VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "„Kleist-Jahrbuch 2016“: Schwerpunktthema „Kleists Frühe Neuzeit“"
RessourcentypCall for Papers
Titel„Kleist-Jahrbuch 2016“: Schwerpunktthema „Kleists Frühe Neuzeit“
BeschreibungCall for Papers
„Kleist-Jahrbuch 2016“, Schwerpunktthema „Kleists Frühe Neuzeit“

Heinrich von Kleist gilt als ein Autor zwischen den Epochen und Stilen; er fällt aus den üblichen Kategorien der Literaturgeschichtsschreibung heraus und bewegt sich zwischen Aufklärung und Romantik, Klassik und Anti-Klassik. Bei einem genaueren Blick fällt allerdings auf, dass nicht nur die literarischen Strömungen um 1800 einen maßgeblichen Einfluss auf sein Denken und Schreiben hatten, sondern auch die vorangegangenen Jahrhunderte ihn stärker geprägt haben, als es gemeinhin angenommen wird. So finden sich bei Kleist gehäuft Stoffe aus der Geschichte des 16. und 17. Jahrhunderts, z.B. in der „Familie Schroffenstein“, in „Das Käthchen von Heilbronn“, „Der zerbrochne Krug“ und „Prinz Friedrich von Homburg“ sowie „Michael Kohlhaas“, „Die Heilige Cäcilie“, „Das Erdbeben in Chili“ und evtl. „Der Findling“, also bei etwa der Hälfte seiner dramatischen und erzählerischen Werke. Doch auch in anderen Bereichen bildet die Zeit zwischen Renaissance und Barock einen wesentlichen Referenzrahmen, so bei der Bildenden Kunst: Abgesehen von Caspar David Friedrich und einigen anderen Ausnahmen, lässt sich hier ebenfalls eine deutliche Fokussierung speziell auf das 17. Jahrhundert ausmachen. Dies gilt nicht nur für die bildkünstlerischen Vorlagen des „Zerbrochnen Krugs“, sondern auch für die von Kleist präferierten Maler, Zeichner und Bildhauer, wie die namentlich genannten Raffael, Reni, Ribera, Teniers, Vouet und nicht zuletzt Claude Lorrain, die teilweise zugleich die Vorbilder für die von Kleist bevorzugten idealischen Landschaftsbilder und Gartenarchitekturen lieferten. In seinen Werken rekurriert er zudem in breitem Maße auf literarische Traditionen seit der Renaissance, auf die Novelle nach Boccaccio und Cervantes sowie auf die auf frühneuzeitliche Vorbilder zurückgehenden Fallgeschichten oder voraufklärerische Dramenformen (Shakespeare, Rotrou, Molière). Kleist beruft sich darüber hinaus immer wieder auf Wissenssysteme, die in der Frühen Neuzeit geläufig waren, aber in der Aufklärung an Bedeutung eingebüßt bzw. einen Transformationsprozess durchlaufen hatten, so die Rhetorik, Emblematik, Moralistik und Konversationstheorie.
Einige der genannten Aspekte sind bereits gut erforscht, doch fehlen einerseits an einigen Punkten noch vertiefte Untersuchungen, andererseits zusammenfassende Darstellungen zur Bedeutung der frühneuzeitlicher Kunst und Literatur für Kleists künstlerische Konzeption und ästhetische Vorstellungen. Es ließe sich also etwa fragen, inwiefern und aus welchen Gründen trotz des im 18. Jahrhundert vollzogenen oder zumindest proklamierten Bruchs mit den voraufklärerischen Denk- und Kunstsystemen dennoch Renaissance und Reformation, Humanismus und Barock, das spanische siglo d’oro und das französische l’âge classique eine nachhaltige Wirkung auf Kleist und Teile der Literatur um 1800 ausübten. Zu untersuchen wären Transformationsprozesse, produktive Fortschreibungen und misreadings, die longue durée der Frühen Neuzeit, die verborgene Traditionalität von Denkmustern allgemein, z.B. auch speziell die anhaltende Macht frühneuzeitlicher Erziehungsliteratur (Goethe erwähnt seine begeisterte jugendliche Lektüre der „Acerra Philologica“ und des „Theatrum Europaeum“), aber auch die dadurch entstandenen Anachronismen. Inwieweit interferieren also bei Kleist (und in seinem Umfeld) ältere Denkstrukturen und Schreibverfahren, einschließlich der „aemulatio“, mit neueren künstlerischen Entwicklungen? In welchen zeitgenössischen Kontext der Frühneuzeit-Rezeption kann Kleist positioniert werden? Lässt sich aus dem speziellen Umgang mit frühneuzeitlichen Phänomenen eine bestimmte (literatur-)soziologische und (kultur-)politische Positionierung ableiten? Es wäre weiterhin aber auch konkret zu fragen, an welchen bislang nicht (oder nicht ausreichend) identifizierten weiteren Punkten bei Kleist eine Frühneuzeit-Rezeption nachweisbar ist.
Das mögliche Spektrum ist inhaltlich und methodisch sehr weit gefasst. Ausdrücklich erwünscht sind kulturwissenschaftliche, komparatistische und medienwissenschaftliche, kunsthistorische und musikwissenschaftliche, Beiträge. Kriterien für die Aufnahme in das Kleist-Jahrbuch 2016 sind v.a. inhaltliche Innovation und argumentative Nachvollziehbarkeit. Die Annahme für den Druck setzt eine einstimmige positive Beurteilung durch Herausgeber, Redaktion und ggf. externe Gutachter voraus.
Abgabetermin ist der 11. April 2016; die Endredaktion erfolgt im Juni/Juli, das Kleist-Jahrbuch erscheint im Oktober/November 2016. Kontakt und weitere Informationen erhalten Sie von Dr. Ingo Breuer (ingo.breuer@uni-koeln.de) und Dr. Björn Moll (b.moll@uni-koeln.de), die Ihnen auch gerne ein redaktionelles Merkblatt zukommen lassen.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss11.04.2016
PersonName: Dr. Ingo Breuer 
Funktion: Mit-Hg. des Kleist-Jahrbuchs 
E-Mail: ingo.breuer@uni-koeln.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität zu Köln, Institut für deutsche Sprache und Literatur I 
Strasse/Postfach: Albertus Magnus Platz 
Postleitzahl: 50923 
Stadt: Köln 
Telefon: 0049-221-470-4176 
E-Mail: ingo.breuer@uni-koeln.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1580 - 1700; Literatur 1770 - 1830; Literatur- u. Kulturgeschichte; Motiv- u. Stoffgeschichte
Zusätzliches SuchwortHeinrich von Kleist
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 10.00.00 16. Jahrhundert; 11.00.00 17. Jahrhundert; 13.00.00 Goethezeit; 14.00.00 Romantik
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/51844

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 10.01.2016 | Impressum | Intern