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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Familienbande - Familienschande. Geschlechterverhältnisse in Familie und Verwandtschaft"
RessourcentypCall for Papers
TitelFamilienbande - Familienschande. Geschlechterverhältnisse in Familie und Verwandtschaft
BeschreibungCall for papers

Familienbande - Familienschande
Geschlechterverhältnisse in Familie und Verwandtschaft.

Vierte Interdisziplinäre Konferenz zur Frauen- und Geschlechterforschung in Sachsen-Anhalt

zugleich: Treffen des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung in Deutschland, Neue Bundesländer

Die Vierte Internationale Konferenz zur Frauen- und Geschlechterforschung in Sachsen-Anhalt und das diesjährige Treffen des Arbeitskreises Historische Frauen- und Geschlechterforschung in Deutschland, Neue Bundesländer, finden auch diesmal statt an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg am

10. und 11. November 2006


Ebenso wie die vorangegangenen Konferenzen (2003: Ökonomien des Lebens; 2004: Geschlecht und Gesundheit; 2005: Konferenz zur Nachwuchsförderung) möchte diese Vierte Interdisziplinäre Konferenz das Anliegen fortsetzen, im Zusammenwirken und Austausch von WissenschaftlerInnen aus den Sozial-, Geistes- und Erziehungswissenschaften, den Wirtschafts-, Natur- und Medizinwissenschaften des Landes Sachsen-Anhalt mit WissenschaftlerInnen anderer Bundesländer, die regionale wie überregionale Vernetzung von ForscherInnen der Frauen- und Geschlechterforschung zu intensivieren.
Die Fachkonferenz erstrebt sowohl eine bisherige Bilanz des Standes der Frauen- und Genderforschung in Sachsen-Anhalt und den weiteren Bundesländern, möchte die Ergebnisse gerade dieser hochaktuellen interdisziplinären Konferenz aber auch einer breiten Öffentlichkeit durch Publikation der gewonnenen wissenschaftlichen Resultate und Forschungsdiskussionen zur Verfügung stellen.


Während sich die ältere Familienforschung der 70er und 80er Jahre der Untersuchung von Familien entweder durch die Analyse von Strukturen, Organisationsformen und gesellschaftlich-sozialen Eingebundenheiten in kulturelle, politische, wirtschaftliche und soziale Prozesse oder durch demographische Erhebungen widmete, geht die neuere Familienforschung seit der Mitte der 1990er Jahre verstärkt den Beziehungs- und Gefühls-Aspekten, dem Familienleben und den emotionalen Bindungen innerhalb von Familie und Verwandtschaft nach. Diese Verschiebung der Perspektive von den strukturellen zu den anthropologischen Aspekten der Familienforschung eröffnet seit einigen Jahren neuartige Fragestellungen zum Verhalten einzelner Familienmitglieder oder Angehöriger der Verwandtschaft: Analysen etwa zum Familiengefühl, zu verwandtschaftlichen, familiären und nachbarschaftlichen Beziehungen, zur Diskussion um Öffentlichkeit und Privatheit, der Bedeutung familiärer Intimität und Aufmerksamkeit, zu emotionalen Bindungen und ihrer Visualisierung in Familienbildern oder auf Grabsteinen. Gerade diese neuerliche Öffnung der jüngeren interdisziplinären Familienforschung hin zu sozial- und kulturanthropologischen Fragestellungen, zur Untersuchung menschlicher Erfahrungen und Beziehungen und individueller bzw. subjektiver Formen des alltäglichen familiären oder verwandtschaftlichen Zusammenlebens macht Themen zu Familie und Verwandtschaft in besonderer Weise fruchtbar für Analysen mit den Theorien und Methoden der interdisziplinären und interkulturell vergleichenden Frauen- und Geschlechterforschung.
Eine geschlechterwissenschaftliche Betrachtung von Familie und Verwandtschaft wurde bislang nur in wenigen Teilbereichen angegangen und konzentriert sich vor allem auf die Paarbeziehung sowie das Verhältnis zwischen Mutter und Kind, wobei zwischen Tochter und Sohn nicht unterschieden wird. Geschwisterbeziehungen und ihre Geschlechterkonstellationen kamen bisher kaum, allenfalls im Kontext elterlicher (v.a. mütterlicher) Verhältnisse, in den Blick. In diesem Zusammenhang hat die Konflikt- und Kriminalitätsforschung in ersten Ansätzen auch Forschungen zu familiären Konflikten, zu Gewalt in der Familie und zur Familienehre vorgelegt, die in geringem Maße auch den Verhaltensmustern und Handlungsspielräumen von Männern und Frauen, Töchtern, Söhnen und Schwiegertöchtern im Sinne der Geschlechterforschung nachgehen. Während die wenigen Untersuchungen zu Kindheit, Jugend und Alter den Gender-Aspekt grundsätzlich vernachlässigen, hat vor allem die Frauen- und Geschlechterforschung ihr Augenmerk einerseits auf die weibliche Hausarbeit gelegt und andererseits den weiblichen Körper in den Blick gerückt, allerdings unter Vernachlässigung der männlichen Arbeit in der Familie und des männlichen Körpers. Ganz in den Anfängen befinden sich Forschungen zur Rolle der Großväter und Großmütter im Familienverband und zum Verhältnis der Generationen, wobei auch hier die geschlechterspezifische Perspektive bislang vernachlässigt wurde.
Das Thema Familie stellt eine Organisationsform mit Schlüsselfunktion zur Erforschung des menschlichen und insbesondere des Zusammenlebens der Geschlechter dar. Es bündelt einerseits eine Vielfalt und Vielzahl möglicher menschlicher Beziehungs- und Lebensmuster, andererseits ermöglicht es Mikroanalysen auf kleinem Raum, Langzeitstudien sowie die Untersuchung von Wandlungsprozessen. Zugleich greift die wissenschaftliche Beschäftigung der Konferenz mit dem Thema Familie eine hochaktuelle gesellschaftliche und politische Debatte auf, die durch das Schlagwort der Krise der Familie in der Moderne gekennzeichnet ist. Nicht zuletzt geht diese Krisenhaftigkeit der traditionellen Familie auf den Wandel der Geschlechterordnung und der Geschlechterbeziehungen im 20. und 21. Jahrhundert zurück. Die Konferenz nimmt die aktuellen Debatten um Männer- und Frauenarbeit, Geburtenrückgang und geschlechtsspezifischen Kinderwunsch, Kinderbetreuung und weibliche Teilzeitarbeit, die Abwanderung von Frauen aus den neuen Bundesländern und die Ausdifferenzierung von Familienformen sowie zuletzt um die geschlechtsspezifische Familienehre in traditionellen Familienstrukturen nicht nur zum Anlass, sondern macht gerade die Betrachtung geschlechtsspezifischer Aspekte und Fragestellungen zum Gegenstand einer wissenschaftlichen Diskussion um den Wandel, die Entwicklung und die Affinitäten von Familien- und Geschlechtermustern, um die historischen wie aktuellen Beziehungen und Lebensweisen der Angehörigen des männlichen und weiblichen Geschlechts in Familie und Verwandtschaft.
Familie und Verwandtschaft stellen Ordnungsgefüge dar, die gesellschaftliche, soziale und kulturelle, aber auch die Geschlechterordnung einer jeweiligen Kultur und Zeit spiegeln. In besonderer Weise erlaubt es gerade der Mikrokosmos von Familie und Verwandtschaft, geschlechtsspezifische Rollen und Vorstellungen, Aufgaben und Umgangsweisen, das Zusammenleben der Geschlechter auf engem Raum und die Geschlechterbeziehungen zwischen Familienangehörigen gleichen und unterschiedlichen Geschlechts in den Blick zu nehmen. Zu einer solchen, hier angestrebten interdisziplinären wissenschaftlichen Diskussion können unterschiedliche fachspezifische und fachübergreifende Sichtweisen beitragen.
Vor dem Hintergrund der erheblichen Defizite aller Fachdisziplinen im Hinblick auf eine methodisch-theoretische und inhaltliche Verbindung von Familien- und Genderforschung, möchte die Konferenz den vielfältigen Aspekten einer Zusammenschau unter den folgenden Hauptaspekten nachgehen:
I. Familienbande

1. Familie und Verwandtschaft als Lebenszusammenhang
1.1. Geschlechtsspezifische Konstitutionen in Familien der Vergangenheit bis Ge- genwart
1.2. Familienkulturen: Patriarchale Struktur, geschlechtsspezifische Rechtsbereiche
und Miteinander auskommen
1.3. Geschlechtsspezifische Rollen in der Familie und Familienmodelle
- Vater/Mutter
- Ehemann/Ehefrau
- Tochter/Sohn
- Bruder/Schwester
- Großvater/Großmutter
- Onkel/Tante
- Schwiegertochter, Schwägerin usw.
1.4. Handlungsspielräume und orientierungen, Lebens- und Umweltbedingungen im
hetero- und homosexuellen familiären Zusammenleben
1.5. Zusammenleben der Geschlechter in Generationen in Familie und Verwandtschaft
1.6. Selbstsichten und Erfahrungsräume
1.7. Familien - Verwandtschaft - Nachbarschaft - Umwelt

2. Familie als Arbeitszusammenhang
2.1. Geschlechtsspezifische Arbeitsorganisation
- Männerarbeit/Frauenarbeit
- Arbeit von Mädchen und Jungen,
- Arbeit von Witwen und Witwern
- Arbeit von Großvätern und Großmüttern
- Arbeit von Tanten und Onkeln usw.
2.2. Kompetenzentwicklung und geschlechtsspezifisches Lernen in der Familie
2.3. Segregation und Wandel von Frauen- und Männerarbeit in Familie und Verwandtschaft


3. Geschlechterbeziehungen zwischen Familien- und Verwandtschaftsangehörigen

3.1. Beziehungen zwischen gleichgeschlechtlichen Familien- und Verwandtschafts-
angehörigen
3.2. Beziehungen zwischen heterosexuellen Familien- und Verwandtschaftsangehörigen
3.3. Geschwisterbeziehungen - Geschlechterkonstellationen
3.4. Emotionalitäten und Bindungen
- Vertrauen, Vertrautheit, Nähe, Liebe, Hass
- lebenslange Unterstützung/Hilfe
- Bewältigung von Krankheit, Geburt, Todes- und Unglücksfällen
- Erfahrungen und Erlebnisse
3.5. Individualität und (geschlechtsspezifische) Gruppe
3.6. Kommunikation und das Aushandeln von (geschlechtsspezifischen) Interessen

4. Symbolische Formen der Verwandtschaft

4.1. Patenschaften als symbolische Formen der geschlechtsspezifischen Elternschaft
4.2. Bruderschaften in Religion, Arbeitsleben und Politik
- Heiligen- und Zunftbruderschaften
- Orden
- Brüderlichkeit als Anspruch sozialen Handelns im Bauerkrieg und während der
Französischen Revolution
4.3. Schwesternschaften
- Klosterschwestern
- Beginen
4.4. Inszenierte und visualisierte Verwandtschaften
- Theater
- Literatur
- Kunst
- Musik


II. Familienschande

1. Familienehre und verwandtschaftlicher Ehrenkodex
1.1. Entehrung von Familie und Verwandtschaft: Selbstmord von Frauen und Män-
nern
1.2. Sittliche Familienschande: Illegitime Mütter  ledige Väter, emanzipierte Schwestern  rächende Brüder
1.3. Familienehre und geschlechtsspezifische Kriminalität

2. Familie und Verwandtschaft als Orte von Krisen und Krisenherden
2.1. Ehescheidungen und Trennungen
2.2. Konflikte zwischen Familienangehörigen und Verwandtschaft/Nachbarschaft
2.3. Konflikte zwischen Geschwistern
2.4. Die Konkurrenz um Erbe, Haus und Hof: Geschlechtsspezifische Muster


3. Geschlechtsspezifische Gewalt in der Familie
3.1. Männliche Gewalt und weibliches/männliches Verhalten
3.2. Weibliche Gewalt und männliches/weibliches Verhalten
3.3. Gattenmord und seine geschlechtsspezifischen Ausrichtungen
3.4. Kindsmord - ein weibliches Verbrechen?
3.5. Gewalttätige Auseinandersetzungen und Ehrenhändel


Alle interessierten WissenschaftlerInnen, die sich mit Referaten an der Tagung beteiligen möchten, bitten wir um Zusendung eines Thesenpapiers (bis 2 Seiten) bis zum

28. September 2006

an folgende Adresse:
Ramona.Myrrhe@gse-w.uni-magdeburg.de

Den ReferentInnen können die Reisekosten und eine Übernachtung erstattet werden.

Diejenigen, die an der Konferenz und/oder am Arbeitskreistreffen teilnehmen möchten, bitten wir um Anmeldung an die o.g. Adresse bis spätestens zum

15. Oktober 2006


Über eine rege Beteiligung würden wir uns sehr freuen.


Prof. Dr. Eva Labouvie Dr. Ramona Myrrhe
Otto-von-Guericke-Universität
Institut für Geschichte
Koordinierungsstelle für Frauen- und
Geschichte der Neuzeit/Geschlechterforschung
Zschokkestr. 32, Geb. 40
39104 Magdeburg
Eva.Labouvie@gse-w.uni-magdeburg.de
Ramona.Myrrhe@gse-w.uni-magdeburg.de
Tel. 0391/6716129
Tel. 0391/6716677 (Sekr.)


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMagdeburg
Bewerbungsschluss28.09.2006
Beginn10.10.2006
Ende11.10.2006
PersonName: Prof. Dr. Eva Labouvie, Dr. Ramona Myrrhe 
Funktion: Organisation 
E-Mail: Ramona.Myrrhe@gse-w.uni-magdeburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Otto-von-Guericke-Universität, Institut für Geschichte Koordinierungsstelle für Frauen- und Geschichte der Neuzeit/Geschlechterforschung 
Strasse/Postfach: Zschokkestr. 32, Geb. 40 
Postleitzahl: 39104 
Stadt: Magdeburg 
Telefon: +49 (0) 391 6716129 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeGenderforschung
Klassifikation00.00.00 ohne thematische Zuordnung
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