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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Georg Büchner und die Wissenschaft vom Leben"
RessourcentypCall for Papers
TitelGeorg Büchner und die Wissenschaft vom Leben
BeschreibungCall for Contributions:
Georg Büchner und die Wissenschaft vom Leben
Hrsg. v. Roland Borgards, Johannes Lehmann

Büchner war Zoologe. Ihn als Mediziner zu bezeichnen, verfehlt den Textbestand der Mémoire und der ‚Probevorlesung’; ihn allgemein als Naturwissenschaftler zu bezeichnen, wird den sehr klar umrissenen Fragestellungen dieser beiden Texte nicht gerecht. Zur Debatte stehen in diesen Texten vor allem Problemfelder der Vergleichenden Anatomie: Bauplanforschung, Entwicklungsgeschichte, das Verhältnis von Neuroanatomie und Osteologie. Begleitet wird diese empirisch fundierte Forschung von methodologischen Überlegungen, insbesondere mit der Entgegensetzung von teleologischer und genetischer Methode.
Nun geht es Büchner als Zoologen weder um klassifikatorische noch um ethologische, sondern vor allem um grundlegende biotheoretische Fragen. Dies entspricht dem wissenschaftshistorischen Augenblick, in dem seine Forschungsarbeiten situiert sind: Die Biologie hat sich gerade erst als eigene Disziplin etabliert, und Büchner gehört zu der ersten Generation von Forschern, die sich mit den theoretischen Voraussetzungen einer Wissenschaft vom Leben auseinandersetzen können, ohne die Disziplin zugleich begründen zu müssen (wie das zuvor bei Cuvier, Goethe, Lamarck, Oken, usw. der Fall ist).
Diese spezifische Situation in der Anfangsphase der Biologie als eigenständiger Wissenschaft soll der Ausgangspunkt für die Beiträge des geplanten Sammelbandes zu „Georg Büchner und die Wissenschaften vom Leben“ sein. Der Band verfolgt dabei drei Ziele:
Erstens geht es um eine wissenschafts- und wissensgeschichtliche Beschreibung im Sinne einer historischen Epistemologie: Wie verhalten sich Büchners zoologische Schriften zu den Gründungsfragen der Biologie, etwa zur Teleologie (bei Kant und Cuvier), zur Neurologie (Animal Cerebralis), zur Theorie der Existenzbedingungen (Cuvier, Goethe) oder zur Morphologie (Goethe)? Welche Rückbezüge und Abgrenzungen lassen sich dabei feststellen zu philosophischen Entwürfen des Tieres und der anthropologischen Differenz (z.B. im Vergleich mit den Spinoza- und Descartes-Referaten in den ‚Philosophischen Scripten’)? In welchem Bezug stehen diese biotheoretischen Gründungsfragen mit der Rezeption konkreter ethologischer Versuchsanordnungen, wie etwa der frei fallenden Katze im ‚Woyzeck’?
Zweitens geht es um den Zusammenhang zwischen den solcherart konzipierten Wissenschaften vom Leben und einem zeitgemäßen Verständnis des Politischen: Formuliert Büchner so etwas wie eine biotheoretisch informierte Anthropopolitik? Wie ist der analytische Blick in die Natur mit den literarischen Verhandlungen eines politisierten Lebens verbunden? Inwiefern sind biotheoretische Fragen selbst politisch?
Drittens schließlich geht es darum, inwiefern sich aus Büchners Auseinandersetzungen mit den Wissenschaften vom Leben semiologische und ästhetische Problemlagen ableiten lassen, wie sie für Büchners Gesamtwerk und auch für die historische Situation in Wissenschaft, Literatur und Politik charakteristisch ist.
Gesucht sind Beiträge, die sich – unter den drei Perspektiven einer historischen Epistemologie, einer lebenswissenschaftlich grundierten politischen Theorie oder einer biologischen Semiologie bzw. Ästhetik – mit Büchners Reflexion der Wissenschaft vom Leben auseinandersetzen. Dies kann ausgehend von allen Texten Büchners geschehen (Zoologie, Philosophie, Drama, Prosa, Flugschrift, Briefe, Schulschriften); die Einbindung in historische Kontexte ist erwünscht.
Wir bitten zunächst um die Einsendung eines kurzen Exposés (max. eine Seite) bis zum 15.11.15. Aus den eingegangen Vorschläge werden etwa zehn zur Ausarbeitung aufgefordert. Abgabetermin für die fertigen Beiträge ist der 1.5.16. Der Band soll im Winter 16/17 bei Rombach in der Reihe Cultural Animal Studies erscheinen. Exposés und Beiträge können auf Deutsch oder auf Englisch verfasst sein.

Exposés an:
roland.borgards@uni-wuerzburg.de
johannes.lehmann@uni-bonn.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss15.11.0015
PersonName: Prof. Dr. Roland Borgards 
Funktion: Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte 
E-Mail: roland.borgards@uni-wuerzburg.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Deutsche Philologie 
Strasse/Postfach: Am Hubland 
Postleitzahl: 97074 
Stadt: Würzburg 
E-Mail: roland.borgards@uni-wuerzburg.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch; Englisch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1830 - 1880
Ediert von  H-Germanistik
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