VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Jahrestagung der Gesellschaft für Exilforschung e.V. 2017"
RessourcentypCall for Papers
TitelJahrestagung der Gesellschaft für Exilforschung e.V. 2017
BeschreibungCall for Papers
Jahrestagung der Gesellschaft für Exilforschung e.V. 2017
in Kooperation mit dem
Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass der Universität des Saarlandes, Saarbrücken
Termin: 24. bis 26. März 2017

Grenze als Erfahrung und Diskurs

Die Frage nach der Dynamik von Grenzziehungs- und Grenzverschiebungsprozessen steht seit Längerem im Zentrum geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschungen. Sie gehen davon aus, dass es eine folgenreiche Perspektivenverschiebung und damit verbunden einen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn ermöglicht, kulturelle, soziale, wirtschaftliche und rechtliche Phänomene von den Prozessen der Grenzziehung aus zu betrachten. Zugleich rückt die Wechselbeziehung von Grenzen und Ordnungen ins Zentrum wissenschaftlicher Überlegungen. Einerseits konstituieren Grenzen Ordnungen und Sinnstrukturen. Andererseits produzieren Ordnungen Grenzen. Die Tatsache, dass Grenzen im modernen Zeitalter in eine beschleunigte Bewegung geraten sind, schlägt sich heute in einer Vielzahl von aktuellen Terminologien nieder: blurred boundaries, Hybridität, multiple Identitäten, Entgrenzung usf., – um hier nur einige von ihnen zu nennen. Die Frage danach, welche Auswirkungen von derartigen Veränderungen für die Ordnungen ausgehen, in denen wir leben, beschreibt dabei einen wesentlichen Punkt unseres wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses. Im Zuge der momentanen Flüchtlingsbewegungen hat das Thema der Grenze zudem an politischer Brisanz gewonnen. Menschen harren wartend vor den Grenzen Europas aus. Die Politik diskutiert zunehmend Maßnahmen der „Grenzsicherung“ bzw. der „Durchlässigkeit“ von Grenzen.

Die geplante Jahrestagung der Gesellschaft für Exilforschung nimmt diese aktuellen politischen Entwicklungen wie neueren Forschungsbewegungen gleichermaßen auf und widmet sich 2017 dem Thema Grenze als Erfahrung und Diskurs. Das Phänomen des Exils soll dabei in empirischer wie in methodischer Hinsicht nicht von seinen Zentren, sondern von den Grenzen aus in den Blick genommen werden.

So fungieren Grenzen und Grenzüberschreitungen als wiederkehrende Motive in zahllosen Schriften des Exils. In Erlebnisberichten, Briefen und Tagebüchern, in autobiographischen, erzählenden, lyrischen und dramatischen Texten wird das Passieren der Grenze zu einer Chiffre für den Verlust der Heimat, die Erfahrung von Alterität sowie für interkulturelle Begegnungen und Entwicklungen. Die Tagung möchte das Thema aus komparatistischer Perspektive vertiefen. Herausgearbeitet werden soll die Bedeutung und Funktion intertextueller Rekurse und damit die Funktion der „Grenze“ als Diskurs der Kulturgeschichte. Aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven fokussiert werden soll die Grenze als Topos, als Motiv oder als Symbol mit deren politischen, sozialen, historischen, topografischen Implikationen ebenso wie als existentielle Erfahrung.

Ausgehend von einem regionalen Schwerpunkt auf das Saargebiet (Territoire du Bassin de la Sarre), den das Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass als Archiv der Großregion Saar-Lor-Lux wissenschaftlich aufarbeitet, soll die Tagung ein Forum bieten, Darstellungen von und über den Gang ins Exil neuerlich zu diskutieren, seien es Landwege nach Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, die Schweiz, die skandinavischen Länder, in die Sowjetunion, die Tschechoslowakei oder Überseereisen nach Mittel- und Lateinamerika oder die Vereinigten Staaten von Amerika.

Mit seinen Grenzen zu Deutschland und Frankreich war das Saargebiet, das seit 1920 als Mandatsgebiet vom Völkerbund verwaltet wurde, für zahlreiche Verfolgte des Nationalsozialismus bis zum Jahr 1935 ein erstes Ziel ihres Exils und diente oftmals als Durchgangsstation. Zudem fungierte die Region in dieser Zeit als eine Schnittstelle für die Organisation des illegalen Widerstands gegen den Nationalsozialismus im Deutschen Reich und war dabei – wie auch andere Grenzregionen – selbst ein Ort des Exils: Die geringe Entfernung zur deutschen Grenze evozierte – charakteristisch für grenznahe Exilräume – eine ambivalente Gefühlslage. Die Nähe zur verlassenen Heimat kontrastierte mit der Bedrohung, die von derselben ausging.

Die Tagung möchte daher Exilerfahrungen aus den von der expansiven nationalsozialistischen Politik bedrohten Nachbarländern des Deutschen Reiches im Kontext thematisieren und versuchen, diese exemplarisch mit anderen Emigrationsbewegungen der Vergangenheit und Gegenwart in Beziehung zu setzen. Die momentane Brisanz der Frage von Flucht und Grenzen kann zudem unter Einbeziehung zeitgenössischer theoretischer Ansätze zur Legitimation und Zukunft des territorialen Nationalstaats (Giorgio Agamben, Jürgen Habermas u.a.) diskutiert werden.

Themenvorschläge in Form eines Abstracts im Umfang von maximal 1500 Zeichen erbitten wir mit einer kurzen wissenschaftlichen Biografie bis zum 31. 3. 2016 an Dr. Hermann Gätje (h.gaetje@sulb.uni-saarland.de) und Professor Dr. Sikander Singh (s.singh@sulb.uni-saarland.de).
Konferenzsprachen sind Deutsch, Französisch und Englisch. Eine Veröffentlichung der Tagungsbeiträge ist geplant.

Web: http://www.exilforschung.de/index.php?p=36

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortSaarbrücken
Bewerbungsschluss31.03.2016
Beginn24.03.2017
Ende26.03.2017
PersonName: Gätje, Hermann [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: h.gaetje@sulb.uni-saarland.de 
KontaktdatenName/Institution: Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass 
Strasse/Postfach: Beethovenstraße, Zeile 6 
Postleitzahl: 66125 
Stadt: Saarbrücken-Dudweiler 
Telefon: +49 681 302 3794 
Fax: +49 681 302 2389 
E-Mail: literaturarchiv@sulb.uni-saarland.de 
Internetadresse: http://literaturarchiv.uni-saarland.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie
Klassifikation17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.15.00 Exilliteratur
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/52145

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 19.01.2016 | Impressum | Intern