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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Mittelalter in Kanon und Populärkultur. 2. Studientag des Arbeitskreises Mittelalterrezeption"
RessourcentypCall for Papers
TitelMittelalter in Kanon und Populärkultur. 2. Studientag des Arbeitskreises Mittelalterrezeption
BeschreibungCFP: MITTELALTER IN KANON UND POPULÄRKULTUR

2. Studientag des Arbeitskreises Mittelalterrezeption

10. und 11. Oktober 2009, Staatliche Bibliothek Passau


„Überall ist Mittelalter“: die These Horst Fuhrmanns über die Gegenwart einer vergangenen Zeit bewährt sich auch vor der Differenz zwischen Kanon und Mainstream, die beide auf ihre Weise von Bildern des Mittelalters durchdrungen sind. Auf dem 2. Studientag des Arbeitskreises Mittelalterrezeption wollen wir fragen, was ‚ihre Weise‘ je sei. Beispiele hoch- und populärkultureller Mittelalterimagination sollen diskutiert und in Beziehung zueinander gesetzt werden. Erbeten sind dafür literatur- und kulturwissenschaftliche Vortragsangebote sowohl zum Kanon wie zum Mainstream, namentlich auch zu ihrem Wechselverhältnis, ihrer Abgrenzung und allfälligen Überschneidungen.

Leitfragen könnten lauten: Welche Elemente und Figuren des Mittelalters finden größeres Interesse in der ‚Anspruchskultur‘, welche in der Unterhaltungssparte, und (wie) läßt sich dies jeweils begründen? In welchem Maß sind die Mittelalterbilder hier und dort historiographisch rückversichert oder produktiver Willkür anheimgestellt? Welche funktionsgeschichtlichen Bedeutungen knüpfen sich an die verschiedenen Sparten? Wie sind der unterhaltend belehrende Professorenroman und populäre Klassiker wie Victor Hugos ‚Notre Dame de Paris‘ oder Hermann Hesses ‚Narziß und Goldmund‘ einzuordnen? Was kennzeichnet, unterscheidet und verbindet ausgesprochene Autorenfilme wie Robert Bressons ‚Lancelot du Lac‘ oder Eric Rohmers ‚Perceval le Gallois‘ einerseits, das mittelalterbesessene Mainstream-Kino andererseits? Und wie wirken populäre Adaptationsformen und ihre Medien an der ‚Wissens-‘ und ‚Bewußtseinsbildung‘ über das (finstere, archaische, christliche, europäische..., all dies in Anführungszeichen zu denken) Mittelalter mit?

Für die Startphase der Mittelalterrezeption in der Frühen Neuzeit, die sich schon auf dem 1. Studientag als perspektivenreicher Fokus erwies, ließe sich an die Prosafassungen mittelhochdeutscher Versromane (‚Wigalois‘, ‚Herzog Ernst‘) und deren Druck- und Wirkungsgeschichte bis hin zum sog. ‚Volksbuch‘ denken, aber auch an Kontinuitäts- und Diskontinuitätsprozesse vom Mittelalter zum Barock (Petrarkismus, Komödie, höfisch-historischer Roman usw.). Als weiterer zeitlicher Schwerpunkt bietet sich die Zeit um 1800 an, in der sich die ältere philologische und neuere romantische Mittelalterbelebung kreuzen. Im deutschen Raum spielt sich diese weithin in den kulturellen Oberschichten ab: von Bodmer bis Tieck reichen die Klagen über den verschwindend geringen Absatz der Neuausgaben und Nachdichtungen mittelalterlicher Literatur. Selbst Heinrich von Ofterdingen, Novalis‘ träumerischer Sänger aus dem ‚Wartburgkrieg‘, vermag das zeitgenössische Publikum nicht für sich einzunehmen. Andererseits dient das Mittelalter in dieser Zeit vielfach, wie hinlänglich bekannt, zur literarisch-kulturellen Selbstdefinition und Selbstverständigung der bürgerlichen Gesellschaft, wobei diese Rezeptionslinie – beflügelt durch ‚Zeitgeistphänomene‘ wie Nationalismus und Historismus – folgenreiche Popularisierungsprozesse nach sich zieht. Die robusteren Helden des Ritterdramas und des Ritterromans erobern sich breite Leserschichten und bieten heterogenen Evasions- oder Sinnfindungsbedürfnissen Nahrung. Um nur den notorischsten Beleg anzuführen: Heinrich von Kleist findet in einer Würzburger Leihbibliothek des Jahres 1800 weder Goethe noch Schiller vor, dafür aber „Rittergeschichten, lauter Rittergeschichten, rechts die Rittergeschichten mit Gespenstern, links ohne Gespenster, nach Belieben“.
Der „medievalism“ in Großbritannien scheint mit den Erfolgen von James Macphersons ‚Ossian‘ und Walter Scott Geschichtsromanen die Grenzen zwischen den Bildungsschichten frühzeitig zu durchbrechen und damit in einer Weise zum „nation building“ funktionalisierbar zu sein, wie dies in Deutschland beispielsweise Gustav Freytags ‚Die Ahnen‘ (eine kontinuierliche deutsche Familiengeschichte von der Merowingerzeit bis ins 19. Jahrhundert) mit weniger Erfolg und Überzeugungskraft verfolgen. Die Erinnerungskultur Frankreichs rekurriert bis heute namentlich auch auf mediävale „lieux de mémoire“.

Während vom opulenten Historismus Scotts, Hugos oder Scheffels ästhetik-, diskurs- und funktionsgeschichtliche Linien zu den historischen und pseudohistorischen Romanen der Gegenwart gezogen werden könnten, sollte ein weiterer Fokus des Studientags den „neuen Medien“ moderner Mittelalterrezeption gelten: vom Film bis zum Computerspiel, einschließlich der oft mittelalternahen Fantasywelten. Auch hierzu sind Themenvorschläge willkommen.

Ein Arbeitstitel mit einer kurzen Beschreibung des Vorhabens wird bis zum 31. März 2009 erbeten an
Mathias Herweg (ef36@litwiss.uni-karlsruhe.de) und
Stefan Keppler (keppler@germanistik.fu-berlin.de).
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortPassau
Bewerbungsschluss31.03.2009
Beginn10.10.2009
Ende11.10.2009
PersonName: Herweg, Mathias  
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: ef36@litwiss.uni-karlsruhe.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 700 - 1150; Literatur 1150 - 1300; Literatur 1300 - 1500; Literatur 1500 - 1580
Klassifikation06.00.00 Mittelalter
Ediert von  H-Germanistik
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