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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Medizin und Ästhetik in Halle und Göttingen um 1750"
RessourcentypCall for Papers
TitelMedizin und Ästhetik in Halle und Göttingen um 1750
BeschreibungDr. Tanja van Hoorn (Ruhr-Universität Bochum / IZEA Halle)
Dr. Yvonne Wübben (FU Berlin)
Prof. Dr. Carsten Zelle (Ruhr-Universität Bochum)



Call for papers

Die "International Society For Eighteenth Century Studies" (ISECS), der
Dachverband der nationalen Aufklärungsforschungsgesellschaften, lädt im
Vierjahresturnus unter wechselnden thematischen Schwerpunkten zu einem
internationalen Kongress ein. Der "12th International Congress on the
Enlightenment" nimmt unter dem Obertitel "Knowledge, techniques and
cultures in the 18th century" die Aufklärung als Wissensgesellschaft,
als Zeitalter der Enzyklopädien, Kontroversen und Debatten in den Blick
und findet in Montpellier vom 8.-15. 7. 2007 statt.

Aufruf für Vortragsvorschläge zu folgender Sektion (die von der
Kongressleitung bereits angenommen wurde):

Medizin und Ästhetik in Halle und Göttingen um 1750

Um 1750 wirken in Halle die sogenannten "Vernünftigen Ärzte" Johann
Gottlob Krüger, Johann August Unzer und Ernst Anton Nicolai, in
Göttingen Albrecht von Haller und Johann Georg Zimmermann. Es handelt
sich um zwei Ärzteschulen, von denen die eine, Göttingische, in der
älteren Medizingeschichtsschreibung als Begründung der
Experimentalphysiologe kanonisiert, während die andere, Hallesche, von
der rezenten kulturwissenschaftlichen Aufklärungsforschung in den
Kontext der Entstehung einer aufklärerischen Anthropologie gestellt
wurde.

Ungeachtet der Differenzen aber richtet sich das Interesse sowohl in
Halle als auch in Göttingen auf die Prozesse im nervösen Körper, und
sowohl Haller als auch Unzer haben kanonische Untersuchungen zur
Nervenphysiologie vorgelegt, mit denen sie in diese zeitgenössische
Debatte gewichtig eingreifen. Den gemeinsamen Gegenstand verfolgen
beide jedoch mit einem unterschiedlichen Wissenschaftsprogramm: Während
der Fokus in Göttingen auf der Experimentalforschung liegt und Albrecht
von Haller ein experimentelles Wissen über den Reiz und die Empfindung
produziert, wird diese Wissenschaftspraktik in Halle eher ironisiert.
Hier orientiert man sich bei der Untersuchung von Reizen und
Empfindungen an den philosophischen Affektenlehren und setzt der
Experimentalisierung – gerade auch im Dialog mit der zeitgenössischen
Philosophie, Ästhetik und Poetik – die Reflexion über die
Alltagsrelevanz und Anschlussfähigkeit eines derartig produzierten
nervösen Wissens gegenüber. Dieser Befund wirft folgende Fragen auf:

- In welchem Verhältnis steht Hallers Literaturproduktion zu seinen
wissenschaftlichen Texten? Welche Funktion hat die theologische Rahmung
der Lehrdichtung?

- Unter welchen Vorzeichen wird die Fehde zwischen den Universitäten
ausgetragen? Lobt Haller die "muntere Schreibart" der Hallenser oder
verbirgt sich dahinter ein grundlegender Vorbehalt? Umgekehrt wäre zu
fragen, warum Krüger meist nur Hallers Gedichte zitiert, seine
Forschung zur Irritabilität aber geradezu ignoriert.

- Wird die universitäre Konkurrenz der Mediziner auch in den
moralischen Wochenschriften ausgetragen? Findet er in Samuel Christian
Hollmanns "Der Zerstreuer" und auch in Georg Friedrich Meiers "Der
Gesellige" einen Niederschlag?

- Wie verhalten sich Dichtung und Medizin zueinander? Wie wird die
Diätlehre von Johann Gottlob Krüger in Johann Peter Uz anakreontischer
Dichtung vermittelt, modelliert und vice versa? Wie lässt sich
Zimmermanns Diät für die Seele in diesem Kontext verorten?

- Wie lassen sich Halle und Göttingen im Ausdifferenzierungsprozess
lokalisieren? Unter modernitätstheoretischem Gesichtspunkt scheint die
Experimentalphysiologie Hallers wegweisend und ein höheres Maß an
Ausdifferenzierung aufzuweisen als die Physiologie Unzers. Hallers
literarische Produktion hingegen ist ganz traditionellen Mustern
verhaftet.

Interessenten, die bei dem geplanten "double round table" einen Vortrag
halten möchten, melden sich bitte bis zum 31. Oktober 2006 unter einer
der drei folgenden Mailadressen: tanja.vanhoorn@izea.uni-halle.de;
yvonne.wuebben@germanistik.fu-berlin.de;
carsten.zelle@rub.de

Neben den üblichen Angaben (Name, Anschrift, Vortragstitel) erbitten
wir ein kurzes, max. einseitiges Exposé. Als Vortragszeit sind 20
Minuten vorgesehen, Tagungssprachen sind Englisch und Französisch. Das
Abgabedatum der Aufsätze für einen geplanten Sammelband wird der 1.
Oktober 2007 sein. Wie bei derartigen Großveranstaltungen üblich,
können Reise- und Aufenthaltskosten sowie die Tagungsgebühren leider
nicht übernommen werden; eine Finanzierung muss daher durch
Einzelanträge bei der DFG oder anderen
Forschungsförderungsinstitutionen erfolgen. Informationen zum 12. ISECS-
Kongress finden Sie unter http://www.congreslumiers2007.org/.



Call for papers

for a double round table on the
12th International Congress on the Enlightenment (ISECS)
("Knowledge, techniques and cultures in the 18th century"
http://www.congreslumiers2007.org/)
in Montpellier, 8.-15. Juli 2007

Medicine and aesthetics in Halle and Göttingen 1750: rival
universities, rival concepts?

Around 1750, the so called „Vernünftige Ärzte“ Johann Gottlob Krüger,
Johann August Unzer and Ernst Anton Nicolai worked in the city of
Halle, Albrecht von Haller und Johann Georg Zimmermann in the city of
Göttingen.
These were two schools of physicians, of which the one from Göttingen
has been canonised in the older historiography of medicine as
foundation of experimental physiology, whereas the one from Halle has
been placed within the development of educational anthropology by
recent cultural studies of the Enlightenment.
Regardless of their differences, the interests of both schools were
directed towards the processes in the nervous body. Both Haller and
Unzer presented canonical investigations of the nervous physiology, but
they lined their analyses with different scientific programs: while in
Göttingen the focus was on experimental research, in Halle it was
trained towards the philosophical theory of the affects, thus
juxtaposing the experimentalism with the reflection of how the
knowledge of the nervous system gained in this manner could be relevant
for daily life and to which further investigations it could lead.

Possible Questions

- What is the relation between Haller’s literary production and his
scientific texts?
- Why does Haller praise the "muntere Schreibart" of the colleagues
from Halle, why does Krüger predominantly quote only from Haller’s
poems?
- Do the moral weekly magazines become a jousting place for the
academic competition of the physicians as well?
- What is the relation between poetry (Uz) and medicine (Krüger’s
Diät)?
- How can Zimmermann’s Diät für die Seele (Diet for the Soul) be placed
within this context?
- What are the positions of Halle and Göttingen in this process of
differentiation?

Proposals are welcome till 15th October 2006. Please send a title and a
short exposé (one page) to one of the following addresses:
tanja.vanhoorn@izea.uni-halle.de; yvonne.wuebben@germanistik.fu-
berlin.de; carsten.zelle@rub.de


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMontpellier
Bewerbungsschluss31.10.2006
Beginn08.07.2007
Ende15.07.2007
PersonName: Dr. Tanja van Hoorn, Dr. Yvonne Wübben, Prof. Dr. Carsten Zelle 
Funktion: Organisatoren 
E-Mail: tanja.vanhoorn@izea.uni-halle.de, yvonne.wuebben@germanistik.fu-berlin.de, carsten.zelle@rub.de 
LandFrankreich
BenutzerführungEnglisch; Französisch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1700 - 1770; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation12.00.00 18. Jahrhundert > 12.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.08.00 Aufklärung; 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.09.00 Empfindsamkeit
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