschluss10.01.2010
Beginn25.03.2010
Ende27.03.2010
PersonName: Chassagne, Jean-Pierre  
Funktion: maître de conférences 
E-Mail: jean.pierre.chassagne@univ-st-etienne.fr 
Name: Chapuis, Blandine  
Funktion: maître de conférences 
E-Mail: chapuisbland@wanadoo.fr 
KontaktdatenName/Institution: Université Jean Monnet Saint Etienne Faculté Arts Lettres Langues 
Strasse/Postfach: 33,rue du 11 Novembre 
Postleitzahl: 42023 
Stadt: Saint Etienne 
Telefon: 04 77 42 16 00 
Fax: 04 77 42 13 30 
Internetadresse: www.univ-st-etienne.fr 
LandFrankreich
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/8181

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 30.03.2009 | Impressum | Intern