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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Textgerede. Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der deutschsprachigen Literatur der Jahrtausendwende"
RessourcentypCall for Papers
TitelTextgerede. Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der deutschsprachigen Literatur der Jahrtausendwende
BeschreibungTextgerede
Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der deutschsprachigen Literatur der Jahrtausendwende

Tagung des Instituts für deutsche Literatur und ihre Didaktik
Goethe-Universität Frankfurt am Main

9. und 10. März 2017


So viel Gerede um und in Literatur war selten: Mit Blick auf Entwicklungen im deutschsprachigen literarischen Feld der Jahrtausendwende hat die Forschung verschiedentlich eine Aufwertung akustischer und performativer Formen von Literatur festgestellt. Festmachen lassen sich diese Tendenzen einerseits am Erfolg verschiedener Formate der Lesung: von Literaturfestivals wie lit.Cologne oder Open Books und Wettbewerbsformen (etwa "Tage der deutschsprachigen Literatur" in Klagenfurt) im Großen bis hin zu ,Wasserglaslesung' und ,Poetry Slam' im Kleinen. Mit der Hochkonjunktur von Hörbuch und Hörspiel steht andererseits die individuelle, konventionell ,stille' Lektüre verstärkt im Zeichen akustischer Performanz. Neben dieser auf Oralität ausgerichteten Literaturvermittlung ist es aber auch die Literatur selbst, die in vielfältigen Hinsichten ihre akustisch-performative Dimension in Szene setzt. Wird der deutschen Gegenwartsliteratur nach 2000 von Teilen des Feuilletons nicht ganz wertungsfrei ein "Plapperton" attestiert, verweist dies auf ein unmittelbar Verbales, das offensichtlich bereits je spezifisch durch die Texte selbst inszeniert wird.

Die geplante Veranstaltung setzt an dieser Stelle an und interessiert sich erstens für die konkreten Verfahren, mit denen literarische Texte um 2000 Effekte des Mündlichen erzeugen. Zweitens nimmt sie die Praktiken des Mündlichen in den Blick, wie sie die akustisch-performative Prägung des literarischen Feldes der Jahrtausendwende nahelegt. Und drittens fragt sie nach den Rückkopplungen zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit, die sich aus den Textverfahren einerseits und den Literaturbetriebspraktiken andererseits ergeben. Denn ausgehend von der Annahme, dass die Unterscheidung zwischen extrem ,gesprochenen' und extrem ,geschriebenen' Ausdrucksweisen unabhängig von ihrer medialen Basis gemacht werden kann, ergeben sich Fragen nach dem individuellen Zusammenspiel von Textverfahren und dessen Trägermedium, das mitunter und immer wieder, so unsere Hypothese, die binäre Differenz zwischen Schriftlichkeit und Mündlichkeit zur Disposition stellt.

Diese Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der deutschsprachigen Literatur der Jahrtausendwende werfen Fragen auf. Geht man davon aus, dass die Konzeptionen ,mündlich' und ,schriftlich' für sich keine mediale Basis haben, sondern als Effekte zu beschreiben sind, die sowohl in mündlichen als auch in schriftlichen Texten bzw. Praktiken anzutreffen sind, lassen sich heuristisch drei Dimensionen unterscheiden:

1. Mündlichkeit/Schriftlichkeit im Medium der Schrift
Wie erzeugen schriftliche Texte Effekte des Mündlichen? Welche Transformationen erfahren Strukturmuster des Mündlichen bei ihrer Anverwandlung durch schriftliche Erzähltexte? Welche Rolle spielt der Einfluss mündlicher Situationen auf die Verschriftlichung? Auf welchen Textverfahren beruhen akustisch besonders wirkungsvolle Texte und deren Erfolg (z.B. bei literarischen Wettbewerben)? Handelt es sich bei mündlich wirkenden Texten lediglich um eine Nachahmung in der Realität möglicher Gesprächssituationen? In welchem Verhältnis stehen Textur-Effekte zu Mündlichkeitseffekten? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Formen ,literarischer Tonalität'? Kann die Überlegung, den Roman als ,entfesseltes Gespräch' zu verstehen, wortwörtlich genommen werden? Und welche Funktion hat der literarische Rückgriff auf Formen des Mündlichen? Was wird durch Mündlichkeitseffekte ,vermittelt'? Wird durch sie etwas ,zur Sprache gebracht'?

2. Mündlichkeit/Schriftlichkeit im Medium des Mündlichen
Wie betonen mündliche Texte ihre Mündlichkeit? Wie und wozu erzeugen mündliche Texte umgekehrt Effekte des Schriftlichen? Lässt sich in diesem Zusammenhang überhaupt noch von mündlichen Texten sprechen? Sind diese Effekte Ausdruck eines spezifischen Programms oder unterlaufen sie mehr oder weniger, lassen sich also letztlich gar nicht vermeiden? Wie verhält sich die Unterscheidung von Mündlichkeit/Schriftlichkeit in akustisch offensichtlich sehr effektvollen Texten? Führt sekundäre Mündlichkeit zu künstlichen Improvisationseffekten, mithilfe derer gerade die Textkonstruktion verborgen wird (,dissimulatio artis')? Inwiefern lässt sich in diesen Fällen gar von einer ,tertiären Mündlichkeit' sprechen? Wie verhält sich vor diesem Hintergrund das Erzählen im mündlichen Medium im Vergleich zum schriftlichen Erzählen? Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die erzählende Stimme?

3. Schriftlichkeit/Mündlichkeit und das literarische Feld
Inwiefern tragen Textverfahren des Mündlichen/Schriftlichen zu Distinktionsgewinnen im literarischen Feld bei? Sind es Fortschreibungen oder Transformationen literarischer Traditionen oder antwortet die Literatur der Jahrtausendwende auf die ,mündliche Schriftlichkeit' im Alltag mit einer ,Entschriftlichung' der Literatur? Ist die literarische Adaptation des Mündlichen für die Literatur um 2000 überhaupt noch als häretisch-innovative Option aufzufassen? Oder hat sie sich längst als gängiger Erwartungshorizont (,Plauderton') etabliert? Sind Irritationen der Unterscheidung von Schriftlichkeit und Mündlichkeit als Nivellierung dieser Unterscheidung zu verstehen? In welchem Verhältnis stehen mündlich-schriftliche Bewegungen zur Unterscheidung von ,high' und ,low' codierter Literatur? Inwiefern sind Effekte des Mündlichen in der Literatur um 2000 an bestimmte Gattungen (beispielsweise Novelle, Drama, Lyrik) gebunden? Und sind bestimmte Abschnitte der literarischen Verfahrensgeschichte besonders mit Mündlichkeitseffekten verknüpft?

Willkommen sind Beiträge, die sich anhand konkreter Fallstudien mit diesen oder verwandten Fragen zu den Interferenzen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in der deutschsprachigen Literatur der Jahrtausendwende auseinandersetzen. Vorschläge für einen 30-minütigen Vortrag erbitten wir in Form eines Abstracts (max. 350 Wörter und CV) bei einer der unten angegebenen E-Mail-Adressen einzureichen. Einsendeschluss ist der 15. April 2016. Eine Publikation der Beiträge ist vorgesehen. Die Übernahme von Reise- und Hotelkosten wird angestrebt.


Konzept und Organisation: Nicola Menzel / David-Christopher Assmann
Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik
Goethe-Universität Frankfurt
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main
dc.assmann@em.uni-frankfurt.de
menzel@lingua.uni-frankfurt.de
www.uni-frankfurt.de/48065815/assmann
http://www.uni-frankfurt.de/42362254/menzel
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt am Main
Bewerbungsschluss15.04.2016
Beginn09.03.2017
Ende10.03.2017
PersonName: Menzel, Nicola 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: menzel@lingua.uni-frankfurt.de 
Name: Assmann, David-Christopher 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: dc.assmann@em.uni-frankfurt.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik 
Strasse/Postfach: Norbert-Wollheim-Platz 1 
Postleitzahl: 60629 
Stadt: Frankfurt am Main 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie
Zusätzliches SuchwortMündlichkeit; Schriftlichkeit; Gegenwartsliteratur
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.14.00 Literatursoziologie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.16.00 Literarisches Leben; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.06.00 Literarisches Leben; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.10.00 Bundesrepublik Deutschland > 19.10.05 Literarisches Leben
Ediert von  H-Germanistik
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