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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Bastard – Prozesse der Ausgrenzung, Phänomene der Entgrenzung"
RessourcentypCall for Papers
TitelBastard – Prozesse der Ausgrenzung, Phänomene der Entgrenzung
BeschreibungCall for Submissions

Interdisziplinärer Sammelband: "Bastard – Prozesse der Ausgrenzung, Phänomene der Entgrenzung" (Deadline für Exposés: 13.10.2008)

Mit „Bastard“ steht ein Begriff im Zentrum des geplanten Aufsatzbandes, der im historischen Verlauf einem nachhaltigen Bedeutungswandel unterworfen ist und dabei sein ambivalentes, mitunter kontrovers diskutiertes semantisches Potential offen legt:
In seiner ursprünglichen Bedeutung bezeichnet er das Resultat einer illegitimen Verbindung: ein Kind, das entweder in einer nicht standesgemäßen Ehe oder in einer außerehelichen Beziehung („natürlicher Sohn“, „natürliche Tochter“) gezeugt wurde. Die Biologie des 19. Jahrhunderts überträgt den Begriff auf die Zoologie und Botanik, wo er sich auf die Kreuzung verschiedener Pflanzen- und Tierarten und die daraus entstehende dritte, hybride Spezies bezieht. In der Kolonialzeit und insbesondere mit Übernahme des Begriffs in die Evolutionstheorie und Genetik des 20. Jahrhunderts verschärfen sich die rassistischen Konnotationen des „Bastards“, wenn er im Rahmen der Konstruktion menschlicher „Rassen“ missbraucht wird und zugleich deren streng hierarchisches Verhältnis sichtbar machen soll.
Trotz dieser unübersehbaren semantisch-etymologischen Vorbelastung ist die ausschließlich diskriminierende Konnotation des Bastardbegriffes inzwischen relativiert und im Zuge der postkolonialen Aufwertung von so genannten „hybriden Zwischenräumen“ (Homi K. Bhaba) zunehmend positiv besetzt worden. Bastardfigurationen und hybride Ordnungen – nun allgemein verstanden als die Vermischung zweier oder mehrerer deutlich verschiedener Elemente, die zusammen ein Neues ergeben – fungieren als Symbole einer innovativen, um Emanzipation bemühten Grenzaufhebung, die gerade „die Fruchtbarkeit kultureller Vermischungen jenseits kultureller Reinheit“ (Doris Bachmann-Medick, 2006) bezeichnet.
Die innovativen Möglichkeiten, die hybriden Konfigurationen dabei zukommen, lassen erahnen, welch großes kulturanthropologisches Emanzipationspotential ihnen zugeschrieben wird. Es zeigt sich in Visionen einer „Bastard Literature“ (Todd Kontje) oder in Reflexionen über neue Formen der Kommunikation durch eine „bastardisierte Sprache“ (Zafer Senoçak). Aber auch jenseits postkolonialer Diskurse deuten Beispiele aus der Populärkultur die Entwicklungsmög¬lichkeiten des Begriffes an: etwa das in den vergangenen Jahren entstandene Genre des „Bastard Pop“, ein Remixprozess, der die frühen Tendenzen des Crossover verschärft, indem zwei Stücke unterschiedlichster Künstler zu einem neuen musikalischen Werk verschmolzen werden.
Dem intermedial wie interdisziplinär angelegten Aufsatzband geht es darum, die angesprochene Ambivalenz des Bastardbegriffes an unterschiedlichen Beispielen aus Kunst, Kultur und Wis¬senschaft zu vergegenwärtigen. Als diskriminierend eingesetzte Kategorisierung gibt er einerseits Auskunft über kulturelle Ausgrenzungsmechanismen, als identifikatorisch genutztes Gegenkonzept der Grenzüberschreitung wird ihm andererseits die Möglichkeit zugesprochen, innovative Emanzipationsprozesse in Gang zu setzen. Bei der kritischen Überprüfung dieser Funktionalisierungen des „Bastards“ sollen auch Diskursfelder jenseits postkolonialer Forschungsansätze berücksichtigt werden, die bislang vernachlässigt worden sind, in ihrer Aufarbeitung jedoch spannende Ergebnisse in Aussicht stellen.

Vorstellbar sind Beiträge etwa aus den folgenden Bereichen:

Literaturwissenschaft
- Gattungstheorie (sog. „Zwittergattungen“, z. B. Tragikomödie, historischer Roman)
- Intertextualität
- Komparatistische Zugänge zur Interaktion verschiedener Nationalliteraturen oder medien
- „Bastard“-Figuren in literarischen Texten

Linguistik
- Übersetzungswissenschaft
- Hybride Wortbildung
- Soziolinguistik (Mehrsprachigkeit)

Kulturwissenschaft
- Postkoloniale Ansätze
- Gender Studies (Hermaphroditismus, Androgynie)
- Fragen der Legitimität/Illegitimität in kulturellen Identitätsbildungsprozessen

Kommunikations- und Medienwissenschaften
- Hybride TV-Formate (Reality TV; Doku-Drama; Doku-Soap)

Naturwissenschaften, Medizin
- Hybridbildungen in der Botanik und Zoologie
- Genetik

Rechtswissenschaft, Gesellschaftswissenschaft, Theologie
- Rechtshistorische, rechtsphilosophische, rechtswissenschaftliche Fragestellungen illegitimer Nachkommenschaft oder juristischer Abgrenzungsdefizite
- Hybridisierungen in sozialen Systemen
- Politikwissenschaftliche Reflexionen zur Bastardisierung (beispielsweise im Kontext der deutsch-deutschen Vereinigung 1990)
- Ethische Aspekte des „Bastards“

Musikwissenschaften
- Musikethnologie
- Hybride Musikgenres (Operette, Musical, Crossover, „Bastard Pop“)

Der Aufsatzband soll Ende 2009 erscheinen, die Beiträge (max. 6000 Wörter inkl. Fußnoten) müssen spätestens Ende Februar 2009 vorliegen. Bei Interesse an dem Projekt senden Sie bitte Ihr Abstract (max. 200 Wörter) bis zum 13. Oktober 2008 per E-Mail an:

Prof. Dr. Andrea Bartl
Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
An der Universität 5, Zi. 008
D – 96045 Bamberg
Tel.: 0951/863-2210
andrea.bartl@uni-bamberg.de
www.uni-bamberg.de/germ-lit2

Dr. Stephanie Catani
c/o Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
An der Universität 5, Zi. 301
D – 96045 Bamberg
Tel.: 0951/863-2250
stephanie.catani@uni-bamberg.de
www.uni-bamberg.de/germ-lit1


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss13.10.2008
PersonName: Andrea Bartl [Prof.Dr.], Stephanie Catani [Dr.] 
Funktion: Kontakt 
E-Mail: andrea.bartl@uni-bamberg.de , stephanie.catani@uni-bamberg.de  
KontaktdatenName/Institution: Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Universität Bamberg 
Strasse/Postfach: An der Universität 5 
Postleitzahl: 96045  
Stadt: Bamberg 
Telefon: +49 (0)951/863-2210 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeHistorische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte)
Klassifikation05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.11.00 Stoffe. Motive. Themen
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