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Ergebnisanzeige "Luxus: Die Ambivalenz des Überflüssigen in der Moderne"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelLuxus: Die Ambivalenz des Überflüssigen in der Moderne
BeschreibungLuxus: Die Ambivalenz des Überflüssigen in der Moderne
Deutsches Seminar der Universität Basel, 15. - 17. Januar 2009.

Veranstaltet von Dr. Christine Weder und PD Dr.Maximilian Bergengruen, Universität Basel.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, da diese Tagung öffentlich ist.

Kurzbeschreibung/Abstract:

Bis zum 18. Jahrhundert war Luxus ein Begriff, der, wiewohl in unterschiedlichen Diskursen vertreten, mehrheitlich pejorativ verwendet wurde: Moralphilosophie und Theologie geißeln in Mittelalter und Früher Neuzeit mit 'luxus' und 'luxuria' Formen der geistigen und körperlichen Ausschweifung, die derart auf zweifache Weise unter die sieben Todsünden fallen und gleichermaßen gegen stoische Gebote der Selbstbeschränkung wie auch gegen die – im Zentrum der protestantischen Tugendlehre stehenden – Zehn Gebote verstoßen. Die frühneuzeitliche Medizin schließlich sieht im "venerischen Luxus" oder den venerischen Krankheiten, etwa der Syphilis, die pathologische Entsprechung dieser moralisch-theologischen Fehlleistungen (Paracelsus).

Erst als sich im 18. Jahrhundert die Ökonomie stärker auf das aristotelische Konzept der Chrematistik, d. h. des künstlichen Wachstums des Kapitals, beruft und das Ideal der autarken Haushaltsführung (Oikonomia) verabschiedet, wird der 'Luxus' aufgewertet: Die Ökonomen der Moderne erkennen, dass die Zirkulation von Reichtümern nur unter der Bedingung der Produktion von Überflüssigem funktioniert. Daher wird aus politisch-ökonomischer Perspektive ab diesem Zeitpunkt vermehrt auf die Vorteile des Luxus als Triebfeder von Nachfrage, technischem Fortschritt, erhöhter Beschäftigung und Export, mithin der Prosperität der Gesellschaft, verwiesen (z. B. bei B. Mandeville oder J.-F. Melon). Aber auch moralisch bzw. anthropologisch wird der Luxus als „Hauptzweig des Wohllebens“ (Journal des Luxus und der Moden) nobilitiert, da er die Verfeinerung und damit Vervollkommnung des Individuums und der Nationen befördere (etwa bei Voltaire).

Die ökonomische Aufwertung des Luxus im 18. Jahrhundert verdrängt jedoch die Kritik nicht einfach; vielmehr entsteht eine charakteristische Ambivalenz der Luxus-Konzeption in Argumentation und Präsentation. Dieser ambivalenten Ausfaltung des Luxus-Begriffs von dessen ökonomischer Nobilitierung im 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart will die Tagung detailliert in den Blick nehmen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf die Tatsache gerichtet werden, dass die literarische Praxis der ökonomischen Konjunktur längst vorgegriffen hat, etwa indem anschauliche Darstellungen der 'Luxuria'-Sünden, schwelgerische Schlaraffenlandphantasien oder exzessive Ausmalungen von märchenhaftem Reichtum und Prunk oft trotz oder gerade in Kombination mit moralischen Verurteilungen unverhohlen Faszination ausdrücken.

Veranstaltungsort:

Deutsches Seminar der Universität Basel
Raum 3 (Erdgeschoss)
Nadelberg 4
CH - 4051 Basel
http:/www.germa.unibas.ch
Kontakt: simone.zweifel@stud.unibas.ch


Programm:

Donnerstag, 15. Januar 2009

14.00 Maximilian Bergengruen und Christine Weder: Eröffnung
14.15 Alexander Honold (Basel): Luxuria. Eine Tugend unter den Lastern?
15.15 Dominik Schrage (Dresden): Vom Luxuskonsum zum Standardpaket: Der Überfluss und seine Zähmung als Thema der Soziologie
16.15 Kaffeepause
16.45 Ute Tellmann (Basel): Luxus, Parasiten und die Ökonomie des Gesellschaftskörpers

Abendvortrag:
20.00 Günter Oesterle (Gießen): Der Luxus der Dinge und ihr schöner Schein


Freitag, 16. Januar 2009

9.30 Christine Weder (Basel): Literarischer Luxus im Umbruch: Die Modernisierung des Schlaraffenlandes
10.30 Kaffeepause
11.00 Ulrich Stadler (Zürich): Überflüssige Pracht und nimmersattes Auge. Zur Theorie des Ornaments bei Karl Philipp Moritz
12.00 Heinz Druegh (Frankfurt): Luxus der Lehrjahre. Zur Logik der Verschwendung in Goethes Wilhelm Meister

13.00 Mittagspause

15.00 Ethel Matala de Mazza (Konstanz): Abwege der Lust. Über untreue Frauen und Phantasien
16.00 Kaffeepause
16.30 Michael Gamper (Zürich): Ästhetik und Politik des Luxus bei Heinrich Heine
17.30 Bernd Blaschke (Berlin): Luxus als Leidenschaft bei Honoré de Balzac
20.00 Gemeinsames Abendessen


Samstag, 17. Januar 2009

9.30 Maximilian Bergengruen (Basel, Freiburg): Thomas und der spitz gedrehte Schnurrbart. Zum Verlust von Nerven- und Handelskapital in Manns Buddenbrooks
10.30 Kaffeepause
11.00 Peter Schnyder (Wien, Zürich): Schlaraffenland? Die ›feinen Leute‹ in Theorie und Literatur um 1900 (Thorstein Veblen/ Heinrich Mann)
12.00 Franziska Bomski (Freiburg): Die Vereinigung von Seele und Wirtschaft. Zur Ökonomie der Triebe in Musils Mann ohne Eigenschaften

13.00 Mittagspause

14.30 Monika Schmitz-Emans (Bochum): Imaginierter Luxus. Phantasien der Sinnlichkeit und Erfahrungen des Entzugs bei Italo Calvino
15.30 Kaffeepause
16.00 Alexandra Kleihues (Zürich): Luxus der Erzählung: Zur Poetik des ›überflüssigen Details‹
17.00 Jakob Tanner (Zürich): Der Luxus von Fluxus: zur Kulturgeschichte des Überflusses
18.00 Ende der Tagung

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://germa.unibas.ch/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBasel
Bewerbungsschluss30.11.0002
Beginn15.01.2009
Ende17.01.2009
PersonName: Zweifel, Simone 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: simone.zweifel@stud.unibas.ch 
KontaktdatenName/Institution: Deutsches Seminar der Universität Basel 
Strasse/Postfach: Nadelberg 4 
Postleitzahl: 4051 
Stadt: Basel 
Telefon: Tel. +41 (0)61 267 34 39 
Fax: Fax +41 (0)61 267 34 40 
E-Mail: info-germa-at-unibas.ch 
Internetadresse: http://www.germa.unibas.ch 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur- u. Kulturgeschichte; Motiv- u. Stoffgeschichte
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.11.00 Stoffe. Motive. Themen
Ediert von  H-Germanistik
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