VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Eros und Logos – Sexualitätsnarrative in der deutschsprachigen Literatur"
RessourcentypCall for Papers
TitelEros und Logos – Sexualitätsnarrative in der deutschsprachigen Literatur
Beschreibung„Wenn ich die deutsche Literatur der letzten zwanzig Jahre lese, die ist ja unerhört unerotisch. Da war zum Beispiel der große Thomas Bernhard – vollkommen unerotisch. Oder Grass: eigentlich immer unerotisch. Siegfried Lenz – immer. Martin Walser – beinahe immer. Wenn sich das deutsche Volk nach seinen Schriftstellern von heute richten würde, es würde sich überhaupt nicht mehr vermehren. Da sieht man, wie gering der Einfluss dieser Schriftsteller ist.“

So lautete Marcel Reich-Ranickis unerbittliches Urteil im Jahre 1991. In der Tat scheint das Problem der literarischen Bearbeitung des Erotischen eine der schwierigsten und umstrittensten künstlerischen Aufgaben zu sein. Die damit verbundenen Schwierigkeiten sind allerdings, abhängig von der Epoche, unterschiedlich bedingt. Im 19. Jahrhundert sollten sich die Autoren aller möglichen (und unmöglichen) Metaphern bedienen, um das Verborgene zu verbildlichen bzw. das Intime zu entblößen, und sogar dann brachte das Endresultat oft schwerwiegende Kontroversen mit sich, die aus heutiger Perspektive gar unglaublich vorkommen (man denke hier nur an den berühmten Skandal um Friedrich Schlegels Lucinde). Andererseits stößt man in der mittelalterlichen Minnesänger-Poesie auf Manches, was die liberalsten aufklärerischen Verleger in Verlegenheit bringen würde. Heute sieht das Problem wohl diametral anders aus. Die Frage nach den ästhetisch akzeptablen Formen der erzählten Sexualität erwies sich längst als obsolet. Vielmehr staunt man darüber, ob sich überhaupt noch solche Darstellungsweisen des Erotischen ausdenken lassen, die den modernen Leser überraschen könnten. Von unzähligen Grey-Epigonen und der dadurch erfrischten Unterwerfungs-Mode (SM) bis zum sog. „Ekelfeminismus“ von Charlotte Roche und Stefanie Sargnagel – die Palette des zum Logos gewordenen Eros ist bunt, breit und abwechslungsreich. Und doch findet man in der deutschen Literatur bis dato keine weltbekannten erotischen Klassiker wie z.B. John Clelands Fanny Hill oder die Werke von Marquis de Sade. Um es wieder mit Reich-Ranicki auf den Punkt zu bringen:

„Manche unserer Erzähler meinen, es komme, wenn man eine erotische Beziehung zeigen möchte, vor allem darauf an zu schildern, wie sich zwei Menschen miteinander beschäftigen - im Bett oder vielleicht unter den Linden auf der Heide. Aber ungleich schwerer und vielleicht auch ergiebiger ist es, die erotische Spannung zwischen zwei Individuen erkennbar zu machen, die sich, beispielsweise, am Kaffeehaustisch gegenübersitzen oder in der Straßenbahn.“

Sieht es mit der erotischen Komponente der deutschsprachigen Literatur wirklich so kläglich aus? Wenn ja, was könnten die Gründe dafür sein? Liegt es etwa an der Spezifik der Sprache oder ist es eher ein soziokulturelles Problem? Und wenn nein, dann welche Gegenargumente bzw. Gegenbeispiele dürfte man ins Feld führen? Was ist ja allgemein das Erotische und was heißt es, wenn ein literarischer Text als „erotisch“ oder „unerotisch“ bezeichnet bzw. empfunden wird? Diese und andere Fragen möchten wir im Laufe unserer Tagung zur Diskussion stellen. Dabei können beispielsweise folgende Aspekte in den Blickpunkt geraten:
- Sprache und Körper – Die erzählte Sexualität als ein stilistisch-ästhetisches Problem;
- Lust und Zensur – Die Darstellung des Erotischen zwischen Norm und Abweichung;
- Mann und Frau – Die geschlechtsspezifischen Facetten hetero- und homosexueller Erzählperspektiven;
- Freiheit und Obsession – Die erlösende Erfüllung vs. das versklavende Verlangen;
- Lust und Schmerz – Die Synthese von Sexualitäts- und Gewaltdarstellungen/Perversität in literarischen Texten;
- Höhepunkt als Streitpunkt – Narrative Besonderheiten der Orgasmus-Beschreibungen angefangen bei Hildegard von Bingen bis zum heutigen Tag;
- Sex, Liebe, Gott – Das Oppositionspaar „Körper–Geist“ aus religiöser bzw. philosophischer Sicht.

Die thematische Bandbreite ist auf keinen konkreten Zeitraum bezogen und kann auch gerne erweitert werden. Wir freuen uns auf Ihre Referatsvorschläge zu den Darstellungsweisen des Erotischen in der deutschsprachigen Literatur aller Epochen und Stilrichtungen. Am 15. Juni 2016 läuft der Abgabetermin für die Zusendung des Anmeldeformulars (mit einem kurzen Abstract) ab.
Die zweitägige Konferenz am Institut für Germanistik der Universität Zielona Góra findet vom 16. bis 17. November 2016 statt. Die Konferenzgebühr in Höhe von 350 Złoty (90 Euro) beinhaltet die Übernachtungs- und Verpflegungskosten sowie die Druckkosten für die geplante Publikation in Form eines Sammelbandes (Konferenzkonto: BIGBPLPW PL 85 1160 2202 0000 0002 8474 4132; die Konferenzgebühr sollte bis zum 31. August 2016 entrichtet werden).
Schicken Sie bitte Ihre Themenvorschläge und Abstracts an die speziell für diesen Zweck eingerichtete Mailadresse: eros.logos.konferenz@gmail.com.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Andrey Kotin (andriejkotin@gmail.com)
Dr. Wolfgang Brylla (wolfgangbrylla@gmail.com)
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://ifg.uz.zgora.pl/index.php/aktualnosci-informacje/763-konferencj...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortZielona Góra, Polen
Bewerbungsschluss15.06.2016
Anmeldeschluss15.06.2016
Beginn16.11.2016
Ende17.11.2016
PersonName: Wolfgang Brylla / Andriej Kotin 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: wolfgangbrylla@gmail.com, andriejkotin@gmail.com 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Germanistik an der Universität Zielona Góra 
Strasse/Postfach: al. Wojska Polskiego 71a 
Postleitzahl: 65-762 
Stadt: Zielona Góra 
Telefon: +48 68 328 31 45 
Fax: +48 68 328 31 45 
E-Mail: sekretariat@ifg.uz.zgora.pl 
Internetadresse: http://ifg.uz.zgora.pl/index.php/aktualnosci-informacje/763-konferencja-naukowa-eros-und-logos-sexualitaetsnarrative-in-der-deutschsprachigen-literatur 
LandPolen
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft
Zusätzliches Suchwortdeutsche Literatur, Sexualitätsnarrative, Sexualität
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.10.00 Literarische Volkskunde; 06.00.00 Mittelalter; 07.00.00 Frühes Mittelalter (Von den Anfängen bis 1170); 08.00.00 Hochmittelalter; 09.00.00 Spätmittelalter und Übergangszeit (14. und 15. Jahrhundert); 10.00.00 16. Jahrhundert; 11.00.00 17. Jahrhundert; 12.00.00 18. Jahrhundert; 13.00.00 Goethezeit; 14.00.00 Romantik; 15.00.00 19. Jahrhundert; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914); 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945); 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989); 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/53991

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 31.03.2016 | Impressum | Intern