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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Wirklichkeit oder Konstruktion? Sprachtheoretische und interdisziplinäre Aspekte einer brisanten Alternative"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelWirklichkeit oder Konstruktion? Sprachtheoretische und interdisziplinäre Aspekte einer brisanten Alternative
BeschreibungWirklichkeit oder Konstruktion?
Sprachtheoretische und interdisziplinäre Aspekte einer brisanten Alternative

Tagung des Forschungsnetzwerks "Sprache und Wissen"
http://sprache-und-wissen.de/tagung-2015/

Heidelberg, 15. und 16. Oktober 2015, Akademie der Wissenschaften,Karlstraße, 4, 69117 Heidelberg

Konzept und Programm:
Der Konstruktivismus, so der Philosoph Markus Gabriel in seinem Buch Warum es die Welt nicht gibt, basiere auf der Annahme, „dass es überhaupt keine Fakten, keine Tatsachen an sich gibt, dass wir vielmehr alle Tatsachen nur durch unsere vielfältigen Diskurse oder wissenschaftlichen Methoden konstruieren“. Aber ließe sich eine solch radikale Position überhaupt begründen?
Als Antwort und zugleich Kompromiss bietet sich der Weg über die Sprache an. In nahezu allen konstruktivistischen Darstellungen spielt sie eine zentrale Rolle. Danach bezeichnen die Wörter nicht die Dinge an sich, sondern tun dies immer aus einer bestimmten Perspektive. Was für den einen etwa eine Freisetzung von Arbeitskräften ist, ist für den anderen eine Entlassung. Wie wir die Welt wahrnehmen, ist entscheidend von einer der Sprache innewohnenden Perspektive geprägt.
Diesen Gedanken zu akzeptieren fällt leichter als den eingangs formulierten. Denn er gesteht immerhin zu, dass es eine Wirklichkeit ‚an sich’ gibt, allerdings eine, die wir als solche nicht erkennen können. Nur als perspektivisch gebundene ist sie uns zugänglich, und in ihr gibt es entweder freigesetze Arbeitskräfte oder eben Entlassene. Verba res secant, nannte das bereits im 17. Jahrhundert der englische Philosoph Francis Bacon, Die Wörter zerschneiden die Dinge. Deshalb sei es müßig, so die konstruktivistische Argumentation, der ‚Wirklichkeit als solcher’ nachzujagen: Es mag sie geben, aber wenn sie ohnehin nicht erkennbar ist, kann sie uns gleichgültig sein. Als wichtig gilt das Aufspüren der Perspektiven, nicht selten in aufklärerischer Absicht, wenn etwa Formulierungen wie die von der Größe eines Volkes, der historischen Bestimmung einer Nation oder auch der natürlichen Rolle der Frau kritisch hinterfragt werden.
Diesen Versuchen, die Wirklichkeit als interessengeleitet konstruierte auszuweisen, wird häufig mit dem Argument begegnet, der (vermeintliche) Akt der Aufklärung diene letztlich nur dazu, die jeweils eigene Position als die ‚eigentlich richtige’ durchzusetzen. Außerdem widerspreche die Annahme eines umfassenden Konstruiertseins unserer Wirklichkeitsbilder jeder Alltagserfahrung von der Präsenz und Widerständigkeit der Welt.
In diesem Spannungsfeld verortet sich die aktuelle, in der wissenschaftlichen und medialen Öffentlichkeit geführte Kontroverse zwischen Konstruktivismus und Neuem Realismus. Auch das Forschungsnetzwerk Sprache und Wissen, zu dessen Arbeit die Analyse sprachlicher und anders modaler Perspektiven auf Wirklichkeit in gesellschaftlichen Wissensdomänen und Handlungsbereichen gehört, will sich dem Thema stellen. Aus der Perspektive unterschiedlicher Disziplinen sollen Fragen u.a. dieser Art behandelt werden: Welche Ursachen hat die aktuelle Kontroverse? Wie sind die fachspezifischen Positionen? Welchen Wahrheits- und Geltungsanspruch können z.B. diskursanalytische Aussagen erheben? Wie zeigt sich die Spannung zwischen (behaupteter) Faktizität und (behauptetem) Konstruiertsein in unterschiedlichen Wissensdomänen (Recht, Medizin, Wirtschaft, Bildung, Kunst, Politik, Religion usw.)?

Ekkehard Felder, Andreas Gardt, Marcus Müller


Ort: Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Karlstraße, 4, 69117 Heidelberg
Telefon: 0 6221 / 54 - 32 41 oder 54 - 32 40

Donnerstag, 15. Oktober 2015

13:00 Uhr Begrüßung Ekkehard Felder (Koordinator des Forschungsnetzwerks)
13:15 Uhr Eröffnungsvortrag Andreas Gardt (Sprachwissenschaft, Universität Kassel):
Wort und Welt. Konstruktivismus und Realismus in sprachtheoretischer Sicht
14:15 Uhr Markus Gabriel (Philosophie, Universität Bonn):
Grenzen des Realismus? Neuere sprachphilosophische Einwände gegen den semantischen Realismus
15:15 Uhr KAFFEEPAUSE
15:45 Uhr Bernhard Pörksen (Medienwissenschaft, Universität Tübingen):
Die Gefahr der Gewissheit. Warum wir Realismus und Konstruktivismus brauchen
16:45 Uhr Heinz Bude (Soziologie, Universität Kassel)
Realitäten in der Wirklichkeit. Eine notwendige Unterscheidung bei der ‚Rückkehr zu den Sachen selbst‘
17:45 Uhr Paul Kirchhof (Rechtswissenschaft, Universität Heidelberg)
Rechtssprache zwischen Ideal und Wirklichkeit
19:00 Uhr Öffentliche Podiumsdiskussion mit Frau Prof. Dr. Berbeli Wanning (Universität Siegen)
Teilnehmer: Alle Referenten des Donnerstags
21.00 Uhr Stehempfang der 11. Jahrestagung

Freitag, 16. Oktober 2015

09:00 Uhr Paul-Gerhard Klumbies (Theologie, Universität Kassel)
Gott – bewusst gemacht oder bewusstgemacht? Die Konstruktivismus-Frage aus theologischer Sicht
10:00 Uhr Ludwig Jäger (Sprachwissenschaft, Universität Aachen)
‚Outthereness‘. Über das Problem des Wirklichkeitsbezugs von Zeichen

11:00 Uhr KAFFEEPAUSE

11:30 Uhr Josef Klein (Sprachwissenschaft, Universität Koblenz -Landau/FU Berlin)
Strategisches politisches Framing als Wirklichkeitskonstruktion. Theorie
und Methodenreflexion mit Blick auf Kampagnenpraxis
12:30 Uhr Matthias Attig (Sprachwissenschaft, Universität Heidelberg)
Der Begriffsrealismus als semiotisches Problem. Über das dialektische Verhältnis von Zeichen und Bezeichnetem sowie von Lexem und Syntagma

MITTAGSPAUSE

15.00 Entwurf eines Positionspapiers des Forschungsnetzwerks ›Sprache und Wissen‹ zur Realismus-/Konstruktivismusdebatte
16.30 KAFFEEPAUSE
17.00 ENDE DER TAGUNG


Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://sprache-und-wissen.de/tagung-2015/
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHeidelberg
Beginn15.10.2015
Ende16.10.2015
PersonName: Felder, Ekkehard [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: Felder@gs.uni-heidelberg.de 
Name: Gardt, Andreas [Prof. Dr.],  
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: gardt@uni-kassel.de 
Name: Müller, Marcus [PD Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: mueller@linglit.tu-darmstadt.de 
KontaktdatenName/Institution: Germanistisches Seminar der Universität Heidelberg 
Strasse/Postfach: Hauptstraße 207-209 
Postleitzahl: 69117 
Stadt: Heidelberg 
Telefon: 06221-54-3239/-3240/-3241 
E-Mail: Felder@gs.uni-heidelberg.de 
Internetadresse: http://www.gs.uni-hd.de 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLinguistik; Sprache und Gesellschaft (Diskursanalyse, Ethnographie, Sprachkritik, Sprachplanung, Sprachpolitik); Sprachphilosophie / Kommunikationstheorie (Sprachtheorie, Sprachbegriffe)
Zusätzliches SuchwortKonstruktivismus; Realismus; Wahrheit; Political Correctness
Klassifikation00.00.00 ohne thematische Zuordnung
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/49931

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