VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige ""Missverständnis/ Malentendu" - Fächerübergreifender Workshop für NachwuchswissenschaftlerInnen"
RessourcentypCall for Papers
Titel"Missverständnis/ Malentendu" - Fächerübergreifender Workshop für NachwuchswissenschaftlerInnen
BeschreibungCALL FOR PAPER
Fächerübergreifender Workshop für NachwuchswissenschaftlerInnen

GIRAF-IFFD (Groupe interdisciplinaire de recherche Allemagne-France / Interdisziplinäre Foschungsgemeinschaft Frankreich-Deutschland) ist ein Verein von Nachwuchswissenschaftlern/-innen, Doktoranden/-innen und Postdoktoranden/-innen aus den Sozial-, Geistes- und Literaturwissenschaften, deren Forschungsschwerpunkt und/oder Forschungseinrichtung mit Frankreich oder Deutschland verbunden ist. Bei seiner Gründung im Jahre 2003 hat sich GIRAF-IFFD verschiedene Ziele gesetzt: den Aufbau eines administrativen sowie auch wissenschaftlichen Infonetzwerks, die Förderung des wissenschaftlichen Austausches zwischen Nachwuchswissenschaftlern/-innen, sowie den Dialog mit den verschiedenen französischen und deutschen Institutionen im Bereich der Forschung und des Universitätslebens aufzubauen und zu pflegen. GIRAF-IFFD hält monatliche Treffen in Frankreich oder/und in Deustchland, die den Austausch und das Kennenlernen zwischen seinen Mitgliedern ermöglicht. Die Online-Präsentation der Arbeiten und Projekte seiner Mitgliedern auf seiner Webseite (www.giraf-iffd.org) ist in Planung.
GIRAF-IFFD organisiert eine jährliche Nachwuchstagung zu einem interdisziplinären Thema. Im Jahre 2004 fand sie in Lille statt und betraf das Thema « Tabus und Tabubrüche », 2005 wurde sie in Berlin zum Thema « Mittel und Kontrapunkte » veranstaltet.

GIRAF-IFFD organisiert vom 1. bis zum 2. Juni 2007 einen fächerübergreifenden deutsch-französischen Workshop für NachwuchswissenschaftlerInnen zu folgendem Thema:

Missverständnis: versteh' mich richtig, es geht um Kommunikation
Malentendu : bien entendu, une affaire de communication


« Die Welt funktioniert nur durch ein Missverständnis. Das universelle Missverständnis erlaubt es erst der Welt, sich zu einigen. Denn wenn man sich durch einen unglücklichen Zufall einmal verstünde, käme man nie zu einer Meinung. » (Charles Baudelaire, Mein entblößtes Herz, XLII)

Das Missverständnis/ Malentendu wird meist negativ definiert: das Miss-Verstehen deutet darauf hin, dass die Kommunikation fehl gelaufen ist, dass ein Klärungsbedarf besteht, um die Situation wieder zurecht zu biegen und Verständigung zu ermöglichen. Das Missverständnis ist per se eine schief gelaufene Kommunikation. Eben darum eignet es sich auch so gut für die Bühne: die anwesenden Personen verständigen sich in der Illusion, dass sie sich verstehen, wobei die Illusion selbst die Bedingung dieser Pseudo-Kommunikation ist. Dieses Paradoxon stellt die Besonderheit und das Interesse des Missverständnisses als Sprachfigur und als intersubjektive Situation dar. Seine übliche Abwertung übersieht dabei seine herausragenden heuristischen Potenziale. Zum Missverständnis gehört eine Absicht zur Kommunikation von Seiten einer Person und/oder eines Autors. Doch kann man noch von Missverständnis sprechen, wenn die Absichten nicht zu durchschauen sind? Handelt es sich dann nicht vielmehr um eine 'Fiktion des Missverständnisses?'
Die Fragen, die das Missverständnis hervorruft, sind breit gefächert. Ihre Untersuchung an deutsch-französischen Beispielfällen wird zwar bevorzugt, soll jedoch nicht exklusiv sein. Die vergleichende und fächerübergreifende Dimension dieses Workshops hat zum Ziel, die bisherigen Ansätze zur Untersuchung des Missverständnisses (literarischer, hermeneutischer, sprachlicher Art u.a.) zu erweitern .
In Frankreich wie auch in Deutschland, innerhalb und zwischen beiden Ländern, ruft die Kommunikation zwischen verschiedenen Instanzen (Individuen, Gruppen…) und in verschiedenen Bereichen (privat/öffentlich, politisch, wirtschaftlich, sportlich) Missverständnisse hervor. Durch sie werden die differenzierten Identitäten der Gesprächspartner zum Ausdruck gebracht, sowie eine Kommunikation, die auf einer nicht gemeinsamen Realitätswahrnehmung und einem ungleichen Sprachverständnis beruht. Welche Mechanismen, Ausdrucksmöglichkeiten und Einsätze des Missverständnisses lassen sich beschreiben? Was enthüllt das Missverständnis über Möglichkeiten und Grenzen der Kommunikation? Gibt es notwendige Missverständnisse und andere, die es im sozialen Raum zu beseitigen gilt? Wie drücken sich Missverständnisse in der kulturellen Übermittlung zwischen Frankreich und Deutschland aus?

Die Veranstaltung richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen aller Disziplinen und wird etwa zwanzig Teilnehmer umfassen. Um Anschlussmöglichkeiten für den je facheigenen Umgang mit dem Thema 'Missverständnis' zu schaffen, wird der Workshop in vier thematische Sitzungen unterteilt. Die Arbeitssprachen sind Deutsch und Französisch.

GIRAF/IFFD lädt DoktorandInnen und PostdoktorandInnen ein, ca. 600 Wörter umfassende Vorschläge für einen 20-minütigen Vortrag zu einer der folgenden vier Sektionen einzureichen:

1)'Die Sprache des Missverständnisses' (Franco La Cecla)
Am Anfang war das Wort, dies auch an beiden Seiten des Rheins. Besonders die Frage der Übersetzung bleibt die Pandora-Büchse vieler Missverständnisse. Das Verhältnis von Sprache und Ausdruck, Landessprache und Sprechweisen soll in dieser Sektion angesprochen werden, um Entstehungsbedingungen, Art, Ablauf und Aufhebung der Missverständnisse zu erläutern. Welche Folgen hat in dieser Hinsicht die Ausbreitung der Medien? Kommunikation und Begegnungen finden in immer komplexeren medialen Netzwerken statt. Stellen die Massenmedien eine Hilfe zur Behebung oder neue Instrumente der Produktion von Missverständnissen dar?

2)'Ich habe Euch verstanden' (Charles de Gaulle): das Missverständnis in Geschichte und Politik
Wie wird ein zur Abstimmung vorgelegter juristischer, politischer, konstitutioneller Text verstanden? Inwiefern kann ein beabsichtigtes Missverständnis zu einem politischen Instrument werden, wenn man annimmt, dass das Missverständnis auch eine Frage von Macht und Strategie ist? Man denke an den Krieg von 1870/71, der zum Teil durch das provozierte Missverständnis der Emser Depesche ausgelöst wurde. Welche sind die Mechanismen und was steht beim politisch-strategischen Missverständnis auf dem Spiel? In wessem Interesse oder zu wessen Kosten werden Missverständnisse verhindert oder provoziert, still hingenommen oder denunziert? Ordnung, Kontrolle, Macht und Wissen sind einige der Schlüsselbegriffe, die in dieser Sektion in den Vordergrund rücken.

3)Missverständnis und Gesellschaft
Nachbarschaft hat ambivalente Konsequenzen: man glaubt, den anderen gut zu kennen, Witze und Stereotypen sind leicht bei der Hand und helfen, Konfliktpotenzial zu entschärfen. Doch diese entkräften zugleich auch die Neugierde, die Lust zur Begegnung, und die Authentizität des Austauschs. Es gibt kein starres Bild des Anderen, denn je nach Kontext wird 'Andersheit' überreizt oder heruntergespielt. Fragen, die diese Sektion anspricht sind u a.: Wie funktionieren Stereotypen als Missverständnis, ob bewusst genährt oder erlitten? Welche Masken, Mythen, Fiktionen sind notwendig, um die nötigen Voraussetzungen zur Begegnung zu schaffen? Wie lassen sich Missverständnisse im Hinblick auf Integration und/oder Assimilation von Fremden in Deutschland und Frankreich erläutern?

4)Das kreative Missverständnis
'Der Schein von Anbeginn [im Ursprung zu allermeist ein Irrtum und eine Willkürlichkeit, den Dingen übergeworfen wie ein Kleid und seinem Wesen und selbst seiner Haut ganz fremd] wird zuletzt fast immer zum Wesen und wirkt als Wesen!', schreibt Nietzsche in Die Fröhliche Wissenschaft (II, 58). So verstanden ist das Missverständnis nicht nur unvermeidbar, sondern auch wesentlich. Literaturwissenschaftler wie Paul de Man, aber auch Psychoanalytiker wie Jacques Lacan beanspruchen die Deformation durch Lektüre als notwendigen Schritt zur Sinnproduktion eines literarischen Textes oder allgemeiner eines Diskurses. Neue Formen der Kommunikation, ob elliptischer, gestischer oder künstlerischer Art finden durchaus manchmal ihren Ursprung in einem Missverständnis. Ästhetisches Potenzial und ästhetische Qualität des Missverständnisses stehen in dieser Sektion im Vordergrund.

Vorschläge, die sich mit Fallbeispielen beschäftigen, werden bevorzugt.
Die Bewerbungen können bis zum 1. Dezember 2006 per e-mail an giraf_atelier2007@yahoo.fr eingesandt werden.
Aus dem Workshop wird möglicherweise eine Veröffentlichung in Deutschland und Frankreich hervorgehen

VeranstalterInnen:
Sidonie Kellerer (Universität Toulouse II : Erraphis/ Universität Bonn),
Astrid Nierhoff-Fassbender (Universität Montpellier III/Universität Köln),
Alice Perrin-Marsol (Centre d’Etudes Supérieures de la Renaissance, Tours),
Fabien Theofilakis (Universität Paris X Nanterre, Centre Pierre Francastel/Universität Augsburg)

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Veranstaltungsorto. A.
Bewerbungsschluss01.12.2006
Beginn01.07.2007
Ende02.07.2007
PersonE-Mail: giraf_atelier2007@yahoo.fr  
KontaktdatenName/Institution: GIRAF-IFFD 
Strasse/Postfach: 20, rue des Canettes 
Postleitzahl: 75006 
Stadt: Paris 
E-Mail: girafiffd@ggid.com 
Internetadresse: http://www.giraf-iffd.org/ 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch; Französisch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/546

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 12.02.2009 | Impressum | Intern