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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Zeiten des Dramas"
RessourcentypVortragsreihen
TitelZeiten des Dramas
BeschreibungZeiten des Dramas

Deutsches Seminar Leibniz Universität Hannover, Königsworther Platz 1, Raum 415

Die zeitliche Ausdehnung ist eine der wesentlichen Dimensionen des Dramas und ist bereits von Aristoteles, wenn auch eher beiläufig und nur unzureichend mit der antiken Theaterpraxis übereinstimmend, als relevanter poetologischer Faktor benannt worden. In den dichtungstheoretischen Überlegungen der Renaissance und des französischen Klassizismus, programmatisch in Corneilles Discours sur les trois unités von 1660, wurden diese vage gehaltenen Äußerungen im Rahmen der Theorie der Einheiten ausgebaut, systematisiert und zu verbindlichen produktionsästhetischen Vorgaben erklärt. Gottsched bestätigte die Verbindlichkeit dieser Vorschrift auch für den deutschsprachigen Raum, von Lessing wurde sie in Frage gestellt und angesichts der zunehmenden Bedeutung der Shakespeare-Tradition sukzessive in den Hintergrund gedrängt. Gerade die theatertheoretisch grundlegenden Auseinandersetzungen um ‚offene‘ und ‚geschlossene‘ Form machen nachdrücklich geltend, dass das Drama als literarische Kunstform mit seinen spezifischen ästhetischen Mitteln Eigenzeiten ausprägten, die sich zur Zeit der dargestellten Handlung und zur Zeit der Aufführung in ein Verhältnis setzen.
Das Drama eignet sich deshalb in besonderer Weise als Vermittlungs-, Darstellungs- und Reflexionsmedium von zugleich epistemologischen und poetologischen Veränderungen, da es wirkmächtigen gattungsgeschichtlichen formalen Vorgaben unterliegt, gleichzeitig aber, durch seine Einbindung in die sich seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts neu formierende Institution des Theaters, sensibel für Veränderungen in der gesellschaftlichen Sphäre ist und sich programmatisch auf die Öffnung zukünftiger Möglichkeitsräume verlegt. Es entwirft auf Grund seiner gattungsspezifischen Anlage notwendigerweise eine immer neue und eigene immanente zeiträumliche Ordnung, die jeweils in einem mehr oder weniger ausgeprägten Kontrast zu den Zeit-Ordnungen seines Entstehungskontextes steht. Darüber hinaus ist das einzelne dramatische Werk aber auch geprägt von den Spannungen zwischen dem in der Vergangenheit liegenden Stoff und der Situation in der Gegenwart der Abfassung sowie zwischen der Vergangenheit der Abfassung und der Gegenwart der Aufführung. Und angesichts der durch Aufführung oder Lektüre wechselnden historischen Aktualisie-rungen lässt es immer neue zukünftige Zeithorizonte aufscheinen.
Die literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Problematik ist, gemessen an der Relevanz der Thematik und ihrer reichhaltigen narratologischen Bearbeitung, bisher erstaunlich bescheiden, und es sind v.a. zwei Monographien von Peter Pütz und Franz H. Link aus den 1970er Jahren, die hier zu nennen sind, neben einigen Aufsätzen zu einzelnen Autorinnen und Autoren.
Das Forschungskolloquium stellt sich die Aufgabe, diese dramentheoretischen und formsemantischen Fragestellungen erneut anzugehen und sie in einer zugleich kultur- und wissensgeschichtlichen Perspektive zu erschließen. Die Analyse der innertextuellen Thematisierung wird so die explizite Reflexion von Zeit in Dramen, sei es durch Figurenrede, Regieanweisungen oder Paratexte, fokussieren. In den Blick kommen neben expliziten Äußerungen zu Zeit und Geschichte auch sekundäre Phänomene der Zeitlichkeit wie Langeweile, Geschwindigkeit, Beschleunigung/Entschleunigung etc. Kombiniert werden kann diese inhaltliche Untersuchung mit der Analyse der dramatischen Zeit-Ökonomie, die sich für die formale Organisation von Zeit durch die dramatisierte Handlung interessiert und Variationen von Rhythmus und Geschwindigkeit hinsichtlich der Ebenen von Stück, Akt, Auftritt/Szene betrachtet und diese formalen Elemente mit den verhandelten Inhalten in Bezug setzt. Ergänzt werden sollen diese Zugangsweisen durch den Bezug zu textexternen historischen Diskursen über Zeit und Geschichte sowie zu dramentheoretischen Debatten.

Programm:

18.11. 2015
Andrea Polaschegg:
Das Vergehen des Textes. Dramatische Eigenzeit als Provokation für Werkpoetik und Literaturwissenschaft

02.12.2015
Claude Haas:
Die Einheit der Zeit. Stationen ihrer Geschichte in Drama und Poetik

16.12.2015
Till Nitschmann:
Hybride Zeitlichkeit in Sarah Kanes Theatertexten

13.1. 2016
Beate Hochholdinger-Reiterer:
Sprünge und Schichtungen. Spiele mit Zeit in Theater und Drama der Gegenwart

27.1. 2016
Christina Thurner: „...tiradíta mpa jámpampam...“. Äußere, eigene und verkörperte Zeitlichkeit im künstlerischen Tanz
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHannover
Beginn18.11.2015
Ende27.01.2016
PersonName: Michael Gamper 
Funktion: Organisator 
E-Mail: michael.gamper@germanistik.uni-hannover.de 
KontaktdatenName/Institution: Michael Gamper, Deutsches Seminar Leibniz Universität Hannover 
Strasse/Postfach: Königsworther Platz 1 
Postleitzahl: 30167 
Stadt: Hannover 
E-Mail: michael.gamper@germanistik.uni-hannover.de 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeDramentheorie; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Theater (Aufführungspraxis)
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.09.00 Gattungen und Formen > 05.09.02 Drama; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte > 05.11.00 Stoffe. Motive. Themen; 11.00.00 17. Jahrhundert > 11.10.00 Gattungen und Formen > 11.10.02 Drama. Theater; 12.00.00 18. Jahrhundert > 12.11.00 Gattungen und Formen > 12.11.02 Drama. Theater; 13.00.00 Goethezeit > 13.12.00 Gattungen und Formen > 13.12.02 Drama. Theater; 14.00.00 Romantik > 14.10.00 Gattungen und Formen > 14.10.02 Drama. Theater; 15.00.00 19. Jahrhundert > 15.13.00 Gattungen und Formen > 15.13.02 Drama. Theater; 16.00.00 Jahrhundertwende (1880-1914) > 16.13.00 Gattungen und Formen > 16.13.02 Drama. Theater; 17.00.00 20. Jahrhundert (1914-1945) > 17.16.00 Gattungen und Formen > 17.16.02 Drama. Theater; 18.00.00 20. Jahrhundert (1945-1989) > 18.08.00 Gattungen und Formen > 18.08.02 Drama. Theater; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart > 19.08.00 Gattungen und Formen > 19.08.02 Drama. Theater
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