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Ergebnisanzeige "Antike – Lyrik – Heute. Griechisch-römische Antike in deutschsprachiger Lyrik und Altphilologie der Gegenwart"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelAntike – Lyrik – Heute. Griechisch-römische Antike in deutschsprachiger Lyrik und Altphilologie der Gegenwart
BeschreibungAntike – Lyrik – Heute. Griechisch-römische Antike in deutschsprachiger Lyrik und Altphilologie der Gegenwart, Paderborn (19.03.2009 - 21.03.2009)


Antike – Lyrik – Heute. Griechisch-römische Antike in deutschsprachiger Lyrik und Altphilologie der Gegenwart

Paderborn, 19.03.2009 bis 21.03.2009

Interdisziplinäre Tagung an der Universität Paderborn in Kooperation mit den Universitäten Gießen und Heidelberg

Organisation: Dr. Stefan Elit, Dr. Kai Bremer und Dr. Friederike Reents


Das Verständnis der griechisch-römischen Antike und ihrer literarischen Zeugnisse hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt, sowohl im wissenschaftlichen Bereich als auch in der literarischen Rezeption, und zwar jeweils hin zu einer neueren literaturwissenschaftlichen Perspektive auf die antiken Texte und ihre poetologischen Kontexte. Dieser zweifache Wandel lässt sich besonders im Bereich der Lyrik bzw. Lyrikforschung festmachen: Auf der Seite der Altphilologie lösen literatur- und kulturwissenschaftliche Neuinterpretationen antiker Lyrik, zuerst aus dem anglo-amerikanischen Raum, die älteren philologischen (in Teilen immer noch recht positivistischen oder auch biographistischen) Herangehensweisen ab, und auf der Seite der Gegenwartslyrik setzen sich prominente deutschsprachige Vertreter seit Anfang der 1990er Jahre verschiedentlich mit antiker Literatur und Poetik auseinander und suchen auch die Diskussion mit renommierten Altphilologen.

Um diesen Wandel genauer auszuloten, soll im Rahmen dieser Arbeitstagung eine im engeren Sinne interdisziplinäre Auseinandersetzung zwischen den Disziplinen Altphilologie und germanistische Literaturwissenschaft stattfinden. An ihr sollen Nachwuchswissenschaftler und etablierte Forscher teilnehmen. Die Konfrontation der antiken Gattung(steile) mit korrelierten heutigen Pendants soll dabei einem fruchtbaren Vergleich und womöglich wechselseitigen besseren Verständnis von lyrischen Formen und Ausdrucksweisen dienen. Denn im Austausch sollen antikes Gattungsverständnis aus neuerer literaturwissenschaftlicher Sicht und lyrische Antikerezeption so miteinander konfrontiert werden, dass Bezüge, aber auch poetische Differenzen klar hervortreten.

In einem ersten Teil der Tagung werden in diesem Sinne Vertreter der Altphilologie ein Bild von aktuellen Interpretationsansätzen für antike Lyrik geben. Mit dieser Bestandsaufnahme soll ein vertiefter Umgang mit antiker Lyrik mithilfe von Methoden moderner und gegenwärtiger Literaturwissenschaft angeregt werden, um die literarisch teils hochkomplexen Formen der Gattung, etwa von der 'archaischen' Lyrik eines Pindar bis zur 'artifiziellen' horazischen Versdichtung, zu forcieren – und damit auch bereits einen produktiven Ausblick auf den Umgang mit neuer und neuester Lyrik zu ermöglichen. Die Grundlegung altphilologischer Gattungskenntnisse dient so als Basis, von der aus neue Lyrik entstanden ist und interpretiert werden kann.

In einem zweiten, größeren Teil werden Literaturwissenschaftler der Germanistik neuere und neueste Lyrik vorstellen, die die griechisch-römische Antike produktiv im Heute rezipiert. Mit Blick auf die deutschsprachige Gegenwartslyrik ergibt sich so ein genauerer Blick auf diejenige Lyrik, die sich in den letzten Jahrzehnten wieder verstärkt auf die Antike und zumal deren lyrische Formen und Inhalte zurückbezogen hat, wie dies etwa im lyrischen Werk von Günter Kunert, Heiner Müller, Durs Grünbein, Thomas Kling oder Raoul Schrott festzustellen ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Einordnung und Bewertung der neuesten Lyrik ist hier die Frage nach dem Verhältnis von so genannter 'Professionalität' und eben solchem 'Dilettantismus' als möglichen Arbeitspositionen: In welchem Austausch stehen Lyriker wie die Genannten mit der antiken Philologie? Diese Frage stellt sich weniger vor dem Hintergrund des in der Forschung gegenwärtig virulenten Dilettantismus-Diskurses, als vielmehr deswegen, weil einige Lyriker kaum mehr als 'reine' Dichter arbeiten, sondern als professionelle, gegenstandskompetente Literaturvermittler – man denke etwa an Schrotts Erfindung der Poesie (1997), an seine äußerst umstrittene Übertragung des Gilgamesch-Epos (2001) und ganz aktuell an seine jüngsten, gleichermaßen umstrittenen Arbeiten zu Homer (Homers Heimat. Der Kampf um Troia und seine realen Hintergründe, 2008). Diese Frage hat zwei Dimensionen:

1. Inwieweit stellt eine solche schriftstellerische Auseinandersetzung mit der antiken Literatur etwas spezifisch Neues dar? Um diese Frage beantworten zu können, müssen exemplarische Vergleiche zur 'neueren' deutschen Lyrik gezogen werden (etwa zu Borchardt und Benn).

2. Wie lässt sich das Verhältnis von 'Dilettantismus' und 'Professionalität' im Hinblick auf die Lyrikproduktion beschreiben: Wie unterscheiden sich die Arbeitsweisen der einzelnen Lyriker? Welche Formen des Austausches bestehen zwischen ihnen und der Literaturwissenschaft? Lassen sich diese Formen des Austausches mit etablierten Dichtungsmustern beschreiben? Ist beispielsweise ein Terminus wie der des poeta doctus tatsächlich geeignet, um die Arbeiten eines Grünbein zu erfassen? Verwischt ein Lyriker wie Schrott seine Kompetenz, indem er sich zum realen Kenner aufschwingt? Zudem wirft die Frage die Nachfrage auf, welche Positionen und Gegenstände der akademischen Auseinandersetzung derzeit auf besonderes Interesse in der literarischen Rezeption treffen: Zum einen scheint dies das Interesse an den großen Namen der Kanons der Weltliteratur zu sein, andererseits aber ist auch die Orientierung besonders an der römischen Literatur etwa bei Heiner Müller und Durs Grünbein bemerkenswert, die sich nicht derart einfach erklären lässt.

Bei der Frage nach dem Verhältnis von Literatur, Philologie, Literatur- und Kulturwissenschaft scheint sich die Perspektive gegenwärtig zudem auf eine andere Weise zu verschieben: Nicht mehr die Opposition von Rephilologisierung einerseits und Kulturwissenschaft andererseits wird betont. In den Blick gerät vielmehr auch die Betrachtung der Philologie als wissenschaftliche Praxis. So erscheint der produktive Umgang mit der antiken Literatur als Resultat eines veränderten Bewusstseins, das auf der einen Seite, durch das von den Kulturwissenschaften ermöglichte Spiel mit der literarischen Vorlage befördert wurde und wird. Auf der anderen Seite aber redet diese Entwicklung nicht einer radikalen Enthierarchisierung des Kanons oder gar einem radikal dekonstruktivistischen Modus das Wort und versucht insoweit eine Vermittlungsposition zwischen der Opposition 'strikte Philologie' und 'anything goes' einzunehmen.

Das wissenschaftliche Programm ergänzend ist eine öffentliche Abendlesung mit dem Schriftsteller Uwe Kolbe vorgesehen, der aus seinem lyrischen Werk, namentlich dem jüngsten, für den Tagungskontext besonders relevanten Band "Heimliche Feste" (Suhrkamp 2007), vortragen wird. Darüber hinaus wird Kolbe für eine Diskussion zur Verfügung stehen, denn er ist nicht zuletzt wegen seiner Zeitzeugenschaft für die späte DDR-Literatur und durch seine zahlreichen Bezugnahmen auf die griechisch-römische Antike einschlägig.

Die Tagung findet von Donnerstag, 19. März, bis Samstag, 21. März 2009, in Paderborn statt (Hotel Campus Lounge Paderborn, Mersinweg 2, 33100 Paderborn, Tel.: 05251/89207-0, www.campuslounge.de). Sie wird von Dr. Stefan Elit (Paderborn), Dr. Kai Bremer (Gießen) und Dr. Friederike Reents (Heidelberg) geleitet und von der Sparkasse Paderborn, der Universitätsgesellschaft Paderborn und den Westfälischen Kammerspielen Paderborn unterstützt.


PROGRAMM

Donnerstag, 19. März 2009

15.00 Uhr
Begrüßung u. Einführung

15.15 Uhr
1. Sektion: Antike Lyrik (Moderation: Elit)

15.15 Uhr
Fragmente zu einer Theorie der Lyrik
Prof. Dr. Jürgen Paul Schwindt (Univ. Heidelberg)

16.00 Uhr
Der fragmentierte Blick: Zur Ästhetik frühgriechischer Lyrik
Dr. Nicolas Wiater (Univ. Bonn)


17.00 Uhr
2. Sektion: Lyrik der Moderne (Mod. Bremer)

17.00 Uhr
Interpretationskonflikte in Rilkes Zyklus "Die Sonette an Orpheus"
Prof. Dr. Christoph König (Wissenschaftskolleg Berlin / Univ. Osnabrück)

20.00 Uhr
Öffentliche Autorenlesung mit Diskussion: Uwe Kolbe (Mod.: Elit)


Freitag, 20.03.2009

9.00 Uhr
Forts. 2. Sektion (Mod. Bremer)

9.00 Uhr
Das Erbe dichten: Rudolf Borchardt
Dr. Stefan Willer (Zentrum für Literaturforschung Berlin)

9.45 Uhr
Antikes und Modernes in Rudolf Pannwitzens Lyrik und Dramatik
Jost Eickmeyer (Univ. Heidelberg)


10.45 Uhr
Forts. 2. Sektion (Mod.: Elit)

10.45 Uhr
Regression und Schamanismus. Gottfried Benn und die Antike
Dr. Jörg Robert (Univ. Würzburg)

11.30 Uhr
Orpheus-Figurationen in der Lyrik des 20. Jahrhunderts
Prof. Dr. Werner Frick (Univ. Freiburg)


14.30 Uhr
3. Sektion: Antike Chiffren in realsozialistischer Gegenwart (Mod.: Reents)

14.30 Uhr
Realsozialistischer Republikanismus? Heiner Müllers Kohorten in der Einbahnstraße
Dr. Kai Bremer (Univ. Gießen)


15.45 Uhr
4. Sektion: Deutschsprachige Gegenwartslyrik 1999 ff. (Mod.: Reents)

15.45 Uhr
"Philosophie und Leben. Durs Grünbein und der ,Störfall Seneca'"
PD Dr. Stefanie Arend (Univ. Erlangen-Nürnberg)

16.30 Uhr
Antike Dispositionen bei Durs Grünbein
Prof. Dr. Wolfgang Riedel (Univ. Würzburg)


20.00 Uhr
Antik:Modern:Lyrik
Öffentliche Schauspielerlesung im Studio Klingelgasse der Westfälischen Kammerspiele Paderborn


Samstag, 21.03.2009

9.00 Uhr
Forts. 4. Sektion (Mod.: Bremer)

9.00 Uhr
"Projekt 'Vorzeitbelebung'": Antikerezeption bei Thomas Kling
Dr. Frieder von Ammon (LMU München)

9.45 Uhr
"bibliotheken sind meine abgezognen häute". Identität und Intertextualität in Barbara Köhlers Gesängen "Niemands Frau"
Aniela Knoblich (Univ. Freiburg)

10.45 Uhr
Glühende Torsi: Antikeverständnis bei Raoul Schrott und Peter Sloterdijk
Dr. Friederike Reents (Univ. Heidelberg)


11.30 Uhr
Abschlussdiskussion und Verabschiedung


KONTAKT:
Zusätzliche Teilnahme nach Anmeldung per e-Mail bei den Veranstaltern begrenzt möglich.

Dr. Stefan Elit, Universität Paderborn
E-Mail: elit[at]mail.upb.de

Dr. Kai Bremer, Universität Gießen
E-Mail: kai.bremer[at]germanistik.uni-giessen.de

Dr. Friederike Reents, Universität Heidelberg
E-Mail: friederike.reents[at]gs.uni-heidelberg.de

Bei technischen Fragen zuständig:
Ivo Theele
ivotheele[at]gmx.de


VERANSTALTUNGSORT:
Hotel Campus Lounge Paderborn
Mersinweg 2
33100 Paderborn
Tel.: 05251/89207-0
www.campuslounge.de


http://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-germanistik-und-vergleichende-literaturwissenschaft/germanistik/personal/elit/workshopforschungsseminar/
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPaderborn
Beginn19.03.2009
Ende21.03.2009
PersonName: Bremer, Kai [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: kai.bremer@germanistik.uni-giessen.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Paderborn, Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft 
Telefon: ++49 (0) 5251 60-2872 
E-Mail: elit@mail.upb.de 
Internetadresse: http://kw.uni-paderborn.de/institute-einrichtungen/institut-fuer-germanistik-und-vergleichende-literaturwissenschaft/germanistik/personal/elit/workshopforschungsseminar/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Klassifikation04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.05.00 Antike und abendländische Literatur
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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