VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur in Nozawa Onsen mit Clemens J. Setz (Nozawa Onsen, 31.07.2016) "
RessourcentypCall for Papers
TitelSeminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur in Nozawa Onsen mit Clemens J. Setz (Nozawa Onsen, 31.07.2016)
Beschreibung---------------------------------------------------------------------------------
Repost H-Germanistik (https://networks.h-net.org/h-germanistik)
---------------------------------------------------------------------------------

25. Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur in Nozawa Onsen (Japan), 11. – 13. November 2016. Mit Clemens J. Setz

Clemens J. Setz – Am Nullpunkt des Menschseins

Mit Clemens J. Setz ist im fünfundzwanzigsten Jubiläumsjahr eine der außergewöhnlichsten Stimmen der österreichischen Gegenwartsliteratur zu Gast in Nozawa Onsen. Setz wurde 1982 in Graz geboren. Neben Gedichten und Essays schreibt er vor allem Erzählungen und Romane, deren spätkapitalistische Befindlichkeitsfiguren sich im Zustand psychischer und physischer Desorientierung durch die unheimliche Gegenwart einer technisierten Informationsgesellschaft bewegen. Ob postmoderne Apathie, Comics und Computerkultur, Internetkommunikation, Transhumanismus, Neurowissenschaften oder die großen Themen der Literatur wie Adoleszenz, Familie, Liebe und Tod – virtuos bespielt Setz den gesamten seismographischen Apparat zeitgenössischen Erzählens, um das Hier und Jetzt der westlichen Welt zu erfassen. Die offensichtliche Pathologie (Krankheit, Paranoia, Perversion) seiner sonderlichen Protagonisten ist dabei weniger eine moralisch-diskursive Verarbeitung der Abgründigkeit des Alltags als vielmehr Ausdruck einer literarischen Versuchsanordnung, die das Individuum mit den radikalen Wirklichkeits- und Möglichkeitsdimensionen der menschlichen Existenz konfrontiert – bis hin zur Auflösung in den Binärcode. Diesem Experiment sieht sich auch der Leser ausgesetzt, indem ihm die Geborgenheit konventioneller Erzählweisen im verschachtelten Spiel mit Facta und Ficta entzogen wird, und er sich zugleich als Komplize des Dargestellten reflektiert.

Bereits in seinem viel beachteten Debütroman Söhne und Planeten (2007) gelingt es Setz auf genuine Weise, eine Vater- Sohn-Geschichte ("Väterkinetik", Frankfurter Allgemeine Zeitung) als tragikomische Gravitationslehre zu erzählen. Beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt erhält er im darauffolgenden Jahr für die Erzählung "Die Waage" den Ernst-Willner- Preis. In Die Frequenzen (2008), wieder ein Familienroman ("ein atemberaubendes, ein in die Magengrube fahrendes Buch", Die Zeit) und noch verflochtener gestaltet als sein Debüt, verfestigen sich einige Grundstrukturen von Setz’ Schreiben: die mittelgroße Stadt Graz als düsteres Setting, synästhetische Sinneseindrücke, Dinganimismus, die Vorliebe für surreale Grotesken, explizite Gewalt- und Sexualdarstellungen und nicht zuletzt die autobiographische Subversion des Autors. Das diesjährige Seminarbuch Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes (2011) stellt insofern eine Zäsur im Werk des Österreichers da, als er vom Salzburger Residenz Verlag zum Berliner Suhrkamp Verlag wechselt. Der Erzählband zementiert nicht nur Setz’ Stellung als "jüngste Hoffnung der deutschen Gegenwartsliteratur" (Die Zeit), sondern wird auch mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet. Indigo (2012), sein dritter Roman, folgt abermals den Prinzipien eines vielschichtig verrätselten Erzählens. Die mysterythrillerhafte Handlung entspinnt sich um den (autofiktionalen) Mathematiklehrer Clemens J. Setz, der den merkwürdigen Vorfällen in einem Internat in der Steiermark nachgeht, in dem Kinder untergebracht sind, von denen eine auratische Strahlung – das Indigo-Syndrom – ausgeht, die bei anderen Menschen Übelkeit und Kopfschmerzen hervorruft. Das Buch liest sich als "Demonstration dessen, wie ununterscheidbar Fakten und Fiktionen im Internetzeitalter geworden sind" (Frankfurter Allgemeine Zeitung), und ist dabei "so böse wie Nabokov, so virtuos wie David Foster Wallace" (Welt am Sonntag). Wie auch Die Frequenzen wird Indigo für den Deutschen Buchpreis nominiert. 2014 erscheint Die Vogelstraußtrompete, Setz’ erster Gedichtband. Darüber hinaus schreibt er Essayistisches über Anne-Frank-Fanfiction im Feuilleton. Sein letzter Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre (2015) bringt mit der hochneurotischen Pflegerin Nathalie Reinegger, die den Stalker Alexander Dorm betreut, sicherlich die bis dato komplexeste und provokanteste Figur des Autors hervor – und ist zugleich sein stärkster "Anschlag auf die seelische Unversehrtheit des Lesers" (Die Welt). Neben der Sprachgewalt des Texts überzeugt vor allem die gegenseitige Durchdringung medialer und sensueller Wahrnehmung: "Kaum einem Schriftsteller gelingen so fantastische Verschaltungen von Organischem und Mechanischem, Belebtem und Unbelebtem" (Süddeutsche Zeitung). Der Roman wird mit dem Wilhelm Raabe-Literaturpreis ausgezeichnet. Noch im selben Jahr erscheint auf Anregung von Kathrin Passig Glücklich wie Blei im Getreide, eine illustrierte Sammlung nacherzählter Schreibversuche. Davon, dass Clemens J. Setz ohnehin ein großer Könner der Kurz- und Kürzestschreibweisen ist, kann man sich tagtäglich als Follower seines Twitter- oder Instagram-Accounts überzeugen.

Das Seminar zur österreichischen Gegenwartsliteratur in Japan ist sowohl eine akademische Veranstaltung als auch ein Symposion in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes: ein Gastmahl. Bei guter lokaler Küche und schönem Ambiente haben die am Seminar Teilnehmenden ein Wochenende lang Gelegenheit, sich aus erster Hand über den Stand der österreichischen Gegenwartsliteratur zu informieren. Es gibt eine Vielzahl von Vorträgen und Lesungen und auch Gelegenheit, Spaziergänge durch die alpine Landschaft zum anregenden Gespräch in Kleingruppen zu nutzen, den Verstand und die Sinne zu schärfen. Der fachübergreifende Charakter der Veranstaltung kommt auch darin zum Ausdruck, dass das Seminar in seiner langjährigen Geschichte nicht nur von Germanisten, sondern auch von Soziologen, Religions- und Musikwissenschaftlern und ebenso von bildenden Künstlern besucht wurde.

Call for Papers

Das Seminar beginnt am Freitag, den 11. November. Bis Sonntag, den 13. November diskutieren dann die Seminarteilnehmer Clemens J. Setz’ Werk im Dialog mit dem Autor. Vorschläge für Referate werden ab sofort entgegengenommen. Zusätzlich zu Arbeiten, die sich mit einem Einzelwerk befassen bzw. einen bestimmten Teilaspekt vertiefen, und solchen, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Seminarbuch (Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes) beschäftigen, sind auch Überblicksreferate willkommen, die grundsätzliche Fragestellungen aufwerfen. Vorträge sollten zwischen 20 und 25 Min. dauern, das Abstract maximal 150 Wörter lang sein.

Anmeldungen ab sofort und bis 31. Juli. Abgabetermin für das Abstract ist der 15. September. Anmeldung direkt unter: http://www.onsem.info/anmeldung/. Details zum Programm und vieles mehr finden Sie auf der Seminar-Homepage: http://www.onsem.info.

Organisation: Claus Telge (Universität Osaka), Bertlinde Vögel (Universität Osaka) und Walter Vogl (Keio-Universität)

Kontakt: Claus Telge (claus.telge@let.osaka-u.ac.jp), Bertlinde Vögel (bvoegel@lang.osaka-u.ac.jp)

Mit Unterstützung des KULTURFORUMS DER ÖSTERREICHISCHEN BOTSCHAFT TOKIO und des OeAD

---------------------------------------------------------------------------------
Repost H-Germanistik (https://networks.h-net.org/h-germanistik)
---------------------------------------------------------------------------------
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttps://networks.h-net.org/node/79435/discussions/130602/cfp-seminar-z...
VeranstaltungsortNozawa Onsen (Japan)
Anmeldeschluss01.07.2016
Beginn11.11.2016
Ende13.11.2016
PersonName: Telge, Claus 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: claus.telge@let.osaka-u.ac.jp 
Name: Vögel, Bertlinde 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: bvoegel@lang.osaka-u.ac.jp 
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur nach 1945
Zusätzliches SuchwortSetz, Clemens J.
Klassifikation19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.13.00 Zu einzelnen Autoren
Ediert von  UB-Frankfurt
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/54665

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 20.06.2016 | Impressum | Intern