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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Konstruktionen, Kollokationen, Muster – Geerbte Strukturen, Übertragung in neue Realitäten (Montpellier, 31.10.2016)"
RessourcentypCall for Papers
TitelKonstruktionen, Kollokationen, Muster – Geerbte Strukturen, Übertragung in neue Realitäten (Montpellier, 31.10.2016)
Beschreibung---------------------------------------------------------------------------------
Repost von H-Germanistik (https://networks.h-net.org/h-germanistik)
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Organisation: Centre de Recherches et d’Etudes Germaniques (CREG)

Prof. Dr. Michel LEFEVRE (Université Paul Valéry – Montpellier 3)

Dr. Katharina MUCHA (Universität Paderborn)

Eingeladene Vorträger:

Prof. Dr. Hans C. BOAS (University of Texas at Austin)

Jun.-Prof. Dr. Alexander ZIEM (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Datum: 16. bis 18. November 2017

Ort: Université Paul Valéry – Montpellier

Die Thematik des Workshops ist eingebunden in den aktuellen Forschungsschwerpunkt des CREG: Erben, weitergeben: Mechanismen und Prozesse - Hériter et transmettre: mécanismes et processus

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Wir laden herzlich zur Vorstellung tradierter und innovativer Forschungsansätze, zu fruchtbarem Perspektivwechsel und engagierter Diskussion vom 16. bis 18. November 2017 an die Université Paul Valéry nach Montpellier ein. Der Schwerpunkt des Workshops liegt auf theoretischen Modellierungen, methodischen Vorgehensweisen und empirischen Analysen, die sich mit der Untersuchung von komplexeren sprachlichen Einheiten, ihrer Abhängigkeit von und ihrer Einbindung in Diskursen beschäftigen.

In theoretisch-methodischer Hinsicht sind Beiträge mit unterschiedlichen theoretischen Annahmen willkommen, die in einen heuristischen Dialog treten sollen. Insbesondere könnten strukturalistische Zugänge zur Analyse von komplexeren sprachlichen Einheiten mit kulturanalytischen, konstruktionsgrammatischen und kognitiven Ansätzen, z.B. Frame-Semantik, Conceptual Blending, in den Vergleich und in Versuche einer fruchtbaren Verknüpfung treten. Es kann die Frage erörtert werden, inwiefern die unterschiedlichen Ansätze und Termini kompatibel sind, welche Vor- und Nachteile bzw. welche Reichweite der Erklärung und Analyse mit ihnen jeweils erzielt werden kann. Hierbei ist auch der Einbezug (sprach)philosophischer Positionen begrüßenswert.

Bei den zu untersuchenden sprachlichen Einheiten kann es sich einerseits um einfache Kollokationen (z.B. ein Ziel verfolgen; vor Freude weinen), partiell idiomatisierte (z.B. blinder Passagier; panische Angst) oder voll idiomatisierte (z.B. jdm. einen Korb geben) phraseologische Ausdrücke oder (emotive) Routinen (z.B. Herzlichen Glückwunsch; Gott sei Dank!) handeln. Andererseits sollen Konstruktionen und Muster in den Blick genommen werden, die über die terminologisch tradierte sogenannte Satzgrenze hinausgehen und Äußerungen relativ fest in einer interaktional-diskursfunktionalen Abfolge aneinander binden (z.B. Was für ein Unsinn! Du spinnst ja!; Was soll ich denn dagegen tun? Ich kann nicht die ganze Welt retten!).

Im Hinblick auf die Arbeit mit Korpora soll der Workshop offen für die unterschiedlichsten Textsorten aus den unterschiedlichsten Epochen der deutschen Sprache sein, es sind auch ausdrücklich kontrastive Ansätze mit anderen Sprachen willkommen. Interessant wäre es auch, wenn in einem onomasiologischen Ansatz insbesondere thematische bzw. semantische Felder untersucht würden, wie etwa die polylexikalischen Mittel zum Ausdruck der Emotionen.

In synchroner Hinsicht kann der Akzent z.B. auf die Wechselwirkungen zwischen den polylexikalischen Einheiten und dem sprachlichen System einerseits, dessen Entwicklung das Entstehen oder auch Entlehnen von Phrasemen beeinflußen kann, und andererseits auf Diskurse und deren Einbettung in die außersprachlichen Produktions- und Rezeptionsbedingungen, gesetzt werden.

In diachroner Hinsicht können polylexikalische Einheiten in allen Phasen, vom Entstehen komplexer Lexeme und von der Demotivierung, die zu Phrasemen führt, bis hin zu deren eventueller Auflösung durch Remotivierung oder innovative Kollokationen untersucht werden – wobei eine solche vermeintliche teleologische Entwicklung hier nur zu Darstellungszwecken theoretisch vorausgesetzt wird und deren Relevanz in einzelnen Untersuchungen differenziert analysiert werden müsste.

Im Rahmen dieses Workshops könnten die Beiträger_innen insbesondere folgenden Fragestellungen nachgehen:

- Welche Rolle könnten die bisherigen Untersuchungen der (historischen) Text(sorten)- und Medienlinguistik für kognitiv-konstruktionsgrammatische Ansätze spielen? Operieren Vertreter_innen der einen und anderen Richtung nur mit verschiedenen Begrifflichkeiten oder doch mit einem unterschiedlichen sprachtheoretischen und (-)philosophischen Hintergrund? Inwiefern spielten unterschiedliche Perspektiven auf den Gegenstand Sprache bzw. die Art der Verankerung des sprachlichen Zeichens bzw. die Unterscheidung von Sprachsystem (langue) oder Kompetenz und Sprachgebrauch (parole) oder Performanz eine Rolle für Möglichkeiten der Beschreibung und Analyse des sprachlichen Ausdrucks - auch von spezifischen Diskursen wie z.B. Emotionen/Gefühlen? Kurzum - Was an strukturalistischem Erbe ließe sich in die neuen Realitäten von poststrukturalistischen, interaktionalen, soziokonstruktivistischen, kognitiven Ansätzen des 21. Jahrhunderts übertragen? Und sind diese Realitäten überhaupt neu?

- Auf welche Weise unterscheiden sich Begriffe wie „Tisch(bein)“ und „(Zukunfts)Angst“ überhaupt voneinander? Und welche kognitiven Routinen bedingen semantisch-pragmatische Prozesse? Inwiefern lassen sich kognitive Routinen durch empirische Analysen nachweisen? Welcher gesellschaftspolitische und diskurstheoretische Rahmen legt fest, welche sprachliche Äußerung (Konstruktion, Kollokation, Muster) auf welche Weise interpretiert werden soll? Interpretieren und verwenden alle Sprachbenutzer_innen einer Sprache die gleichen sprachlichen Äußerungen auf gleiche Weise und in der gleichen Bedeutung? Auf welche Weise ließe sich das überhaupt überprüfen?

- Hinzu kommen Fragen, die die Historizität betreffen: Wird von den lexikalischen Instanziierungen einmal abgesehen, scheinen sich viele Konstruktionen, Kollokationen, Muster über Jahrhunderte hinweg in Diskursen zu halten, einzig die Slots werden lexikalisch anders gefüllt (z.B. Wie X! Wer X, (der) Y). Inwiefern bleiben Funktionen erhalten, inwiefern verändern sie sich in Abhängigkeit von den Instanziierungen? Und besitzen diese Funktionen dann Universalität im Sinne einer Steuerung von Realitätskonstruktionen in Diskursen, wohingegen Bedeutung oder Sinn etwas individuell und soziokulturell Geschärftes ist?

- Daraus lässt sich wiederum die Frage ableiten, welche Rolle Ansätze der Cognitive Narratology, Erzähl-/ Literaturtheorie für eine vergleichende Untersuchung des alltäglichen und literarischen Sprachgebrauchs spielen könnten. Wird z.B. davon ausgegangen, dass Sprachbenutzer_innen symbolisch deutend verfahren, dann würden sich alltägliche und literarische Erzählungen in der Art ihrer Konstruktion vielleicht gar nicht voneinander unterscheiden – abgesehen von Graden der Komplexität, Verdichtung, Geformtheit und Stilisierung. Ebenso könnte die tradierte konstatierte Unterscheidung von Mündlichkeit und Schriftlichkeit ausgehend von dieser Basis neu in den Blick genommen werden.

Wir erhoffen uns den Workshop auch als Basis für einen Ausbau der bilateralen wissenschaftlichen Zusammenarbeit im Bereich der vorgeschlagenen theoretischen & methodischen Diskurse – insbesondere zur Netzwerkbildung zwischen (erfahrenen und besonders nachwachsenden Wissenschaftler_innen aus) Frankreich und Deutschland – sowie die Initiierung eines regelmäßigen Austausches, der zu gemeinsamen Projektarbeiten/Workshops und/oder wechselseitigen Gastaufenthalten anregen kann.

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Die Einsendung von Abstracts mit einem Umfang von max. 1000 Wörtern (inklusive Literaturangaben, Schriftart Times, 12pt, Zeilenabstand einfach) wird bis zum 31.10.2016 erbeten an die folgende E-Mail-Adresse: konkolmus[at]gmail.com.

Die Abstracts mögen in deutscher Sprache verfasst sein – gleiches wäre für das Halten der Vorträge erstrebenswert (ggf. könnte aber auch in französischer oder englischer Sprache eingereicht und vorgetragen werden). Vielen Dank für Ihr Interesse und Engagement. Regelmäßige Updates bzgl. der Zusammenstellung des Programms etc. finden Sie ab dem 01. Dezember 2016 auf unserer Workshop-Homepage, die in Vorbereitung ist.

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Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttps://networks.h-net.org/node/79435/discussions/130555/cfp-konstrukt...
VeranstaltungsortMontpellier (Frankreich)
Anmeldeschluss31.10.2016
Beginn16.11.2017
Ende17.11.2017
PersonName: LeFevre, Michel 
Funktion: Organisation 
E-Mail: konkolmus@gmail.com 
Name: Mucha, Katharina 
Funktion: Organisation 
E-Mail: konkolmus@gmail.com 
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeTextlinguistik (Textbegriff, Textgrammatik, Textsorten, Hypertexte, Textsortengeschichte)
Klassifikation02.00.00 Deutsche Sprachwissenschaft (in Auswahl) > 02.10.00 Sprache im 20. Jahrhundert. Gegenwartssprache
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