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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "FVF-Jahrbuch 2017: Die USA im Vor- und Nachmärz"
RessourcentypCall for Papers
TitelFVF-Jahrbuch 2017: Die USA im Vor- und Nachmärz
BeschreibungAufruf zur Mitarbeit FVF-Jahrbuch 2017:
Die USA im Vor- und Nachmärz. Imagologien in Politik – Literatur – Wissenschaft

Die USA – Terra incognita für die meisten Europäer im frühen und mittleren 19. Jahrhundert – spielten als politisches Modell staatswissenschaftlichen, verfassungsrechtlichen und historischen Denkens an deutschen Universitäten, in gelehrten Zirkeln und in der medialen Öffentlichkeit eine zentrale Rolle. Zugleich bildete die Neue Welt ein Sehnsuchtsziel für Freiheitsliebende, politische Flüchtlinge und Wirtschaftsmigranten, aber auch bisweilen die gefürchtete Endstation für verbannte Gefangene: Das Spektrum der Funktionen, Aufgaben, Bilder und Vorstellungen ist breit, das die Vereinigten Staaten von Amerika in der Wahrnehmung der Zeitgenossen im Vor- und Nachmärz einnahmen und das ihnen zugeschrieben wurde – nicht zuletzt auch in der Literatur. Vor allem die repressive, restaurative Politik in Europa und insbesondere in den Einzelstaaten des Deutschen Bundes inspirierte zur Auseinandersetzung mit dem Verfassungs-, Regierungs- und Gesellschaftssystem der USA und den Ideen von Freiheit, Demokratie, Föderalismus, Republik und Revolution, aber auch zur künstlerischen und wissenschaftlichen Beschäftigung mit den Kulturen, Sprachen und Landschaften der neuen Nation. Diese waren – ebenso wie die Ur-Einwohner, die Native Americans, und die als fremdartig empfundene afro-amerikanische Bevölkerung oder das Leben in von Deutschen dominierten Siedlungsgebieten und Stadtteilen – häufig Gegenstand von wissenschaftlichen Abhandlungen, Reiseberichten, Lebenserinnerungen, autobiographisch fundierten Romanen und Erzählungen sowie von länderkundlichen Büchern und journalistischen Reportagen.
Von der vielfältigen Auseinandersetzung mit den USA unter Historikern, Juristen, Politikern, Staatstheoretikern und ersten Emigranten zeugen etwa Schriften von Gottfried Duden, Julius Fröbel, Ludwig Gall, Friedrich von Gentz, Francis P. Grund, Johann G. Hülsemann, Robert von Mohl, Friedrich Murhard, Karl Nauwerck, Karl Heinrich Ludwig Pölitz, Karl von Rotteck, Friedrich Schmidt, Conrad F. von Schmidt-Phiseldeck und Heinrich Zschokke. Auch wurden durch frühe politische Flüchtlinge, darunter Karl Follen und Friedrich List, Amerikabilder in die zeitgenössischen politischen Diskurse eingebracht, die nicht zuletzt von der Rezeption der zentralen US-Verfassungstexte, der Verfassungen der Union mit ihren Zusätzen und derjenigen der Einzelstaaten, der Federalist Papers und ihrer Kommentare, und von der Diskussion über Alexis de Tocquevilles einflussreiches, 1835/40 erschienenes Werk Über die Demokratie in Amerika stark geprägt waren. So waren die Vereinigten Staaten in diversen Medien präsent, als spektakulärer Gegenentwurf zum Bestehenden, namentlich des ersehnten, auf Volkssouveränität gegründeten Verfassungsstaates, ebenso wie als nicht übertragbares nordamerikanisches Experiment, das für die deutschen Verhältnisse abgelehnt wurde, oder später als konkretes Asyl- und Aufnahmeland für die „48er“.
Die während der 1848er Revolution aktiv gewordenen Demokraten und Republikaner – nach der Revolution in deutschen Ländern verfolgt, unterdrückt und verhaftet – wollten sich in den USA unter freiheitlicheren Bedingungen weiter politisch engagieren und prägten als sogenannte „Forty-Eighters“ die politische Landschaft und das kulturelle Leben in der Neuen Welt mit – darunter die Publizistin und Autorin Mathilda Franziska Anneke, der badische Vor-märzpolitiker, Initiator des ersten badischen Aufstands („Heckerzuges“) und Unterstützer Abraham Lincolns bei der Wahl zum US-Präsidenten Friedrich Hecker, das radikal-republikanische Publizisten-Ehepaar Gustav und Amalie Struve, der Teilnehmer an der Reichsverfassungskampagne, Befreier von Gottfried Kinkel aus dem Zuchthaus Spandau und spätere Secretary of the Interior der USA Carl Schurz oder der sozialistische Arbeiterführer Wilhelm Weitling. Literarisch beeinflussten u. a. Henriette Frölich, Johann Wolfgang von Goethe, Charles Sealsfield, Nikolaus Lenau, Georg Fein, Friedrich Armand Strubberg, Friedrich Gerstäcker und Ferdinand Kürnberger das Bild der USA im Vor- und Nachmärz.
Die Beziehungen deutscher Flüchtlinge und Auswanderer – Wissenschaftler, Politiker, Philosophen und Schriftsteller – zu den USA sind folglich im Vor- und Nachmärz außerordentlich vielgestaltig und durch diverse Umstände – soziale, kulturelle, politische, wirtschaftliche – bestimmt gewesen. Einige wichtige Studien, ideen- und politikhistorische ebenso wie rezeptions- und wissenschaftsgeschichtliche, philologische und biographische, liegen bereits vor – etwa von Charlotte L. Brancaforte, Volker Depkat, Horst Dippel, Eckhart G. Franz, Sabine Freitag, Wolfgang Helbich, Wolfgang Hochbruck, Hartmut Kaelble, Charlotte A. Lerg, Günter Moltmann, Daniel Nagel, Ansgar Reiß, Herbert Reiter, Hans Louis Trefousse, Hermann Wellenreuther, Carl Wittke u. a. Hinweise für die literarische Erkundung der USA im Vor- und Nachmärz geben Studien von Sigrid Bauschinger, Manfred Durzak, Christof Hamann, Wilfried Kriegleder, Heike Paul und Jeffrey L. Sammons. Viele Aspekte des produktiven, politisch wie weltanschaulich, kulturell und wirtschaftlich weitreichenden Wechselverhältnisses der USA und der Staatenwelt des Deutschen Bundes im Vor- und Nachmärz sind jedoch noch kaum oder so gut wie gar nicht erforscht, zumal sich die Vormärz- und Revolutionsforschung diesem Forschungsfeld zuletzt nicht mehr so stark gewidmet hat.

Das geplante Jahrbuch zielt aus diesen Gründen darauf ab, ideologisch-politische, verfassungsrechtliche, literarisch-kulturelle, wissenschaftliche und sozioökonomische Transfer- und Austauschprozesse zwischen den USA und den deutschen Staaten im Zeitraum zwischen Restauration und Reichsgründung wieder in den Blick zu nehmen und stärker zu erhellen. Ein weiteres Ziel besteht darin, die Folgen und Konsequenzen für das späte 19. und frühe 20. Jahrhundert abzuschätzen und dabei zu verdeutlichen, wie diese sich aus den Kontakten und Verbindungen mit den USA im Vor- und Nachmärz ergeben und entwickelt haben.
Erbeten werden Beiträge, die aus transnationaler historischer – d. h. verfassungs-, ideen-, politik-, sozial-, wirtschafts-, wissenschafts-, literar- und kulturhistorischer – Perspektive oder unter biographischen, verflechtungsgeschichtlichen, politik- und kulturtheoretischen Prämissen das Wechselverhältnis der USA und der Staatenwelt im Deutschen Bund, den hier erläuterten Transfer- und Austauschprozess, eingehend untersuchen und näher beleuchten – entweder am individuell-biographischen Beispiel oder anhand von übergreifenden Einzelstudien zu einem ausgewählten speziellen Thema. Damit strebt das Jahrbuch eine besondere Interdisziplinarität an und wendet sich ausdrücklich an Historiker, Philosophen, Rechts- und Politikwissenschaftler ebenso wie an Amerikanisten, Germanisten und andere Philologien.

Vorschläge mit einem kurzen Exposé (maximal 500 Worte) werden bis zum 31. August 2016 erbeten an:
Birgit Ellen Bublies-Godau, M.A. PD Dr. Anne-Rose Meyer-Eisenhut
birgit.bublies-godau@rub.de ameyer@uni-wuppertal.de

Als Redaktionsschluss für die Beiträge ist der 31.10.2017 vorgesehen.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss31.08.2016
PersonName: PD Dr. Anne-Rose Meyer und Birgit Ellen Bublies-Godau, M.A. 
Funktion: Herausgeberinnen 
E-Mail: ameyer@uni-wuppertal.de und birgit.bublies-godau@rub.de 
KontaktdatenName/Institution: Forum Vormärz Forschung 
Strasse/Postfach: Oberntorwall 21 
Postleitzahl: 33602 Bielefeld 
Internetadresse: http://www.vormaerz.de 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1830 - 1880
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben > 03.16.02 Schriftsteller; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.06.00 Beziehungen einzelner Völker zur deutschen Literatur; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.07.00 Deutschsprachige Literatur des Auslandes; 15.00.00 19. Jahrhundert; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.01.00 Forschung; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.04.00 Studien; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.07.00 Literarisches Leben; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.10.00 Junges Deutschland; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.11.00 Vormärz und Revolution 1848; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.15.00 Zu einzelnen Autoren
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