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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "VAS - Vor Augen Stellen. Die Verfahren bildlicher Kommunikation in Text und Bild/Illustration"
RessourcentypCall for Papers
TitelVAS - Vor Augen Stellen. Die Verfahren bildlicher Kommunikation in Text und Bild/Illustration
BeschreibungVAS - Vor Augen Stellen. Die Verfahren bildlicher Kommunikation in Text und Bild/Illustration.

1. Werkstatt des interdisziplinären Netzwerks VAS
11./12.11.2016 im Internationalen Begegnungszentrum, München


Die Bedeutung von Bildern für die menschliche Kommunikation steht außer Frage; die Prägung unserer westlichen Kultur durch Sprache und Schrift ist gleichermaßen eine durch das Bild. Das Interesse am Bild als sinnstiftendem Teil der Kommunikation ist im 20. Jahrhundert nicht nur stetig gewachsen, sondern mit dem iconic turn im Anschluss an die Arbeiten Gottfried Boehms vollzog sich eine die Disziplinen übergreifende Wende von der Sprachanalyse hin zur Bildwissenschaft. Die Analyse von faktischen, sprachlichen und mentalen Bildern ist nicht mehr nur Teil der künstlerischen Fächer, sondern auch interdisziplinär diskursprägend. Doch die forcierte Rede von der Ablösung des Wortes als erstem Informationsträger durch das Bild polarisiert zwei Medien, die vor allem in ihrer Verschränkung miteinander bestehen und wirken. Die Wahrnehmung bildkünstlerischer Darstellungen wird zum Beispiel durch den Bildtitel oder eine Beischrift gelenkt. Erinnerungen im Sinne mentaler Bilder können in der Regel nur verbal kommuniziert werden. Fotografische Bilder, die um die Welt gehen, mögen (emotional) für sich sprechen, doch kommuniziert und kontextualisiert werden sie durch das Wort. Auch wenn das Bild das Erkenntnisobjekt unvermittelt und direkt vor Augen stellt, so bleibt der Zugang zur Erkenntnis immer ein nur scheinbarer. Die Sprache ist und bleibt das Mittel der Vermittlung.
Der Binarismus von Wort und Bild ist Folge einer erkenntnistheoretischen Standortbe-stimmung des 20. Jahrhunderts, die der kulturformenden Macht der Bilder, die der Macht des Sicht- und visuell Zeigbaren (in den modernen Medien) auf den Grund geht. Die Eigenlogik des Bildlichen zu betonen wie Gottfried Boehm, sollte nicht dazu führen, die lange Tradition der Bedeutung des Bildes für die Rhetorik auszublenden. Im Anschluss an Aristoteles ist das Feld der Bildgebung mit den Stichwörtern evidentia, Hypotypose, Metapher und Vergleich rhetorisch besetzt.
Für die historischen Wissenschaften ist nicht bei einer Trennung, sondern bei einer Verschränkung von Wort und Bild anzusetzen; die Text-Bild-Forschung der letzten 40 Jahre zeigt dies eindrücklich. Doch ist der Antagonismus von Sprache und Bild ein hermeneutisches Diktum, basierend auf der in der Wissenschaftsgemeinschaft zirkulierenden Annahme der Eigenlogiken beider Medien. Das zeigt sich vor allem dann, wenn die sprachlichen und die bildlichen Aussagen als einander ergänzende, affirmierende gedeutet werden oder das Bildliche als Korrektiv verstanden wird. Die dahinter gedachte eigenlogische Differenz markiert einen je anderen Wahrheitsstatus. Eine solche Differenz darf nicht eo ipso gesetzt werden; sie muss für jeden Fall neu bestimmt und begründet werden, insofern Wahrheitsansprüche für vorästhetisches Denken auf ein für wahrscheinlich Gehaltenes zurückgehen, nicht aber auf die Wirkung des Wahrgenomme-nen. (Gert Hübner, Baum)
Für die historischen Wissenschaften ist zu konstatieren, dass mit dem aktuell die Fächer übergreifenden Interesse an Formen bildlicher Kommunikation das rhetorisch besetzte Feld der Bildgebung einer Justierung bedarf. Dabei muss die Orientierung hin zur bildlichen Kommunikation, die weder reine Sprach- noch ausschließlich Bildanalyse ist, zum einen den Binarismus von Sprache/Text und Bild (zunächst) ausblenden, um medienübergreifend nach den Bedingungen, den Verfahren, Modalitäten, den Funktionen und Wirkungen anschaulicher Darstellung in beiden Medien fragen zu können. Nur so lassen sich fachspezifisches Analysepotential und fachübergreifender Gegenstand weiterführend verknüpfen. Zum anderen muss für die Formen mittelalterlicher Text- und Bildkunst das rhetorische evidentia-Konzept in seiner Funktionsbestimmung modifiziert werden. In seiner Ausrichtung auf die Glaubwürdigkeit des Dargestellten, erzeugt durch Klarheit und einen ordo naturalis (Gert Hübner, evidentia), eignet sich das Konzept nicht für alle mediävistischen Gegenstände. Textuelle Argumentationen in ganz unterschiedlichen Gattungen stellen immer wieder eine Auratik aus, die die rhetorische claritas-Prämisse gerade nicht bedient. Denkt man an die Bildfelder im „Rätselspiel“ des „Wartburgkrieg“-Komplexes, an die verwirrenden Sprachbilder bei Wolfram von Eschenbach oder bei Mechthild von Magdeburg, an die ekphrastische Darstellung des Camillagrabmals in Heinrichs von Veldeke „Eneasroman“ oder an die Grabmalsdarstellung in Konrads Fleck „Flore und Blanscheflur“ oder denkt man an die Brackenseil-descriptio im „Titurel“ Wolframs von Eschenbach, die alle den ordo naturalis stören, hat man Darstellungen des Aurati-schen vor sich. Wie das Stilprinzip der Klarheit erzeugen diese Darstellungen eine Art emphatischer Präsenz im Sinne des Anschaulichen, Lebendigen, Ausdrücklichen, Intensiven auch Drastischen, die in ihrem Kontext Irritationen hervorrufen können und deren Verweiszusammenhänge nicht im-mer einsichtig sind. Das Evidente bleibt auch in diesen Fällen ein Effekt der Rhetorik (Jan-Dirk Müller, Rhetorik).
Fragen nach den Bedingungen, den Verfahren, Modalitäten, den Funktionen und Wirkungen anschaulicher Darstellung stellen das leitende hermeneutische Gerüst für die VAS-Werkstatt bereit. Heuristisch werden drei Verfahren des Vor-Augen-Stellens unterschieden (Rüdiger Campe, Vor Augen Stellen): 1) Das metaphorische Verfahren uneigentlicher Rede, das ein Bild des Eigentlichen energetisch vor Augen stellt, „ohne ausdrückliche Rückbindung an die Erkenntnis“. 2) Das narrative Verfahren des Vor-Augen-Stellens, das Evidenz erzeugt, wenn das Reden ein Zeigen wird (evidentia/ ostendere) – was nicht in jedem Falle Klarheit und Erkenntnis bedeutet. Und 3) das figurierende Verfahren, das Personen, Dinge, Zustände und Handlungen dramatisch vor Augen stellt (Aufführung/ Hypotypose) im Sinne der Verlebendigung – energeia. Für Illustrationen werden zunächst vier Verfahren unterschieden: 1) Das narrative Verfahren, das Texthandlung im Sinne der Substitution vor Augen stellt. 2) Das repräsentative Verfahren, das Motive oder auch Kernaussagen des Textes verdichtet und figural verlebendigt. 3) Das kommentierende Verfahren, das Textaussagen allegorisch oder typologisch überträgt und damit eine Deutung vor Augen stellt. Und 4) das diagrammatische Verfahren, das Textaussagen reduziert und als abstrakte (geometrische) Formen vor Augen stellt (Christel Meier, Typen, Henrike Manuwald, Einhornjagd).
Für eine erste Sondierung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Formen der Bildgebung soll es darum gehen, die genannten Verfahren der Bildgebung auf ihre Gültigkeit im Rahmen bildlicher Kommunikation und hinsichtlich der Modalitäten der Evidenzerzeugung zu prüfen. Möglich sind analytische Beiträge in folgenden vier Gegenstandsbereichen:

1. VAS in heldenepischer und höfischer Dichtung
2. VAS in religiöser Dichtung
3. VAS in Illustrationen weltlicher Literatur
4. VAS in Illustrationen religiöser Literatur

Dabei können die Beispiele medien-, gattungs- und diskursübergreifend zwischen Frühmittelalter und Früher Neuzeit gewählt werden. Systematische Beiträge zu den konzeptionellen Bedingungen einer historischen medienverbindenden Bildwissenschaft sind ebenfalls willkommen. Wir möchten Kunst- und Literaturhistoriker gleichermaßen auffordern, sich mit passenden Problemstellungen aus ihrem Fach oder interdisziplinären Fragestellungen am 1. VAS-Arbeitskreis zu beteiligen. Bitte schicken Sie uns Ihre Vorschläge als einseitiges Exposé nach Möglichkeit bis zum 06.05.2016 an: fwenzel2@uni-koeln.de oder pia.selmayr@ds.uzh.ch.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortMünchen
Bewerbungsschluss06.05.2016
Beginn11.11.2016
Ende12.11.2016
PersonName: PD Dr. Franziska Wenzel (Köln) und Dr. des. Pia Selmayr (Zürich) 
E-Mail: fwenzel2@uni-koeln.de oder pia.selmayr@ds.uzh.ch 
KontaktdatenName/Institution: PD Dr. Franziska Wenzel, Universität zu Köln, Ältere Sprache und Literatur 
Strasse/Postfach: Albertus Magnus Platz 
Postleitzahl: 50923 
Stadt: Köln 
E-Mail: fwenzel2@uni-koeln.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur 700 - 1150; Literatur 1150 - 1300; Literatur 1300 - 1500; Literatur 1500 - 1580; Literatur 1580 - 1700; Literatur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie
Zusätzliches SuchwortBildtheorie; Metapher; Bildliche Kommunikation; Übertragung
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.03.00 Germanistik; 02.00.00 Deutsche Sprachwissenschaft (in Auswahl) > 02.09.00 Deutsche Sprachgeschichte > 02.09.07 Mittelhochdeutsch; 03.00.00 Literaturwissenschaft; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.03.00 Studien; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.04.00 Methodik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien; 06.00.00 Mittelalter; 06.00.00 Mittelalter > 06.06.00 Handschriften; 07.00.00 Frühes Mittelalter (Von den Anfängen bis 1170); 08.00.00 Hochmittelalter; 09.00.00 Spätmittelalter und Übergangszeit (14. und 15. Jahrhundert)
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