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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Paul Fleming, Reiner Brockmann und ihre Nachwirkungen"
RessourcentypCall for Papers
TitelPaul Fleming, Reiner Brockmann und ihre Nachwirkungen
BeschreibungTagung Tallinn (Estland) 17.-19. September 2009
Paul Fleming, Reiner Brockmann und ihre Nachwirkungen
Sprach-, Literatur- und Kulturkontakt im Baltikum

Am 5. Oktober 2009 jährt sich zum vierhundertsten Mal der Geburtstag des deutschen Barockdichters Paul Fleming (1609-1640), dessen Leben und Werk eng mit dem Baltikum verbunden ist. Zwischen 1633 und 1639 nahm er als Hofjunker und Reisedichter an der Reise der holsteinischen Gesandtschaft nach Russland und Persien teil. Während einer Reiseunterbrechung lernte Fleming 1635 in Reval nicht nur die Kaufmannsfamilie Niehusen mit den drei Töchtern Elisabeth, Elsabe und Anna kennen, die von nun an in seiner
Dichtung eine Rolle spielen sollten. Dazu kamen wichtige Kontakte mit der gebildeten Gesellschaft im Umkreis des Gymnasiums. Aber auch umgekehrt hat Fleming in der Kultur Tallinns / Revals seine Spuren hinterlassen. Seinem Einfluß verdankt sich etwa das erste estnisch­sprachige Gelegenheitsgedicht Carmen Alexandrinum Esthonicum ad leges Opitij poeticas compositum. Sein Autor, Reiner Broc(k)mann (1609-1647), der wie Fleming im Jahr 2009 seinen 400. Geburtstag feiern würde, ließ sich – wie eine ganze Reihe seiner Landsleute – von Fleming anregen. Gedruckt wurde das Gedicht 1637 in der nur vier Jahre zuvor von Christoph Reusner gegründeten ältesten Druckerei Estlands. Dort erschien 1634, also vor 375 Jahren, das erste in Tallinn / Reval gedruckte Buch. Der Aufenthalt der Holsteinischen Gesandtschaft ist also ein früher, zugleich exemplarischer Fall einer transkulturellen Begegnung. Ihre Spuren finden sich nicht allein in den Gedichten Flemings und anderer Literaten, sondern vor allem in den Reisebeschreibungen von Adam Olearius (Offt begehrte Beschreibung der Newen Orientalischen Reise (1647) bzw. Vermehrte Newe Beschreibung der Muscovitischen vnd Persischen Reyse (1656)), durch die das Unternehmen berühmt geworden ist. Die Kontakte der Tallin­ner / Revaler Kultur mit den Prozessen in Deutschland zeigen sich dabei auch in dem Umstand, dass der aus Mecklenburg stammende Reiner Brockmann 1634 als Professor an das neugegründete Revaler Gymnasium (1631) berufen wurde.
Die geschilderten Jahrestage und die sich darin spiegelnden Zusammenhänge geben Anlass für eine Tagung, in der an diese wichtigen Ereignisse und die damit verbundenen kultur-, sozial- und geistes­geschichtlichen Bewegungen, Tendenzen und Horizonte erinnert werden soll. Der Titel von Broc(k)­manns erstem estnischen Gelegenheitsgedicht weist auf die Traditionslinien hin, denen wir nachgehen wollen: Einerseits sollen die Verbindungslinien der estnischen und deutschen Literatur beleuchtet werden, andererseits auch die Herkunft dieser Literaturen, die auf der älteren lateinisch-griechischen humanistischen Tradition fußen. Damit wiederum werden auch Fragen des Sprachbewusstseins und Sprachkontakts unter den spezifischen Bedingungen der Barockzeit sowie die Geschichte des Druckwesens und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Kultur im Allgemeinen verknüpft.
Die Tagung soll aber nicht bei einer historischen Momentaufnahme stehen bleiben. In den Ereignissen kann nämlich exemplarisch auch eine transkulturelle Konstellation wahrgenommen werden. Beobacht­bar werden die Leistungen einzelner Akteure und Gruppen ebenso wie die von Medien, die auch die weitere Entwicklung transkultureller Begegnungen und Grenzgänge zwischen dem Baltikum und Deutschland bestimmen. Hier lassen sich also auch aktuelle Fragen allgemeinerer Art nach den Bedingungen, Konzepten und Zielen von Sprach- und Literaturkontakt generell stellen. Durch diese Perspektivverschiebung ergeben sich zwei Schwerpunkte der Tagung, ein genuin histori­scher, der im Vordergrund stehen soll, und ein eher systematischer.
Zum historischen Teil gehören z.B. die folgenden Themenkomplexe:
Die Dichtung Paul Flemings im Kontext der deutschen und estnischen Barockliteratur,
Adam Olearius und seine Vision von Reval,
Reiner Broc(k)mann und die Verbindung der deutsch-estnischen Kulturtraditionen,
Tallinn als Kulturraum in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts,
Druckkunst im Barock, insbesondere im nord- und osteuropäischem Raum,
Formen und Funktionen des Sprach- und Kulturkontakts im Baltikum des 17. Jahrhunderts,
Entwicklungen des Sprachbewusstseins im 17. Jahrhundert im Vergleich.

Im systematischen Teil werden z.B. Themen folgender Art diskutiert:
sprachliche, literarische und mediale Dimensionen des Kulturkontakts,
Reise- und autobiographische Literatur als Kunstform und Quelle historischer Erkenntnis,
Formen, Funktionen und Typen von Gelegenheitslyrik,
Risiken und Chancen von Mehrsprachigkeit und von literarischen Konstellationen jenseits der nationalliterarischen Kanonbildungen,
Herausforderungen des Kulturkontakts in sprach- und literaturdidaktischen Perspektiven.


Die Anmeldungen und Abstracts für Vorträge (nicht länger als 300 Wörter)
sind einzusenden bis zum 30. April an : german@tlu.ee und savrat@hot.ee
(bitte auf beide Adressen!)


Die Veröffentlichung der Beiträge ist vorgesehen.
Die Tagung findet vom 17. bis 19. September 2009 in Tallinn als Zusammenarbeit der Universitäten Tallinn und Erfurt statt.

Kontakt / Rückfragen:
Lokale Organisation in Tallinn:

Prof. Dr. Mari Tarvas
Doz. Dr. Aigi Heero

Universität Tallinn
Institut für Germanische und Romanische Sprachen und Kulturen
Narva mnt 29
10120 Tallinn

Mari.Tarvas@tlu.ee
Aigi.Heero@tlu.ee

An der Universität Erfurt:

Prof. Dr. Wolf Peter Klein
Prof. Dr. Wolfgang Struck

Universität Erfurt
Philosophische Fakultät
Nordhäuser Str. 63
99089 Erfurt

wolfpeter.klein@uni-erfurt.de
wolfgang.struck@uni-erfurt.de


Anmeldungen bitten wir, an die folgenden Adressen zu richten:
savrat@hot.ee und german@tlu.ee.
Anmeldeschluss: 15.03.2009
Die Tagungsgebühr beträgt 45 EUR.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortTalinn
Bewerbungsschluss30.04.2009
Anmeldeschluss15.03.2009
Beginn17.09.2009
PersonName: Heero, Aigi [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: Aigi.Heero@tlu.ee 
LandEstland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft > 01.07.00 Germanistik im Ausland; 04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.06.00 Beziehungen einzelner Völker zur deutschen Literatur
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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