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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Epistemologische Moderne: zur Empirisierung von Natur und Kultur um 1830"
RessourcentypWeitere Forschungsvorhaben
TitelEpistemologische Moderne: zur Empirisierung von Natur und Kultur um 1830
Beschreibung"Das Projekt erforscht den fundamentalen Wandel im kulturellen Wissenssystem zwischen 1820 und 1850 und begreift diese unterschätzte Epoche als 'epistemologische Moderne' mit prägender Bedeutung für den weiteren technisch-kulturellen Modernisierungsprozess.

Ausgangspunkt ist eine neuartige Wirklichkeitsöffnung im gesamten intellektuellen Raum, die sich mit dem Begriffspaar 'Erfahrungsdruck' und 'Empirisierungszwang' (Lepenies) fassen lässt. Hängt der neuartige Erfahrungsreichtum offensichtlich mit der Entstehung der wissenschaftlichen Biologie zusammen, so hinterlässt er doch als transdiskursives Phänomen seine Spuren in Naturforschung und Literatur; genau genommen in Texten von Literaten und Naturforschern, die erst langsam aus dem Schatten grosser Polymathen wie Goethe und Humboldt heraustreten. Diese transdiskursive Wirklichkeitsöffnung wird besonders deutlich in jenem Genre, das Lebenswissenschaften und Literatur gemeinsam haben und das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts enorme Konjunktur erlebt: im Reisebericht.

Das Projekt geht anhand einer Vielzahl von naturkundlichen und literarisch-politischen Reisetexten, u.a. von Adelbert von Chamisso, Richard Schomburgk, Eduard Poeppig, Charles Lyell, Heinrich Heine, Ludolf Wienbarg, Theodor Mundt und Heinrich Laube auffälligen Strukturparallelen nach: In beiden Texttypen erzeugen der ständige Wechsel von Narration und Deskription, die Integration von Zahlen, Statistiken, Abbildungen und Intertexten ein buntes, montagehaftes Ganzes, das sich vom geschlossenen Kunstwerk der 'Kunstperiode' verabschiedet – in Heines Worten 'ein zusammengewürfeltes Lappenwerk'. Bunt und zusammengewürfelt sind auch die Gegenstände in beiden Formen der Reiseprosa: Gesteinsschichten, Seuchenausbrüche, Nationalcharaktere, Fischflossen und Arkadiensehnsucht, das alles scheint für die Autoren gleichermassen beobachtbar und vermengt sich zu einem neuartigen Konglomerat des Wirklichen und des empirischen Wissens.

Insgesamt zielt das Projekt darauf, in solch dissoziativen Repräsentationsformen das eigentlich Moderne der 'epistemologischen Moderne' freizulegen. Deutlich soll werden, dass Naturwissenschaft und Literatur einerseits keine gelehrte Einheit mehr darstellen, eher eine empirische ‚Zweiheit’; dass aber andererseits beide Kommunikationsformen gerade im Moment ihrer beginnenden Trennung aufs engste miteinander verzahnt sind, da für sie offensichtlich der gleiche historische Problemdruck – Erfahrungsfülle, Beschleunigung, Technisierung – gilt."
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters/Redaktion Germanistik im Netz
Internetadressehttp://www.unifr.ch/mh/de/research/dfg
PersonName: King, Martina [PD Dr.] 
Funktion: Projektleiterin 
KontaktdatenName/Institution: Universität Freiburg 
LandSchweiz
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1830 - 1880
Zusätzliches SuchwortEpistemologie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/56089

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