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Ergebnisanzeige "Romantik und Surrealismus. Eine Wahlverwandtschaft? (CIERA-Nachwuchskolloquium)"
RessourcentypCall for Papers
TitelRomantik und Surrealismus. Eine Wahlverwandtschaft? (CIERA-Nachwuchskolloquium)
BeschreibungNachwuchskolloquium des CIERA
Romantik und Surrealismus. Eine Wahlverwandtschaft / Une affinité élective ?

Datum und Ort:
18./19. März 2016, Université de Lyon II

Tagungsorganisation:
Sebastian Lübcke (Justus-Liebig-Universität Gießen)
Johann Thun (Université de Lyon II / Leipzig)

Eingangsfrist der Exposés und CVs: 05. Januar 2016
Rückmeldung: 15. Januar 2016

Es scheinen keine Zweifel darüber zu bestehen, dass die (deutschsprachige) Romantik und der (französischsprachige) Surrealismus in einer Verwandtschaftsbeziehung zueinander stehen. Dabei handelt es sich jedoch um einen Eindruck, der bis heute nicht über eine nur flüchtig begründete Feststellung oder eine stillschweigende Bestätigung hinausgekommen ist. Albert Béguin [1], Anna Balakian [2], Laurent Le Sage [3] und Karl-Heinz Bohrer [4] in der Vergangenheit sowie z.B. Ralf Simon [5] in der neueren Forschung haben auf die Nähe der beiden ‚Bewegungen‘ bereits hingewiesen. Ihre Arbeiten beschränken sich jedoch entweder auf ausgewählte Aspekte wie den ‚Traum‘ bei Beguin oder den ‚Mythos‘ bei Bohrer oder aber sie bleiben auf einer allgemeinen Betrachtungsebene stehen. Dagegen setzt sich unsere vom CIERA geförderte Nachwuchstagung das Ziel, die komplexe Beziehung zwischen den beiden Bewegungen erstmals systematisch zu untersuchen. Wir schlagen vor, das Verhältnis zwischen Romantik und Surrealismus als eine „Wahlverwandschaft“ („affinité élective“) zu verstehen und lehnen uns dafür an folgende von Michael Löwy gelieferte, an Max Weber anschließende Definition an: „Nous désignons par ‚affinité élective’ un type très particulier de rapport dialectique qui s’établit entre deux configurations sociales ou culturelles, qui n’est pas réductible à la détermination causale directe ou à l’‚influence’ au sens traditionel. Il s’agit, à partir d’une certaine analogie structurelle, d’un mouvement de convergence, d’attirance réciproque, de confluence active, de combinaison pouvant aller jusqu’à la fusion.“[6]
Dieses komparatistische Modell ermöglicht es, die Geistesverwandtschaft zwischen den deutsch- und französischsprachigen Bewegungen erstmals in einem größeren Rahmen unter dem Stichwort einer „dimension romantique“ [7] zu thematisieren. Dabei kann es sich sowohl um Rezeptionsprozesse und Aneignungsversuche von romantischen Motiven, Philosophemen und Paradigmen bei den Surrealisten handeln als auch um eine systematische Untersuchung der bewusst oder unbewusst gestifteten Traditionslinie von der Romantik hin zu den Surrealisten, ohne dass dafür ein einseitiger diachroner Einfluss der Romantik auf den Surrealismus angenommen werden müsste. Vielmehr ermöglicht es die ‚Wahlverwandtschaftsmethode’ gerade, die Analogien zwischen den beiden Bewegungen aus einer neuartigen Perspektive als synchrone Phänomene zu betrachten.
Der transdisziplinären Ausrichtung der romantischen und surrealistischen Geistesbewegungen entsprechend freuen wir uns über Exposés nicht nur literaturwissenschaftlicher Provenienz, sondern laden ausdrücklich auch NachwuchswissenschaftlerInnen (Doktoranden und Post-Docs) aus der Soziologie, Ethnologie, Philosophie und Kunstgeschichte zur Einsendung von Vortragsvorschlägen ein. Als Forschungsfelder schlagen wir folgende Sektionen vor, deren wechselseitige Einflüsse ebenfalls als wahlverwandtschaftliches Beziehungsnetzwerk innerhalb der Geistesbewegungen mitbedacht werden können:

1 Mythos, Kindheit und ‚goldenes Zeitalter‘
2 Analogie und Metapher als Zugänge zum ‚Weltzusammenhang‘
3 Lebenskunst, Avantgarde und Gesamtkunstwerk
4 Symphilosophie und kollektives Schreiben
5 Traum, Ekstase, Wahnsinn und Imagination
6 Anthropologie und Ethnologie
7 Politik, Messianismus und Revolution

Wo zeichnen sich innerhalb dieser und anderer Themenfelder Ähnlichkeiten oder Differenzen zwischen Romantik und Surrealismus ab? In welche Diskurse schreiben sich die Ansätze jeweils ein? Von welchen hegemonialen kulturellen Sinnzusammenhängen distanzieren sich die Bewegungen? Welche Beziehungen unterhalten die einzelnen Rubriken selbst zueinander, die nur aus einer interdisziplinären Perspektive aufgedeckt werden können?
Die Arbeitssprachen sind Deutsch und Französisch. Eine Kostenerstattung/-beteiligung für die Anreise und Unterbringung ist ebenso vorgesehen wie eine Publikation der Tagungsbeiträge.
Bitte senden Sie uns Ihr Exposé auf Französisch oder Deutsch (Titel und Abstract im Umfang von max. 300 Wörtern) und einen kurzen Lebenslauf (momentane Position, Universität, Disziplin, Thema und Betreuer der Promotion, ggf. Publikationsliste) bis zum 05. Januar 2016 sowohl an sebastian.luebcke@germanistik.uni-giessen.de als auch an johannthun@gmx.de zu.

Bibliographie
[1] Albert Béguin, L'âme romantique et le rêve, essai sur le romantisme allemand et la poésie française, Marseille 1937.
[2] Anna Balakian, The Literary Origins of Surrealism, New York 1947.
[3] Laurent Le Sage, Jean Giraudoux: Surrealism, and the German romantic ideal, Illinois 1952.
[4] Z.B. Karl-Heinz Bohrer, Die Ästhetik des Schreckens. Die pessimistische Romantik und Ernst Jüngers Frühwerk, München–Wien 1978; ders., Die Kritik der Romantik, Frankfurt/M. 1989, S. 39-61; ders., Deutscher Surrealismus?, in: Fredericke Reents (Hg.), Surrealismus in der deutschsprachigen Literatur, Berlin 2009, S. 241-249.
[5] Ralf Simon, Politiken des Romantischen, in: Heinz Brüggemann (Hg.), Walter Benjamin und die romantische Moderne, Würzburg 2009, S. 186-188, hier S. 187: „Der Surrealismus als dialektisierte Romantik ist zugleich antiromantisch wie auch der Romantik im Innersten verhaftet.”
[6] Michael Löwy, Rédemption et Utopie. Le judaïsme libertaire en Europe centrale, Paris 1988, S. 13.
[7] Frédéric Thomas, Rimbaud et Marx: une rencontre surréaliste, Paris 2007, S. 127.

Auswahlbibliographie zum Wahlverwandtschaftsmodell
Richard, H. Howe (1978), Max Weber’s Elective Affinities: Sociology within the Bounds of Pure Reason, in: Max Weber: Critical Assessments 2, ed. de Peter Hamilton, London 1991, p. 193-210.
Michael Löwy, Le concept d‘affinité élective chez Max Weber, in: Archives de sciences sociales des religions, Nr. 127 (2004), S. 93-103.
Ders., Rédemption et Utopie. Le judaïsme libertaire en Europe centrale, Paris 1988.
Max Weber, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in: ders., Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. 1, 9. Aufl., Tübingen 1988, S. 1-206.
Frédéric Thomas, Rimbaud et Marx: une rencontre surréaliste, Paris 2007, S. 65-72.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLyon
Bewerbungsschluss05.01.2016
Beginn18.03.2016
Ende19.03.2016
PersonName: Sebastian Lübcke 
Funktion: Doktorand 
E-Mail: sebastian.luebcke@germanistik.uni-giessen.de 
KontaktdatenName/Institution: Sebastian Lübcke 
Strasse/Postfach: Greizer Str. 24 
Postleitzahl: 35396 
Stadt: Gießen 
Telefon: 06416304431 
E-Mail: sebastian.luebcke@germanistik.uni-giessen.de 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1770 - 1830; Literatur 1880 - 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
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