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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Kritische Ausgabe - Themenschwerpunkt: Untergrund"
RessourcentypCall for Papers
TitelKritische Ausgabe - Themenschwerpunkt: Untergrund
BeschreibungAm 4. November 2016 jährt sich der Tag, an dem die rechtsradikalen Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in Eisenach tot aufgefunden wurden und das Aufdecken der Taten Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) begann, zum fünften Mal. Angesichts der immer noch anhaltenden juristischen Aufarbeitung vergeht kein Tag, an dem das Thema Untergrund nicht medial ausgeleuchtet und unter Berücksichtigung neuer Details diskutiert wird. Festzuhalten ist, dass diese Form der Bewältigung der Gegenwart längst nicht nur in Form von Film- oder Zeitungsbeiträgen geschieht. Neben Sachbüchern wird der NSU-Komplex auch auf fiktionaler Ebene – denkt man beispielsweise an Esther Dischereits Opernlibretto Blumen für Otello (2014) oder Wolfgang Schorlaus Kriminalroman Die schützende Hand (2015) – beleuchtet. Dabei wird einerseits klar, wie das Phänomen Untergrund trotz oder gerade wegen seiner Rätsel- und Geheimnishaftigkeit zugleich Faszination und Bedrückung auslöst. Es zeigt sich andererseits aber auch, dass die Ahnung von der Existenz des Untergrunds die Fantasie beflügelt und den Zwang zu Dokumentation anregt.

Der Untergrund präsentiert sich dabei zunächst als Aktions- und Rückzugsraum, in dem sich Gegen- und Subkulturen im Schutz der Anonymität versammeln. Abseits der Masse bildet er eine identitätsstiftende und sich selbst legitimierende Sphäre, in der auf Basis eigener Gesetze und sprachlicher Codes alternative Lebensformen erprobt und realisiert werden. Dieser Ort an der Peripherie der Gesellschaft ist zugleich auch Inbegriff eines radikalen Aufbegehrens, mit dem auf Momente der Verdrängung und Zensur reagiert wird. Er lässt sich somit nicht nur rein juristisch, politisch oder soziologisch, sondern auch psychologisch lokalisieren und als ein Ort beschreiben, von dem aus verborgene Wünsche und Träume nach außen drängen. Ausgehend von Nietzsches Forderung nach Ruhe in allen Souterrains, um überhaupt denken zu können, ist der Untergrund Keimzelle jeglichen Handelns. Diese Funktion, Schutzraum und Resonanzkörper zugleich zu sein, wird nicht nur gegenwärtig in vielerlei Hinsicht thematisiert. Gerade auch der Blick auf die Geschichte deutschsprachiger Literatur verdeutlicht, wie facettenreich der Untergrund und das Nachdenken über ihn ist. Wenn man an Autoren im Umkreis von Rolf Dieter Brinkmann oder die Untergrundliteraten der DDR denkt und sich nicht zuletzt auch die Vielzahl an literarischen Texten wie Bernhard Kellermanns Der Tunnel (1913), Hubert Fichtes Palette (1968) oder Hans Waals Die Nachhut (2004) vor Augen hält, bestätigt sich der Eindruck: Der Untergrund hat bereits auf ganz unterschiedliche Weise Einzug in das kreative Schaffen gefunden und trägt zudem in entscheidendem Maße dazu bei, dass auch neue Literatur überhaupt erst möglich wird.

Die Kritische Ausgabe will mit ihrem Heft #31 dazu beitragen, dass der Untergrund als Thema und Motor deutschsprachiger Literatur – auch und insbesondere mit Blick auf die Gegenwart – näher beleuchtet wird. Willkommen sind deshalb Texte, die sich dem facettenreichen Thema Untergrund auf essayistischem Weg nähern und darüber hinaus auch ausgehend von dessen typischen Ausdrucksweisen wie visueller Poesie, Mail Art und anderer Formen der Netzkunst der Frage nachgehen, wie Kreativität im Spannungsfeld von Poesie und Politik entstehen kann. Die Beiträge des Hefts #31 der Kritischen Ausgabe werden sowohl als Print-Ausgabe wie als E-Paper erscheinen.

Wenn Sie inhaltlich zum Heft beitragen wollen, möchten wir Sie zunächst bitten, Ihr Thema in einem kurzen Exposé von etwa 3.500 Zeichen (inkl. Leerzeichen) zu skizzieren. Bitte schicken Sie dieses Exposé bis zum 4. April 2016 an heft@kritische-ausgabe.de. Sie erhalten bis zum 18. April 2016 eine Rückmeldung zu Ihrem Exposé, in dem wir Sie ggf. um einen ausführlich formulierten Beitrag bitten. Redaktionsschluss für die Beiträge ist der 20. Juni 2016. Der Text sollte einen Umfang von 20.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen und Anmerkungsapparat) nicht überschreiten. Erscheinungstermin des Hefts als Print-Ausgabe und E-Paper ist Oktober 2016.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Falls Sie noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an: heft@kritische-ausgabe.de.

Michael Preidel
Kritische Ausgabe – Zeitschrift für Germanistik & Literatur
Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaften
Am Hof 1d
53113 Bonn
http://www.kritische-ausgabe.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss04.04.2016
PersonName: Michael Preidel 
Funktion: Chefredaktion 
E-Mail: heft@kritische-ausgabe.de 
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