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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Erfüllte Körper – Inszenierungen von Schwangerschaft"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelErfüllte Körper – Inszenierungen von Schwangerschaft
Beschreibung„Erfüllte Körper – Inszenierungen von Schwangerschaft“

Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum
03.-05.12.2015

Tagungsort: Blue Square, Kortumstraße 90, 44787 Bochum

Konzeption und Organisation: Stephanie Heimgartner (stephanie.heimgartner@rub.de) und Simone Sauer-Kretschmer (simone.sauer@rub.de)

Homepage der Tagung: http://www.komparatistik.ruhr-uni-bochum.de/tagungen/schwangerschaft.html.de


PROGRAMM

Donnerstag, 03.12.2015

14.00 Ankunft, Snacks und Kaffee

15.00 Simone Sauer-Kretschmer/Stephanie Heimgartner: Offizielle Begrüßung und Eröffnung der Tagung
Frauenkörper und (Negationen von) Schwangerschaft in der Geschichte

15.30 Lucia Aschauer: Die erzählerische Inszenierung von Schwangerschaft und Geburt in geburtshilflichen Fallberichten des 18. Jahrhunderts

16.15 Regina Schulte: Prekäre Schwangerschaften zwischen weiblicher Gemeinschaft und ärztlich-juristischem Zugriff im 18./19. Jahrhundert

17.00 Kaffeepause

17.30 Katja Sabisch: ‚Keine Frau mehr sein‘. Experimentelle Sterilisation in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern

18.15 Lisa Malich: Von der nervösen Verstimmung zur hormonellen Stimmungsschwankung: Eine Wissensgeschichte von Muttergefühlen in der Schwangerschaft (1789–2010)


Freitag, 04.12.2015

Schwangergehen: Inszenierungen des werdenden Lebens in Literatur, Medien und Kunstgeschichte

10.00 Cristina Mazzoni: Fruits of the Womb: Botanical Metaphors of Pregnancy in European Culture – Keynote –

11.30: Monika Schmitz-Emans: Empfängnis, Reifung, Geburt: Schwangerschaft als poetologische Metapher

12.15 Christine Kanz: Vom gebärenden Mann zum werdenden Vater – Überlegungen zur Historizität eines biopolitischen Phantasmas (mit Blick auf die historische Avantgarde und die Literatur der Jetztzeit)

13.00 Mittagspause

14.00 Astrid Deuber-Mankowsky: GOOGLE BABY: Globalisierung von Schwangerschaft und ihre filmische Dokumentation

14.45: Waltraud Maierhofer: Für Abtreibung als globales Frauenrecht: Sarah Diehls Dokumentarfilme ‚Abortion Democracy‘ und ‚Pregnant Journeys‘

15.30: Daniel Hornuff: Schwangerschaft als Projekt. Über Pregnant Design und Fötus-Marketing

16.15 Kaffeepause und Umzug in den Hörsaal
Technologien der Fortpflanzung: Reproduktion und die Zukunft der Familie

17.00 Andreas Bernard: Der Storch mit der Spritze. Neue Reproduktionstechnologien und die Ordnung der Familie – Keynote –

18.30 Podiumsdiskussion (bis 19.30)


Samstag, 05.12.2015

09.30 Barbara Duden: Von der historischen Natur des Schwangergehens – Keynote –

11.00 Stefan Willer: Kinderwunsch und Advent: Schwangerschaft als Heilserwartung

11.45 Kaffeepause

12.00 Cornelia Schadler: Die vielfältigen Körper der Veränderung: Prozesse der Transformation eines Schwangerschaftskörpers

12.45 Stephanie Heimgartner: Schnellere Kinder, schönere Körper: Schwangerschaft als Management knapper Ressourcen

13.30: Abschluss der Tagung

Die Teilnahme an der Tagung ist kostenfrei. Wir bitten jedoch um vorherige Anmeldung per Mail an die Organisatorinnen bis spätestens zum 30.11.2015.


– English version see below –

Der vollständigen Trennung von Sex und Reproduktion steht für Carl Djerassi, den Entwickler der Antibabypille, technisch kaum mehr etwas im Wege. Die derzeit geführte Diskussion über Praktiken des „Social Freezing“ zeigt, dass die Anwendung von Reproduktionstechnologien längst eine Ausweitung erfahren hat, die sich nicht auf medizinisch gebotene Einsätze beschränkt. Vielmehr werden sie zunehmend als Hilfsmittel genutzt, um Konvergenzen von Karriere und Privatleben zu ermöglichen. Ablesen lässt sich an dieser Entwicklung eine Diskursverschiebung, die individuelle Lebensentwürfe und politisch-gesellschaftliche Fragen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Einflussbereich fortgeschrittener medizinischer und biologischer Technologien verlagert. Damit verbindet sich zunehmend der Anspruch, die zuvor bestehenden Konflikte über den ‚richtigen Zeitpunkt‘ von Schwangerschaft mit Hilfe einer Überwindung natürlicher Prozesse zu lösen. Dieser Anspruch erfüllt den Wunsch nach einer immer autonomeren Lebensgestaltung auch der durch ihre Reproduktivphase bisher gebundenen Frauen und sehr offensichtlich auch ökonomische Desiderate. Samen- und Eizellspende sind angrenzende Themenbereiche, ebenso wie das Prinzip der Leihmutterschaft und der Umgang mit Abtreibung. Dem Wunsch nach einer zunehmenden, individualisierten Verfügbarkeit der körperlichen Reproduktionsmittel steht in der aktuellen Entwicklung die Fokussierung auf genau diese Performativität des Körpers in seinen reproduktiven Eigenschaften gegenüber. So unterschiedliche Begleitphänomene der Schwangerschaft wie die Umstandsmode und das häufige Screening des Ungeborenen mit bildgebenden Verfahren verweisen auf das Bedürfnis, die eigene Fruchtbarkeit und ihr Produkt zum lebensgeschichtlichen Projekt zu stilisieren, dessen dokumentarische und selbstinszenatorische Aspekte ein menschheitsgeschichtlich allgemeines Phänomen radikal individualisieren und damit auch legitimieren.
Als 1960 in den USA und 1961 auch in Deutschland die Antibabypille auf den Markt kam, war dies ein zwar ungleich größerer, strukturell aber ähnlicher Einschnitt in die Planbarkeit von Schwangerschaften und die daraus resultierenden Wahl- und Perspektivmöglichkeiten für Frauen und ihre Familien wie das „Social Freezing“ heute. Mit der geplanten Tagung „Erfüllte Körper – Inszenierungen von Schwangerschaft“ möchten wir die aufgemachte Zeitspanne zwischen den 1960er Jahren und der Gegenwart zum Anlass nehmen, um in ‚ganzheitlicher Perspektive‘ über Inszenierungen und Darstellungsverfahren von Schwangerschaften aus literaturwissenschaftlicher, medienwissenschaftlicher, kunsthistorischer und kulturhistorischer Perspektive nachzudenken.
Schwangerschaft verstehen wir dabei als Zustand des Übergangs und Werdens, als ein Schwellenstadium des Lebens, dessen „Natürlichkeit“ aktuell, ähnlich wie jene des Sterbeprozesses, immer fraglicher wird und das daher individuell inszeniert werden muss, während es gleichzeitig zum Kreuzungspunkt gesellschaftlicher Diskurse wird.

For Carl Djerassi, inventor of the Pill, the complete separation of sex and reproduction is almost attained. The recent discussion on the practice of „Social Freezing“ shows that the application of reproductive technologies has already spread far beyond the cases that could be considered medically necessary. They are used more and more as a tool to synchronize divergent career and life options. Underneath this tendency, a shifting of discourses can be diagnosed, relocating individual life plans and socio-political issues like the balance of work and family life into the influence sphere of advanced medical and biological technologies. In the course of this discourse shift, earlier conflicts about the ›right‹ time to have children are seemingly solved by the ever growing possibilities to overcome biological processes. In gladly adopting such technological solutions to a problem that for a long time has seemed unsurmountable, women are able to lead more autonomous lives without having to consider the limitations biology has so long placed on them. Very obviously, economical demands are also satisfied. The donation of sperm and eggs, surrogate motherhood and practices and acceptance of abortion are neighbouring topics. Currently, the wish to dispose of one‘s bodily means of reproduction individually is countered by a focus on the performativity of bodies with regard to their reproductive characteristics. Phenomena connected to pregnancy as different as maternity wear and the repeated screening of the unborn with the help of imaging technology testify for the need to shape one’s own fertility and its product into a project of life-defining significance. The documentary and self-performative aspects of this ›enhanced‹ pregnancy radically redefine and re-legitimate an event which before has been considered the most general natural phenomenon.
The introduction of the Pill in the US in 1960 (and in Germany in 1961) was a huge step towards the possiblity to plan reproduction and with it the whole of family and work life. »Social Freezing« may well be today’s equivalent to the early reliable contraceptives.
The planned conference „Fulfilled Bodies – The ‚Staging‘ of Pregnancy“ wants to focus primarily on the time between the 1960s and today in order to consider in an interdisciplinary way how the performativity, the ›embodiment‹ and the representation of pregnancy have changed in literature, art, media, history, culture and social practice.
We see pregnancy as a transitory condition of ‚becoming‘, as a threshold and passage stadium in life, for which – like for the dying process – allocations of „naturalness“ become more and more questionable. Therefore, pregnancy has to be defined and performed individually while at the same time it is about to become a cusp of public discourse.

Kontakt:
Dr. Stephanie Heimgartner / Dr. Simone Sauer-Kretschmer
Lehrstuhl für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft
Ruhr-Universität Bochum
GB 3/39
Universitätsstraße 150
44780 Bochum
Stephanie.heimgartner@rub.de
Simone.sauer@rub.de

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBochum
Bewerbungsschluss30.11.2015
Anmeldeschluss30.11.2015
Beginn03.12.2015
Ende05.12.2015
PersonName: Stephanie Heimgartner 
Funktion: Lehrkraft für bes. Aufgaben 
E-Mail: stephanie.heimgartner@rub.de 
KontaktdatenName/Institution: Stephanie Heimgartner, Simone Sauer-Kretschmer. Lehrstuhl für Komparatistik, Ruhr-Universität Bochum 
Strasse/Postfach: GB 3/39, Ruhr-Universität Bochum, Universitätsstr. 150 
Postleitzahl: 44780 
Stadt: Bochum 
Telefon: 0234-32-28564 
Fax: 0234-32-14583 
E-Mail: stephanie.heimgartner@rub.de 
Internetadresse: http://www.komparatistik.ruhr-uni-bochum.de/tagungen/schwangerschaft.html.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Genderforschung; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Zusätzliches SuchwortInszenierung
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