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Ergebnisanzeige "Das "Wahlverwandtschaften"-Projekt"
RessourcentypVortragsreihen
TitelDas "Wahlverwandtschaften"-Projekt
BeschreibungDas "Wahlverwandtschaften"-Projekt

Ein literarisches Werk von höchstem Rang wird im Oktober 2009 zweihundert Jahre alt: Goethes "Wahlverwandtschaften". Der Roman hat die zeitgenössischen Leser gleichermaßen fasziniert wie verstört. Nie habe man „so enthusiastisch, so gescheut und so dumm und absurd über etwas sprechen hören, als über diesen Roman, und nie sind die Buchhändler so bestürmt worden“, erfährt Goethe im Februar 1810 von einer Freundin aus Wien. Bis heute haben die "Wahlverwandtschaften" nichts an Faszination eingebüßt. Die genaue Beobachtung zwischenmenschlicher Beziehungen, die experimentelle Darstellung sozialer Konflikte und ein feines Gespür für geschichtliche Umbrüche machen den Roman zu einem Musterbeispiel für das, was Literatur zu leisten vermag.

In Zusammenarbeit von Friedrich-Schiller-Universität Jena (Sonderforschungsbereich 482: "Ereignis Weimar-Jena"), Klassik Stiftung Weimar, Goethe-Gesellschaft Weimar und Theaterhaus Jena wird dieses Werk der Weltliteratur in den nächsten eineinhalb Jahren auf vielfältige Weise vergegenwärtigt und interpretiert: durch eine Ausstellung im
Goethe-Nationalmuseum, durch eine interdisziplinäre Ringvorlesung, eine fächerübergreifende wissenschaftliche Tagung und – nicht zuletzt – durch öffentliche Lesungen bekannter Schauspieler.


A. Ausstellung im Goethe-Nationalmuseum, Weimar, Diener-Wohnung, vom 28. August 2008 bis zum 2. November 2008

„Eine unbeschreibliche, fast magische Anziehungskraft“. Goethes "Wahlverwandtschaften"

Mit analytischer Genauigkeit schildert Goethe die Regungen seiner Figuren, die Kräfte von Anziehung und Abstoßung, die zwischen ihnen herrschen. Liebe und Leidenschaft brechen wie ein Naturereignis in die mühsam errichtete Ordnung eines vermeintlichen Eheglücks ein. Die Spannung zwischen romantischer Liebe und Wahlverwandtschaft auf der einen und den gelebten Formen der Ehe auf der anderen Seite könnte kaum größer sein. Im Quartett gefährlicher, ja wahnhafter Neigungen löst sich eine Ehe auf, kommt es zur Grenzüberschreitung eines ‚doppelten Ehebruchs durch Phantasie’. Der Schluss des Romans belässt das eine Liebespaar wie Schatten im Hades, während die beiden anderen erst im Liebestod miteinander vereint scheinen. Woran scheitern die Liebenden?

Die Ausstellung beleuchtet die Entstehung des Romans im Kontext der Zeitgeschichte, der Biographie wie der Naturforschung Goethes. Sie führt zu Schlüsselszenen des Werks und vergegenwärtigt den geistigen Kosmos, den der Erzählfaden des Dichters aufspannt. Sie zeigt angefangen von der großen Essayistik zum Werk über filmische Umsetzungen bis hin zu gegenwärtigen Dramatisierungen auf der Bühne Spuren einer lebendigen und anhaltenden Rezeption. Eine Neueinlesung des berühmten ‚Chemie-Gespräches’ durch Hanns Zischler ist zu hören.

B. SFB-Ringvorlesung

Die "Wahlverwandtschaften" und das Ereignis Weimar–Jena

Ringvorlesung WS 2008/2009; Di, 18.00-20.00 Uhr,
Rosensäle, Friedrich-Schiller-Universität Jena
[mit weiteren Vorträgen in Weimar, Festsaal des Goethe-Nationalmuseums, 18.00 Uhr]

„Ein echtes Kunstwerk bleibt, wie ein Naturwerk, für unsern Verstand immer unendlich.“

Im Ereignisraum Weimar-Jena sind um 1800 neue Möglichkeiten für die Gestaltung literarischer Kunstwerke wie für deren Erklärung und Interpretation erschlossen worden. Hier entstehen Goethes "Wahlverwandtschaften", die Naturforschung und Wissenschaftsgeschichte, Zeitgeschichte, Zeitdiagnostik und Gesellschaftsanalyse, Anthropologie und Psychologie in einer komplexen dichterischen Formensprache verknüpfen. Der Roman steht damit wie kein anderes Werk des beginnenden 19. Jahrhunderts im Spannungsfeld von Kunst und Literatur, Philosophie und Wissenschaften.

Die Ringvorlesung geht dem poetischen Experiment und dem thematischen Engagement dieses vieldeutigen und verstörenden Werkes nach. Sie will die Spannungen herausarbeiten, die dieser Roman in sich trägt, will ihn in nicht nur fachspezifisch, sondern – in gemeinsamer Erkenntnisanstrengung – auch fachübergreifend aufschließen. Die Ringvorlesung betrachtet den Roman als einen Teil des kulturellen Ereignisses um 1800, das sich mit den Namen Weimar und Jena verbindet, und zugleich als eine Form seiner künstlerischen Selbstreflexion.


Termine:

1. 28.10.2008: Klaus Manger (Jena): Goethes "Wahlverwandtschaften" – neu gelesen

2. 04.11.2008: Nicole Grochowina (Jena): Von der „Dazwischenkunft eines Dritten" – Geschlechterbeziehungen

3. 11.11.2008: Harald Tausch (Jena): „Die Anlage, die wir bis jetzt zu unserm Dasein gemacht haben.“ Zur Landschaftsgestaltung und Architektur

4. 20.11.2008: Reinhard Wegner (Jena): „Lebende Bilder“ – „erzählte Tableaus“ (Vortrag in Weimar: Festsaal des Goethe-Nationalmuseums)

5. 25.11.2008: Helmut Hühn (Jena): Schicksal, modern: Überlegungen zu einem Romanexperiment

6. 02.12.2008: Ernst Osterkamp (Berlin): Einsamkeit und Entsagung in Goethes "Wahlverwandtschaften"

7. 09.12.2008: Marko Kreutzmann (Jena): Goethe als Gesellschaftskritiker

8. 06.01.2009: Jutta Heinz (Jena): "Durch und durch materialistisch" oder "voll innern heiligen Lebens"? Zur zeitgenössischen Rezeption

9. 17.01.2009: Hermann Beland (Berlin): Zum Problem gesellschaftlicher Vorurteilsbildungen. Psychoanalytische Untersuchung der "Wahlverwandtschaften" (Vortrag in Weimar: Festsaal des Goethe-Nationalmuseums)

10. 20.01.2009: Stefan Blechschmidt (Jena): "... eine Repositur für das Gegenwärtige, ein Archiv für das Vergangene". Wer schafft Ordnung in den "Wahlverwandtschaften"?

11. 27.01.2009: Jochen Golz (Weimar): Prolog und Epilog? Goethes "Wahlverwandtschaften" im Kontext des Sonettzyklus von 1807 und der Pandora-Dichtung

12. 03.02.2009: Birgit Sandkaulen (Jena): "...überall nur eine Natur...". Spinozas Ethik als Schlüssel zu Goethes "Wahlverwandtschaften"?

13. 05.02.2009: Temilo van Zantwijk (Jena): Wissen sie, was sie tun? Freiheit und Determination (Vortrag in Weimar: Festsaal des Goethe-Nationalmuseums)

14. 10.02.2009: Elisabeth von Thadden (Hamburg): Das „ungeheure Recht“ der Gegenwart



C. Tagung des Sonderforschungsbereichs 482 und der Goethe-Gesellschaft Weimar

Andacht zum Detail. Versuche über die "Wahlverwandtschaften"

Mit den "Wahlverwandtschaften" beginnt die Erzählkunst von Goethes Spätwerk. Der Roman experimentiert mit alten und neuen Verfahren der poetischen Darstellung und Komposition. Auf überraschende Weise sind unterschiedliche Rollen und Funktionen des Erzählens vereinigt. Mit den Mitteln von Vorausdeutung, Rückwendung, variierender Wiederholung, Kontrastierung und Steigerung wird über der Ebene der sukzessiv erzählten Begebenheiten und Handlungen ein dichterischer Zusammenhang simultaner Verweisungen und Spiegelungen erzeugt. Die Versenkung in motivische, szenische, sprachliche und stilistische Details des Textgeschehens kann zu neuen Einsichten in das Ganze des Werkes und seiner narrativen
Organisation führen. Wo stehen wir heute – nach 200 Jahren Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte – in unseren Bemühungen um ein Verständnis des Romans? Wie erfüllt dieses Werk heute seine künstlerische Bestimmung, „zum Nachdenken aufzuregen“?

Mit Beiträgen von:

Dirk Oschmann (Jena): Die "Wahlverwandtschaften": Reden und Schweigen

Andreas Grimm (Jena): „Auf das Leben bezügliche und vom Leben abgezogene Maximen“. Beobachtungen zu Ottiliens Tagebuch

Benigna Kasztner (Jena): Das Werk im Schmerz. Anmerkungen zum Motiv des Kopfschmerzes

Jan Urbich (Jena): "Ein Zeichen sind wir, deutungslos". Leben und Schreiben in Goethes "Wahlverwandtschaften"

Saskia Maria Woyke (Weimar): Goethes "Wahlverwandtschaften" und Mozarts „Così fan tutte“

Michael Maurer/Susan Baumert (Jena/Weimar): Verfehlte Geburtstage und verpatzte Feste. Zeitkultur in den "Wahlverwandtschaften"

Stefan Matuschek (Jena): Wahlverwandt? Die Essays zu Goethes bestem Buch



D. Lesungen

„Heut Abend führ’ ich … meine Geister wieder vor.“ Lesung von Goethes "Wahlverwandtschaften"

Vorgelesene Literatur regt wie keine andere Kunstgattung die Einbildungskraft und das Nachdenken an, gewährt einen Genuss für Geist und Sinn. Goethe hat, wie seine Gesprächspartner mitteilen, bereits im frühen Stadium der Konzeption ganze Partien seines Romans druckreif erzählen können. Die ersten Hörer seiner Leseproben und Leseabende berichten, wie die "Wahlverwandtschaften" sie in ihren Zauberkreis gezogen haben: „Ich gäbe was darum, wenn er Dir’s vorläse. Er hat uns glücklich gemacht.“ (Henriette Knebel).


Termine:


Freitag, den 17. Juli 2009, 19.00 Uhr:

Jutta Lampe
(Teil 1, Kap. 1-9)

Samstag, den 18. Juli 2009, 19.00 Uhr:

Hanns Zischler
(Teil 1, Kap. 10-18)

Ort: Festsaal im Stadtschloss Weimar

Sonntag, den 01. November 2009, 19.00 Uhr:

Gottfried Gabriel und Klaus-Michael Kodalle
(Teil 2, Kap. 1-9)

Ort: Theaterhaus Jena

Samstag, den 07. November 2009, 19.00 Uhr:
Lesung zum 200. Geburtstag der Wahlverwandtschaften:

Peter Stein
(Teil 2, Kap. 10-18)

Ort: Festsaal im Stadtschloss Weimar


Konzeption und Realisierung:

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Sonderforschungsbereich 482

Dr. Helmut Hühn
Humboldtstr. 34
07743 Jena
Tel. 03641 / 944 054
Tel. 03641 / 944 050 (Sekretariat)
E-mail: h.huehn@uni-jena.de

SFB 482: „Ereignis Weimar-Jena. Kultur um 1800“
Sprecher: Prof. Dr. Dr. Olaf Breidbach
http://www2.uni-jena.de/ereignis


Ansprechpartner:

Klassik Stiftung Weimar
Museen
Dr. Jochen Klauß
Tel.: 03643 / 545 313
E-mail: jochen.klauss@klassik-stiftung.de

Referat Forschung und Bildung
Dr. Jonas Maatsch
Tel.: 03643 / 545 570
E-mail: jonas.maatsch@klassik-stiftung.de

SFB-Ringvorlesung:
Prof. Dr. Reinhard Wegner
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tel.: 03641 / 944 175
E-mail: reinhard.wegner@uni-jena.de

Tagung:
PD Dr. Jochen Golz
Goethe-Gesellschaft in Weimar
Tel.: 03643 / 20 20 50
E-mail: goetheges@aol.com


Text: Dr. Helmut Hühn
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortWeimar
Beginn28.10.2008
Ende10.02.2008
PersonName: Hühn, Helmut [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: h.huehn@uni-jena.de 
KontaktdatenName/Institution: Goethe-Gesellschaft in Weimar 
Telefon: +49(0)3643 / 20 20 50 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1770 - 1830
Klassifikation13.00.00 Goethezeit > 13.12.00 Gattungen und Formen > 13.12.03 Epik
Ediert von  H-Germanistik
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