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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Poetik und Poesie der Werbung"
RessourcentypCall for Papers
TitelPoetik und Poesie der Werbung
BeschreibungInterdisziplinäre Tagung: Poetik und Poesie der Werbung, 15. und 16. April 2016, Goethe-Universität Frankfurt


„Words cannot do justice to the pleasures of a good bookshop. Ironically.“
Dieser Slogan, Teil einer aktuellen, nationalen Markenkampagne der britischen Buchhändler-Kette Waterstones, vereint zwei Pole, die oft als unvereinbar gelten: Literatur und Werbung. Die Tagung Poetik und Poesie der Werbung möchte dieser schwierigen und widersprüchlichen Beziehung auf den Grund gehen, zwei Welten und ihre unvergleichlich unvereinbaren Kunstformen näher betrachten.

Traditionell wird Literatur aufgrund ihrer vermeintlichen Tiefgründigkeit und einer fehlenden Zweckbindung von ‚niederen’, weil kommerzielleren, Formen des Schreibens abgegrenzt. Die offenkundige Funktionalität von Werbetexten, am einen Ende der Scala angesiedelt, kolportiert so ex negativo eine Definition dessen, was Literatur sein soll und was sie bewirkt.

Ungeachtet des dezidiert anti-kommerziellen Geistes, der die literarische Welt mit einem Hauch von Idealismus und Exzentrik umweht, sind Literaturproduktion und -rezeption naturgemäß in einem ökonomischen Umfeld angesiedelt, das sowohl Autoren als auch ihre Arbeit von guter Werbung abhängig macht.

Darüber hinaus verschleiert die habituelle Opposition zwischen Kunst und Kommerz, dass der Erfolg von Werbung nicht zuletzt davon abhängt, wie versiert künstlerische oder literarische Strategien eingesetzt werden – vom bewussten Einsatz der poetischen Funktion von Sprache (Jakobson) bis hin zu Anspielungen auf literarische Genres und narrative Formen in der Werbung. Der Waterstones-Slogan spielt mit den impliziten Erwartungen, die unsere Ideen von sowohl Literatur als auch Werbung prägen und wirkt, als hätte man den Rat des Über-Werbers Don Draper aus der TV-Serie Mad Men beherzigt: „Advertising is based on one thing: Happiness”.

„Man kann nicht in Worte fassen, welche Freude ein guter Buchladen bereitet.“ Dieser erste Teil der Anzeige evoziert die Freuden des Lesens und setzt diese in Verbindung mit dem beworbenen Buchladen. Der Nachsatz „Ironischerweise.“ dreht selbst-reflektiert dieses Klischee von Werbung um und zeigt das profunde Verständnis des Texters für die Macht der poetischen Sprache. Die Anzeige versucht gezielt, den Sinn für Humor ihrer an Literatur interessieren Adressaten zu treffen und so Lust auf die Art von Sprache zu machen, für die sie wirbt.

Im Gegenzug wird in der Gegenwartsliteratur mit ihrer Kritik an der Kultur des Spätkapitalismus (Jameson) Werbung häufig selbst zum Thema – zum Beispiel in der Figur des Werbers als postheroischem Helden, der perfekten Verkörperung des Reckwitzschen Kreativitätsdispositivs. Solche Tändeleien zwischen Literatur und Werbung, von Marshall McLuhan als „20th century folk art” geadelt, eröffnen so interessante Perspektiven auf Verfasstheit, Ausrichtung und Mechanismen beider Partner dieses merkwürdigen Gespannes.

Die Tagung Poetik und Poesie der Werbung wirft interdisziplinäre Blicke auf die unterschiedlichen Wege, auf denen Literatur und Werbung zusammenlaufen und interagieren. Uns interessieren insbesondere Fragen aus drei Bereichen:

• Die Poetik der Werbung
Diese Sektion widmet sich Beispielen zu Anwendung und (erhoffter) Wirkung „poetogener Strukturen“ (Urs Meyer) in der Werbung. Dies umfasst unter anderem, aber nicht ausschließlich, folgende Fragestellungen:
- Rhetorische Strategien, die Verwendung von Tropen, rhetorischen und stilistischen Figuren
- Die Interaktion zwischen der ‚poetischen’ Komposition von Bild und Text
- Die Verwendung mythologischer Motive und literarischer Gattungen wie z.B. des Märchens
- Werbenarrative und -figuren wie der „Marlboro Man“
- Die (Selbst-)Verortung von Werbung zwischen Fakt und Fiktion
- Intertextuelle Referenzen in Werbeanzeigen und ihre Wirkung

• Werbung in fiktionalen Texten
Diese Sektion untersucht die Rolle von Werbung und Marketing in Fiktionen aus dem 19., 20. Und 21. Jahrhundert, sowohl als Topos als auch als Faktor, der die literarische Kommunikation beeinflusst. Hier widmen wir uns unter anderem Aspekten wie den folgenden:
- Autoren (z.B. Salman Rushdie, Martin Amis, Don De Lillo, Frank Schätzing oder Frédéric Beigbeder), die eine Karriere in der Werbung begonnen haben und wie diese Arbeit sich auf ihr literarisches Schaffen auswirkt
- Fiktionale Darstellungen der Werbebranche – Mad Men und mehr
- Werbung in Science-Fiction und Dystopie
- Product Placement, Online Marketing, virale und andere Formen von Werbung in Literatur, Film und Fernsehen
- Umbrüche im Literaturbetrieb (z.B. Amazon Publishing, E-Book etc.) und ihre Wirkung auf die Leseerfahrung

• Rhetorik und Politik in der Werbung
In dieser Sektion werden wir den Zusammenhang zwischen ästhetischer Form, literarischen oder mythologischen Topoi und einem impliziten, soziokulturellen Wissen erkunden, der die Kommunikation in der Werbung maßgeblich bestimmt. Wir freuen uns auf Beiträge zu z.B. folgenden Themen:
- Status und Bedeutung von Werbung in der spätkapitalistischen Kultur und in früheren Epochen
- Die Werbeanzeige als Spiegel (oder Zerrspiegel) gesellschaftlicher Ängste und Bedürfnisse
- Historische Verschiebungen von Werten und Weltanschauung in der Werbung
- Konsum, Überredungskunst und Aufmerksamkeitsökonomie
- Darstellung von Geschlechterbildern, Ethnien und sozialen Schichten in verschiedenen Werbeformaten

Interessierte Wissenschaftler aus u.a. den Literatur-, Film- und Medienwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Geschichte und Soziologie sind eingeladen, 250-Wort-Abstracts für 20-minütige Vorträge einzureichen – auf deutsch oder englisch.

Bitte senden Sie Ihre Vorschläge bis zum 15. Dezember 2015 an allen@em.uni-frankfurt.de und knepel@em.uni-frankfurt.de.

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt
Bewerbungsschluss15.12.2015
Beginn15.04.2016
Ende16.04.2016
PersonName: Allen, Martina [Dr.] 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: allen@em.uni-frankfurt.de 
Name: Knepel, Ruth 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: knepel@em.uni-frankfurt.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für England- und Amerikastudien der Goethe-Universität Frankfurt 
Strasse/Postfach: IG-Farben-Haus | Norbert-Wollheim-Platz 1 
Postleitzahl: 60323 
Stadt: Frankfurt am Main 
Telefon: +49 (0)69 798 32350 
Fax: +49 (0)69 798 32375 
Internetadresse: www.uni-frankfurt.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeFachkommunikation (Fachsprache, institutionelle Kommunikation, Wirtschaftskommunikation, Sprache im Beruf, Terminologiewissenschaft, Technische Kommunikation/ Technischer Redakteur); Kognitive Linguistik (Metapherntheorie, Prototypentheorie, Konzeptualisierung); Sprache in den Medien / Medienwissenschaft (Sprache in Massenmedien, Internet und Hypertext, Medienentwicklung); Sprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Stilistik / Rhetorik (inkl. Argumentationstheorie, Stilbegriff, Persuasionstheorie, politische Sprache, Werbesprache); Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur- u. Kulturgeschichte; Literatursoziologie; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.); Medien- u. Kommunikationstheorie; Motiv- u. Stoffgeschichte; Stilistik
Klassifikation02.00.00 Deutsche Sprachwissenschaft (in Auswahl) > 02.10.00 Sprache im 20. Jahrhundert. Gegenwartssprache; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.08.00 Poetik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.10.00 Stilistik. Rhetorik; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.15.00 Literatur und Medien
Ediert von  H-Germanistik
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