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Ergebnisanzeige "Tagung Gender Studies – Queer Studies – Intersektionalitätsforschung. Eine Zwischenbilanz aus mediävistischer Perspektive"
RessourcentypCall for Papers
TitelTagung Gender Studies – Queer Studies – Intersektionalitätsforschung. Eine Zwischenbilanz aus mediävistischer Perspektive
BeschreibungTagung Gender Studies – Queer Studies – Intersektionalitätsforschung. Eine Zwischenbilanz aus mediävistischer Perspektive, Berlin November 2016. Veranstaltet von Prof. Dr. Ingrid Bennewitz (Bamberg) und Prof. Dr. Jutta Eming (Berlin)

Call for Papers für Nachwuchswissenschaftlerinnen

In den 1990er Jahren wurden in der germanistischen Mediävistik wie auch in benachbarten Fachgebieten intensive Diskussionen um die Frage geführt, welche Ansätze und Perspektiven die Gender Studies in historischer Perspektive bieten, aber auch, zu welchen kritischen Korrekturen sie Anlass geben. Damals konzentrierte sich die Diskussion auf die seinerzeit aktuelle gendertheoretische Neuorientierung, die mit dem Namen Judith Butler verbunden ist, auf damit verknüpfte Körperdiskurse und auf die gerade einsetzenden Forschungen zu ‚Masculinities‘. Mittlerweile hat sich die Heteronormativitätsforschung längst zu den Queer Studies weiterentwickelt, welche auch in der Mediävistik früh rezipiert worden sind und derzeit einen Anlass für lebhafte fachinterne Kontroversen bilden. Der in der Intersektionalitätsforschung vertretene Ansatz einer weiteren Ausdifferenzierung der analytischen Parameter ist noch vergleichsweise jung, schlägt sich jedoch auch bereits in Untersuchungen zur Vormoderne nieder. Diese Entwicklungen zusammenzutragen und zu diskutieren, ist das Anliegen einer Konferenz mit dem Titel 'Gender Studies – Queer Studies – Intersektionalitätsforschung. Eine Zwischenbilanz aus mediävistischer Perspektive', die im November 2016 an der Freien Universität Berlin stattfinden soll.
Es ist es weniger das Ziel der geplanten Konferenz, die benannten Ansätze im Fach bekannt zu machen, als vielmehr ihre Potentiale sowohl durch theoretisch-methodisch angelegte Beiträge als auch durch konkrete Fallstudien zu reflektieren. Die Konferenz soll die Möglichkeit zur Bilanzierung aber auch zur Vorstellung neuer Forschungsergebnisse besonders von Nachwuchs-wissenschaftler_innen bieten. Zugleich werden Verbindungen zu anderen Disziplinen gesucht.
Folgende Themenfelder erscheinen uns dabei als besonders anregend, auch wenn das Spektrum der Vorträge keineswegs auf diese Vorschläge beschränkt bleiben muss:

1. Gender im Verhältnis
Die Kategorie Gender bildete für frühere Forschungszusammenhänge den zentralen Fokus der Diskussion. Innerhalb der Intersektionalitätsforschung wird Gender jedoch als interdependente Kategorie begriffen, die im Zusammenhang mit anderen identitätsbildenden Merkmalen virulent wird. Es bietet sich an, die in den historischen Wissenschaften entwickelten Ansätze zur Genderforschung unter diesem neuen Gesichtspunkt kritisch zu revidieren und weiterzuentwickeln. Zum Beispiel wäre nach Gender im Verhältnis zu Religion oder Stand zu fragen. Augenmerk verdient weiterhin die Rolle des Körpers.
Der Rekurs auf frühere queer- und gendertheoretisch angeregte Forschungen zur Vormoderne bietet aber auch Perspektiven für die Intersektionalitätsforschung selbst: Ebenso wie die Kategorie Gender sind auch andere identitätskonstitutive Merkmale zu historisieren und/oder zu dekonstruieren, wenn sie zur Beschreibung vormoderner Kulturen verwendet werden sollen. Hier kann die historisch ausgerichtete Queer- und Genderforschung beispielgebend sein.

2. Identität und Wissen
Die Fragestellungen der Gender-, Queer- und Intersektionalitätsforschung laufen im gemeinsamen Interesse an Identitätskonzeptionen und ihren (De-)Konstruktionen zusammen. Damit stehen sie in engem Zusammenhang mit Wissen, denn Identität ist nicht zuletzt eine epistemische Kategorie. Der Austausch von Wissen und anderen identitätskonstitutiven Kategorien verläuft bidirektional, womit sich Fragen aus zwei Perspektiven ergeben: 1) Wie strukturieren Geschlecht, Stand oder Religion bestimmte Wissensbestände und/oder -ordnungen? 2) Wie trägt ein bestimmtes Wissen bzw. dessen Weitergabe zur Konturierung von Geschlecht, Stand oder Religion bei?
Interesse gebührt in diesem Zusammenhang auch dem Wissenstransfer, insofern gerade in literarischen Darstellungen eine Identitätsbildung häufig als eine mehr oder weniger gestörte Vermittlung kulturkonstitutiven (Handlungs-) Wissens erscheint.

3. Grenzen des Menschlichen
Mit der Thematisierung von Identität rücken die Grenzen des Menschlichen dort in den Fokus, wo sie nicht scharf gezogen sind, wie bei anthropomorphen Monstren, Dämonen, Engeln, sprechenden Tieren oder Automaten. Hier lässt sich fragen, ob die von der Gender-, Queer- und Intersektionalitätsforschung bereitgestellten Kategorien für die Inszenierung des nicht mehr Menschlichen anschlussfähig sind und ob sich beispielsweise das Fremde und/oder Wunderbare auch als Entwurf alternativer Identitäten begreifen lässt. Berührungspunkte ergeben sich auch mit der modernen Cyborg-Forschung. Zugleich bietet sich hier die Möglichkeit, an die aktuellen Animal, Monster und Object Studies anzuknüpfen.

4. Ambiguität und Erzählen
Wird grundsätzlich von einer Vielfalt und Interdependenz identitätskonstitutiver Merkmale ausgegangen, so ist auch anzunehmen, dass diese im literarischen Text auf der Ebene der narrativen Strukturen abgebildet oder allererst produziert werden. Aus diesem Grund könnte die Verbindung von Gender-, Queer- und Intersektionalitätsforschung mit narratologischen Untersuchungen ein viertes Themenfeld darstellen. Relevante Fragen könnten hier lauten: Wie wird Identität erzählt oder erzählerisch infrage gestellt? Inwieweit prägen ambigue Identitätsentwürfe auch ambivalente Erzählstrukturen? Oder: Welche Rolle spielt das Verhältnis von Erzähler und Figur in diesen Zusammenhängen?
Darüber hinaus wäre eingedenk der skizzierten Interdependenz zentraler Kategorien auch der Zusammenhang von Gender und Genre erneut in den Blick zu nehmen.

Als Termine sind bislang sowohl der 10.–12. als auch der 17.–19. November 2016 reserviert. Bitte teilen Sie uns mit Ihrem Vortragsvorschlag mit, ob Sie an einem der Termine keinesfalls verfügbar sind. Eine begrenzte Menge von Vortrags-Slots ist für Nachwuchswissenschaftler_innen reserviert. Für Reise- und Übernachtungskosten stehen Mittel zur Verfügung. Vortragsabstracts werden bis zum 29. April 2016 an j.traulsen@fu-berlin.de erbeten. Bitte senden Sie uns zusätzlich einen kurzen wissenschaftlichen Lebenslauf.

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Wissenschaftliche Leitung: Prof. Dr. Ingrid Bennewitz & Prof. Dr. Jutta Eming
Organisation: Forum Mittelalter – Renaissance – Frühe Neuzeit der Freien Universität Berlin und Zentrum für Mittelalterstudien Bamberg
Ansprechpartner: Johannes Traulsen
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBerlin
Bewerbungsschluss29.04.2016
PersonName: Johannes Traulsen 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: j.traulsen@fu-berlin.de 
KontaktdatenName/Institution: Forum Mittelalter - Renaissance - Frühe Neuzeit, Freie Universität Berlin, FB Philosophie u. Geisteswissenschaften 
Strasse/Postfach: Habelschwerdter Allee 45 
Postleitzahl: 14195 
Stadt: Berlin 
E-Mail: j.traulsen@fu-berlin.de 
Internetadresse: http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/marefn/index.html 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Genderforschung; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 700 - 1150; Literatur 1150 - 1300; Literatur 1300 - 1500; Literatur 1500 - 1580; Literatur 1580 - 1700; Literatur 1700 - 1770; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Themen
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