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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Im Alphabet der Fakten und Fiktionen. Das Lexikon als Literatur"
RessourcentypWeitere Forschungsvorhaben
TitelIm Alphabet der Fakten und Fiktionen. Das Lexikon als Literatur
Beschreibung"Nachschlagewerke wie Lexika, Wörterbücher und Enzyklopädien sind seit der Frühen Neuzeit alphabetisch organisiert. Das ABC garantiert eine schnelle Abrufbarkeit der lemmatisiert in einzelnen Artikeln bereitgestellten Sachinformationen. Gegenläufig zu den auf der Hand liegenden normativen Tendenzen des Formats ist das Lexikon wissenstheoretisch auch als ein offener, antisystematischer Denkraum bestimmt worden, der tentativ Ideen-Archipele ausstreue (Serres, Barthes). Satirische Wörterbücher, Lexikon-Romane und Fibel-Parodien zeugen jedoch davon, dass das Lexikon-Format nicht nur das Denken befreien, sondern auch ästhetisch produktiv werden kann. In auffälliger Weise ist die arbiträre ABC-Ordnung nämlich seit der Aufklärung funktionalisiert worden für literarische Kritik, künstlerische Polemik und avantgardistische Artefakte. Neben Zedler und Brockhaus zeichnet sich eine Linie gegenläufiger Scheinlexika ab, die sich aus den kritischen Wörterbüchern Bayles (1695/97) und Voltaires (1764) generiert und über unzählige satirische Almanache, Bestiarien und alphabetisch organisierte Autobiographien bis zu lexikographischen Anti-Erzählprojekten wie etwa demjenigen Ror Wolfs führt (Raoul Tranchirers Enzyklopädie für unerschrockene Leser, ab 1983). All diese Texte adaptieren das Lexikon-Format und wollen doch mehr sein als pragmatische Nachschlagewerke; sie sind durchweg spielerische und zugleich provokante Denk- und Literatur-Experimente. Dabei agieren sie im Spannungsfeld von mikrotextuellen Verfahren auf der Ebene der einzelnen Artikel und einer Makrostruktur, die sich aus der Anordnung der lemmatisierten Einträge durch das ABC ergibt. Aus dieser Spannung generiert sich die spezifische Poetik der literarischen Lexikographien; zugleich formiert sich hier ihre spezifische Teilhabe an der Produktion von Wissen. Denn Lexikonfakes sind, so die These, ein fruchtbares literarisches Labor, in dem mit originär ästhetischen, teilweise fiktionalen Verfahren Wissen produziert wird. Die Geschichte dieser epistemologisch produktiven lexikographischen Literaturen ist bislang ungeschrieben. Dieses Desiderat will die geplante Monographie beseitigen."
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters/Redaktion Germanistik im Netz
Internetadressehttp://gepris.dfg.de/gepris/projekt/388545292
PersonName: Hoorn, Tanja van [[PD Dr.]  
Funktion: Antragstellerin 
KontaktdatenName/Institution: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover 
Strasse/Postfach: Königsworther Platz 1 
Postleitzahl: 30167  
Stadt: Hannover 
Telefon: +49 511 762 4395 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeErzähltheorie; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte)
Klassifikation05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen
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