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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Figuren der Konversion"
RessourcentypCall for Papers
TitelFiguren der Konversion
BeschreibungFiguren der Konversion

2. Tagung der Friedrich Schlegel-Gesellschaft
8.-10. April 2010

Am 16. April 1808 konvertierte Friedrich Schlegel mit seiner Frau Dorothea in Köln zum katholischen Glauben. Das Ereignis, das bei den Zeitgenossen, die im Verfasser der Lucinde vor allem den Freigeist und Ironiker gesehen hatten, eine Art Schock auslöste, markiert eine Wende, die sich im Denken Schlegels bereits seit der Jahrhundertwende mit zunehmender Deutlichkeit abgezeichnet hatte. Auch wenn für das genaue Datum dieser Wende in der Forschung verschiedene Vorschläge gemacht worden sind, ist man sich weitgehend darüber einig, dass durch sie ein ,früher‘ von einem ,späten‘ Schlegel unterscheidbar wird. So werden der Pantheist im Gefolge Spinozas und der Gott, Mensch und Natur trennende Theist; der Bewunderer der französischen Revolution und der Verfechter eines hierarchischen Ständestaats; der Autor und Mitherausgeber des Athenaeums, der literarische Formen wie das Fragment, die Ironie oder die Polemik favorisiert, und der Verfasser erbaulicher Vorträge sowie gelehrter philosophie- und literarhistorischer Vorlesungen, die literarische Kommunikation nur mehr von außen beobachten statt selbst an ihr teilzunehmen, einander gegenüber gestellt. Die Germanistik hat dabei bis heute ihre Aufmerksamkeit und Wertschätzung ganz überwiegend dem Frühwerk Schlegels entgegen gebracht, ungeachtet der wiederholt – vor allem von Editorenseite – vertretenen Auffassung, dass die Beschäftigung auch mit einzelnen Werkteilen ein Verständnis des ,ganzen‘ Schlegel voraussetzt.

Die Logik der Schlegelschen Konversion, sofern sie sich in seinen Texten reflektiert, muss deshalb, trotz einiger Ansätze vor allem in der geistesgeschichtlichen Forschung der 1920er Jahre, bis heute als unzureichend erforscht gelten. Ob die Entwicklung dieses Denkens einem Bruch unterlag oder doch kontinuierlich verlief, ist umstritten. Die Tagung möchte zur Klärung der hiermit verbundenen Fragen beitragen. Worin genau bestehen die Veränderungen in Schlegels Werk, in seinen Ansichten ebenso wie seinem Denk- und Schreibstil? Gibt es vom Frühwerk bis ins Spätwerk sich durchhaltende Konstanten? Erlaubt es die Figur der Konversion, das Schlegelsche Werk in seiner Ganzheit zu konstruieren? Sind die Gründe für die Wende eher interner, in der Konsequenz des Denkens selbst liegender, oder externer Art? Lassen sich die Transformationen beschreiben, ohne zwangsläufig entweder für den frühen oder den späten Schlegel Partei zu ergreifen?

Der engen Interdependenz von Fragen der Literatur und der Kunst, der Philosophie, der Religion, aber auch der Politik und Geschichte bei Friedrich Schlegel soll von der Tagung Rechnung getragen werden. Liegt so der Schwerpunkt auf dem Werk Schlegels, soll der Horizont allerdings nicht auf es beschränkt bleiben. So kann in einer über diesen Autor hinausgehenden Perspektive gefragt werden, inwiefern die Schlegelsche Wende für die Selbstbegründungsproblematik des philosophischen Idealismus und den Übergang von der Früh- zur Spätromantik insgesamt signifikant ist. Zu diesem Zweck sind vergleichende Referate zu den Konversionen eines Adam Müller oder Zacharias Werner, zur Bedeutung des Katholizismus bei Wackenroder, Tieck, Novalis, Brentano, Görres, Eichendorff u. a., aber auch zum Übergang von der negativen zur positiven Philosophie (der Mythologie und der Offenbarung) bei F. W. J. Schelling wünschenswert.

In einer zweiten Erweiterung der Perspektive kann gefragt werden, welche Beziehungen zwischen den romantischen Konversionen, insbesondere derjenigen Schlegels, und anderen Konversionen bestehen, wie sie später vor allem im Umkreis des europäischen Ästhetizismus zu beobachten sind und die von dem Versuch einer radikalen Selbstbegründung und Verabsolutierung der Kunst zur (Wieder-)Entdeckung der Religion, aber auch der Tradition oder des Nationalen führen. Hier bieten sich Autoren wie Stefan George, Hugo von Hofmannsthal, Ernst Robert Curtius, Hugo Ball, Joris-Karl Huysmans, Maurice Barrès, Gerard Manley Hopkins, W. B. Yeats oder T. S. Eliot für komparatistische Studien an.

Nicht zuletzt: Figuren der Konversion können auch in der Gegenwart untersucht werden. Erwünscht sind stärker verallgemeinernde Fallgeschichten zur Konversion als eine insbesondere von der Rhetorik (conversio, Antimetabole) wie dem Ökonomischen (convertieren, umtauschen) ausgehende Denk- und Diskurstechnik von Intellektuellen.

Neben literaturwissenschaftlichen und philosophischen Ansätzen sind auch soziologische, ideengeschichtliche und religionswissenschaftliche Untersuchungen willkommen.

Interessenten werden gebeten, ihren Themenvorschlag zusammen mit einem Abstract von ca. 400-500 Wörtern bis zum 31. Juli 2009 an die Organisatoren der Tagung, Winfried Eckel (eckel@uni-mainz.de) und Nikolaus Wegmann (nwegmann@Princeton.EDU), zu schicken. Bewerbungen von Nachwuchswissenschaftlern sind erwünscht. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist vorgesehen.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.schlegel-gesellschaft.de/page.php?xSessionId=&xId=381
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss31.07.2009
Beginn08.04.2010
Ende10.04.2010
PersonName: Eckel, Winfried [Prof. Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: eckel@uni-mainz.de 
KontaktdatenInternetadresse: http://www.schlegel-gesellschaft.de/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880
Klassifikation14.00.00 Romantik > 14.01.00 Forschung; 14.00.00 Romantik > 14.04.00 Studien; 14.00.00 Romantik > 14.12.00 Zu einzelnen Autoren
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