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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Phono-Graphien. Akustische Wahrnehmung in der deutschsprachigen Literatur"
RessourcentypCall for Papers
TitelPhono-Graphien. Akustische Wahrnehmung in der deutschsprachigen Literatur
BeschreibungCFP
Phono-Graphien. Akustische Wahrnehmung in der deutschsprachigen Literatur

24. – 26. September 2010, Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg

Seit Platon steht die europäische Kultur unter dem Primat des Auges. Doch schon die alltägliche Erfahrung zeigt, dass neben dem Sehen in besonderer Weise der Hörsinn zu den Grundkonstituenten von Wahrnehmung gehört. Der Mensch als „lautproduzierendes Wesen“ (Plessner) partizipert an der ‚polyphonen Partitur‘ der Welt ebenso wie Schallphänomene zur Erschließung von Welt als präzisem „Bewandtniszusammenhang“ (Heidegger) beitragen. Insofern Literatur Welt abbildet, deutet oder schafft, rekurriert auch sie auf akustische Phänomene. Sie verschriftlicht sie und verleiht ihnen – nun als Grundkonstituenten ihrer Textwelten – Zeichencharakter. Damit wird Literatur zur „Phono-Graphie“, der Leser zum ‚Tonabnehmer‘. Die Germanistik hat die akustische Dimension von Texten aber bislang nicht systematisch untersucht. Der Tagung geht es daher darum, phonographische Phänomene deutschsprachiger Epik, Dramatik und Lyrik mit Schwerpunkt auf der Zeit ab 1800 in ihren Traditionen und Paradigmen zu beschreiben. Dabei sollen Historizität, Kulturalität und Poetizität des Auditiven erfasst, seine narrative, lyrische bzw. symbolische Relevanz profiliert und literarische Laut-Schriften decodiert werden.

Themen bzw. Leitfragen können sein: Was sind historische, anthropologische, philosophische, begriffs- und kulturgeschichtliche Implikationen akustischer Wahrnehmung (etwa: Hierarchien der Sinne, Geräusche des technischen Fortschritts, des Films und Hörspiels, Philosophie akustischer Wahrnehmung, der Schrift, der Stimme und der Musik)? Was ist ihre jeweilige Relevanz für eine phonographische Poetik der Moderne?

Ferner sind Beiträge zur ästhetisch-akustischen bzw. musikalischen Qualität von Dichtung (Metrik, Rhythmus, Reim, Onomatopoiesis) sowie zum Gegensatz von Oralität und Literalität (Derrida, Kittler) und von Natur- und Kunstpoesie wünschenswert. Insofern die Phono-Graphie außenweltliche oder innersubjektive Geräusche in einen Text transponiert, können außerdem literarische Schall-Räume (z. B. Stadt, Land, belebte/unbelebte Natur, Technik, Musik, Körper und Krieg) untersucht werden. Was sind ihre Stereotypen und Kategorien (kurioser/komischer, phantastisch-satirischer, grotesker, unheimlicher, halluzinativ-visionärer, mythischer sowie erotischer Raum), welches die auf ihnen beruhende Psychologie der akustischen Wahrnehmung? Welche phonographischen Epochenprofile, welche Diachronie der einzelnen Schall-Räume lassen sich beobachten, welche Schallprofile handelnder Figuren sich als Mittel – auch gendertypologischer – Charakterschilderung erkennen?

Ebenso gilt es in anderer Hinsicht, der Relevanz des Hörsinns im Spannungsfeld von Immanenz und Transzendenz nachzugehen. Anhand der Themen von Stimme, Sprechen und Schweigen können in phonographischer Perspektive einerseits Paradigmen und Bruchstellen selbstbezüglicher und sozialer Beziehungen aufgezeigt werden (z. B. Aporien der Identität, Gehorchen und Hörigkeit als autoritäre Strukturen). Andererseits wäre das Hören auf eine jenseitige Kunde als Grenzüberschreitung zu explizieren, anhand dessen die Grundlinien einer phonographischen Poetik des Heiligen und der Transzendenz sowie akustische Epiphanien in der säkularen Moderne ausgewiesen werden können.

Abschließend soll Raum für Einzelinterpretationen phonographischer Leittexte zur Verfügung stehen. Ein Text wird zu diesem Zweck als Leittext definiert, wenn er in Handlungsverlauf, Figurencharakter, Setting, Symbolik, Selbstreferentialität oder Poetizität von mindestens einem akustischen Phänomen abhängt. Aus der Perspektive von Literatur als Phono-Graphie kann hier vor allem der symbolischen Relevanz des Auditiven Rechnung getragen werden.

Die Tagung richtet sich an Germanisten, Komparatisten, Kulturwissenschaftler, Anthropologen, Philosophen und Medienwissenschaftler, explizit auch an Nachwuchswissenschaftler. Sie wird vom 24. – 26. September 2010 im Germanistischen Seminar der Universität Heidelberg stattfinden. Eine finanzielle Förderung ist angestrebt. Beiträge sollen eine Länge von 25 Minuten nicht überschreiten, ausreichend Zeit für eine Diskussion wird eingeplant. Tagungssprache ist Deutsch. Bitte senden Sie Ihre Exposés (max. 400 Worte) sowie eine bio-bibliographische Skizze bis zum 31. März 2009 an marcel.krings@gs.uni-heidelberg.de

Kontakt:
Dr. Marcel Krings
Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg
Hauptstr. 207-209
69177 Heidelberg
Tel.: +49 (0)6221-543228
E-mail: marcel.krings@gs.uni-heidelberg.de
Web: http://www.gs.uni-heidelberg.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHeidelberg
Bewerbungsschluss31.03.2009
Beginn24.09.2010
Ende26.09.2010
PersonName: Krings, Marcel [Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: marcel.krings@gs.uni-heidelberg.de 
KontaktdatenName/Institution: Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg 
Strasse/Postfach: Hauptstr. 207-209 
Postleitzahl: 69117 
Stadt: Heidelberg 
Telefon: +49 (0)6221-543228 
Internetadresse: http://www.gs.uni-heidelberg.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
Ediert von  H-Germanistik
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