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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Spannung – Neue Blicke auf ein altes Phänomen"
RessourcentypCall for Papers
TitelSpannung – Neue Blicke auf ein altes Phänomen
BeschreibungCall for papers

Spannung – Neue Blicke auf ein altes Phänomen
Tagung in Göttingen, 15 – 17. Juni 2007

"Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?", beginnt Thomas Mann bekanntlich seine Josephs-Tetralogie. Wie tief, mag sich der Leser nach den ersten Zeilen fragen, wird Mann diesen Brunnen ausleuchten, und was wird er dabei zu Tage fördern? Und vor allem: Klingt das spannend – so spannend, dass der Leser die fast zweitausend Seiten nach diesem Einstieg in Angriff nimmt?

Im kulturellen Bewusstsein sind Manns Josephs-Romane sicher nicht als solche Texte verankert, die sich durch ihre Spannung auszeichnen. Und dennoch: Irgendeine Form von Spannung muss der Text entfalten, um das Leseinteresse wach zu halten, sei es auf der histoire- oder der discours-Ebene oder mittels der Verschränkung beider Dimensionen des Erzählens. Anders formuliert: Offenkundig nimmt die Kategorie ‚Spannung’ auch für die Produktion und Rezeption von Texten der sog. ‚Höhenkammliteratur’ eine wesentliche Rolle ein – sie hat aber, im Gegensatz zur Frage nach ihrer Funktion in der Krimi-, Abenteuer- und Kinderliteratur und in Spielfilmen, bislang kaum das Interesse der Forschung gefunden.

Denn die literaturwissenschaftliche Forschung steht hinsichtlich der Frage nach ‚Spannung’ als allgemeinem Merkmal literarischer (und damit eben auch: literarisch ‚anspruchsvoller’) Texte vor gleich zwei Problemen: Erstens liegt es im Wesen von ‚Spannung’, dass diese nicht allein als objektive Textstruktur beschreibbar ist, sondern auch ein subjektives Rezeptionsphänomen darstellt, das anhand von Kategorien wie Empathie, der Antizipation des Ausgangs von Seiten des Zuschauers/Lesers und dem Verhältnis von Erwünschtheit und (Un-)Wahrscheinlichkeit des antizipierten Ausgangs diskutiert werden muss. Zweitens zeigt sich ‚Spannung’ in Ansätzen, die dem Wechselverhältnis zwischen dem Spannungsempfinden auf Seiten des Rezipienten und der Textstruktur als objektivem Träger der Spannung nachgehen, als vorwiegend an die Ereignisstruktur des Textes gebunden: So wird Spannung häufig als triadisches Schema von 1) Frage des Rezipienten zum weiteren Handlungsverlauf, 2) der durativen Aussetzung der Antwort und 3) der ‚Lösung’ der (An-) Spannung des Rezipienten in der letztlich erfolgenden Antwort beschrieben, wobei Informationslücken und Kataphern als spannungserzeugende Textmittel dienen. Spannung ist damit weitgehend auf die Ebene der Handlung festgelegt. Dies mag bei Kriminal- oder Abenteuerliteratur adäquat sein, die Grenzen eines solchen Modells zeigen sich jedoch schnell bei anderen Textsorten, und es stellt sich die Frage, ob Spannung nicht auch andere Ebenen des literarischen Textes betreffen kann.

Ausgehend von den Spannungskonzepten der Filmwissenschaft, der Medien- und Kognitionspsychologie, der empirischen Kommunikationswissenschaft sowie den bestehenden literaturwissenschaftlichen Forschungsansätzen zur Trivialliteratur will die Tagung insbesondere diskutieren, inwieweit Konzepte von ‚Spannung’ auf Texte der ‚Hochliteratur’ übertragbar sind und ob ‚Spannung’ folglich als narratologische Kategorie ein zu verallgemeinerndes Merkmal literarischer Texte bildet. Des Weiteren wird zu klären sein, wie sich Spannung im literarischen Text konstituiert und mittels welcher Beschreibungsinventare sie sich analytisch rekonstruieren lässt. Im Einzelnen sind Beiträge aus dem Umkreis folgender Themenkomplexe vorstellbar:

Spannungserzeugung im Kommunikationsmodell:

* Spannung als Kategorie der literarischen Kommunikation zwischen
den Instanzen Autor, Text und Rezipient

Verfahren der Spannungserzeugung in literarischen Texten:

* Spannung als Merkmal der narrativen Textstruktur (Strategien der
Wissensvergabe zwischen Text und Leser, Wissensdiskrepanzen
zwischen einzelnen Erzählern und / oder Figuren, die Spezifik
Spannung erzeugender Erzählschemata, das Wechselverhältnis
zwischen Spannungselementen und Elementen der Entspannung)
* Spannung als Resultat konfligierender Textelemente, Erzählebenen,
Textmuster, Textstrategien, sprachlicher und stilistischer Mittel
des Textes
* Korrelation (und/oder Nicht-Korrelation) zwischen
handlungsorientierten und ‚ästhetisch’ verankerten Spannungselementen

Relevanz literar- und geistesgeschichtlicher Kontexte:

* kulturelle Codierung von Spannung, literarhistorische Muster der
Spannungserzeugung

Leserpsychologische, kognitionspsychologische, kognitionslinguistische, kommunikationswissenschaftliche und wirkungsästhetische Spannungsmodelle:

* Spannung als Korrelation zwischen dem ‚Zustand des
Angespanntseins’ und Spannung erzeugenden Textelementen in
empirisch-experimentellen Studien und psychologischen Modellen

Erwünscht sind sowohl exemplarische Fallstudien als auch theoretisch ausgerichtete Beiträge. Exposés (per E-Mail) an alle Herausgeber (max. 2500 Zeichen) werden bis zum 15. November 2006 erbeten. Eine Veröffentlichung der Beiträge ist geplant.

Dr. Daniela Langer
Seminar für Deutsche Philologie
Georg-August-Universität Göttingen
Käte-Hamburger-Weg 3
37073 Göttingen
Tel. 0551/397535
e-Mail: Daniela.Langer@phil.uni-goettingen.de

Dr. Christoph Jürgensen
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Theaterstr. 7
37073 Göttingen
Tel.: 0551/394174
e-mail: ch.juergensen@web.de

Ingo Irsigler, M.A.
Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Leibnizstraße 8
24118 Kiel
Tel. 0431/8803415
e-mail: ingo.irsigler@gmx.de


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGöttingen
Bewerbungsschluss15.11.2006
Beginn15.06.2006
Ende17.06.2006
PersonName: Dr. Daniela Langer 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: Daniela.Langer@phil.uni-goettingen.de  
KontaktdatenName/Institution: Seminar für Deutsche Philologie, Georg-August-Universität Göttingen  
Strasse/Postfach: Käte-Hamburger-Weg 3  
Postleitzahl: 37073 
Stadt: Göttingen 
Telefon: +49 (0)551 397535 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeErzähltheorie; Medien- u. Kommunikationstheorie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik
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