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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Am Rande des Populären. Die Schriftstellerin, Dramatikerin und Kolumnistin Sibylle Berg "
RessourcentypCall for Papers
TitelAm Rande des Populären. Die Schriftstellerin, Dramatikerin und Kolumnistin Sibylle Berg
Beschreibungcall for papers: Beiträge für einen Sammelband

Am Rande des Populären
Die Schriftstellerin, Dramatikerin und Kolumnistin Sibylle Berg (AT)

Sibylle Bergs Werke wurden vor allem im Zusammenhang mit den Debatten um die so genannte Popliteratur der 1990er Jahre einem größeren Publikum bekannt. Inzwischen gehört es zu den zentralen Erkenntnissen der literaturwissenschaftlichen Forschung, dass in der Dekonstruktion und Banalisierung hegemonialer Sinnmuster ein wesentliches Charakteristikum dieser um die Jahrtausendwende so heftig debattierten Literatur besteht. Auch Sibylle Bergs Werk schließt an dieses Paradigma an, allerdings verbleiben ihre Texte nicht auf der Ebene einer Inthronisierung von Banalität als einzig verbliebem Sinnstiftungsmuster der Gegenwart. Vielmehr, so die Beobachtung, positioniert sich Bergs Schreiben im gegenwärtigen Literaturbetrieb in mehrfacher Hinsicht „am Rande des Populären“. Diese besondere Position soll im Rahmen des Sammelbandes genauer bestimmt werden.

(a) Während viele Werke der Preisträgerliteratur der vergangenen Jahre vor allem subjektive wie kollektive Identitätsstiftungen anhand von Heimat-, Kindheits-, Generationen- und/oder Natio-nenerzählungen betreiben, besteht eine zentrale Gemeinsamkeit vieler Berg-Werke gerade in der Verunsicherung solcherart „identitärer Gewissheiten“. „Am Rande des Populären“ erscheinen somit erstens die fiktionalen Werke Sibylle Bergs. In den Auseinandersetzungen mit hegemonialen Sinnstiftungsmustern wie der romantischen Liebe (z.B. in Der Mann schläft), dem Reisen (in Die Fahrt), der Arbeit (in Hauptsache Arbeit), den Motiven Jugend und Alter (in Ende gut oder Es sagt mir nichts, das so genannte Draußen) oder Geschlecht (Vielen Dank für das Leben) betreiben die Werke eine Infragestellung bürgerlicher Sinnstiftungsmuster und arbeiten damit an einer Destabilisierung jener Gewissheiten, mit denen sich der Mensch des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts in der ihn umgebenden Sinnordnung eingerichtet hat.

(b) Die Auseinandersetzung mit Sibylle Berg regt auch zu Reflexionen über den Begriff der Popliteratur an: Dieses „Gespenst des Literaturbetriebes“ der 1990er Jahre hat sich nach einer kurzen Karriere als „Massenphänomen“ nun wieder an den Rand des populären Erzählens bewegt, ihre Apologet/innen – auf Seiten der Autor/innen ebenso wie auf Seiten der Literaturwissen-schaftler/innen – sind älter, weiser und korrekter geworden. Längst als Reflexionen des Zeitgeistes nobilitiert, gilt die Popliteratur in den zeitgenössischen Feuilletons ebenso wie in der Literaturwissenschaft inzwischen als zeitkritisch, streitsüchtig, wirkungsmächtig, mithin als subversiv, so dass – folgt man diesem Urteil – Bergs Texte schon immer Pop waren, und zwar gerade zu dem Zeitpunkt, als die Popliteratur, vor allem in den Feuilletons, noch als eine literarische Praxis der reinen Affirmation verurteilt wurde. Vor diesem Hintergrund bezieht sich der Leitbegriff „Am Rande des Populären“ also zweitens auf die Einordnung und -kategorisierung ihres Werkes durch Literaturkritik und -wissenschaft, die kritisch zu reflektieren wäre.

(c) Drittens positioniert sich Sibylle Berg auch in Hinblick auf literarische Genres und Gattun-gen sowie Trends und Moden im zeitgenössischen Literaturbetrieb „am Rande des Populären“: Während die literarische Öffentlichkeit und die Literaturwissenschaft über einen Neuen Realismus diskutieren und sich dabei zwischen Bestandsaufnahme gegenwärtiger Schreibverfahren und der Artikulation eines neuen Anspruchs an die Gegenwartsliteratur bewegen, besteht gerade in der Verunsicherung mimetischer Schreibverfahren und in der ästhetischen Dekonstruktion von Identität (zuletzt in Vielen Dank für das Leben oder in Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen) ein maßgebliches Prinzip vieler Berg-Werke, und zwar unabhängig davon, welcher Textsorte (Roman, Theaterstück, Kolumne, literarische Reportage oder Essay) die Werke angehören.

(d) Die Dekonstruktion von Identität als Werkprinzip gilt in gewisser Weise selbst auf der Autorebene; „Am Rande des Populären“ positioniert sich Berg damit viertens auch in ihrer Darstellung als Autorin. In den wöchentlichen Kolumnen auf Spiegel Online präsentiert sie sich als wortgewaltige, zynische und häufig gallebittere Moralistin, die politisch heiße Themen kommentiert und damit zum Teil heftige Reaktionen unter den Leser/innen provoziert. In ihren performativen Leseshows mit Videoinstallationen und elektronischer Musik oder auf dem Blauen Sofa der Leipziger Buchmesse begegnet dem Zuschauenden hingegen eine unnahbare und eher wortkarge Sibylle Berg, deren Autorinszenierung wiederum so gar nicht zu derjenigen passen will, die über die sozialen Medien Twitter oder Facebook ihre Leser/innen nahezu täglich mit launigen Posts unterhält.

Die geplante Anthologie legt den Schwerpunkt auf die Analyse einzelner Werke, wobei Romane und Erzählungen, Theaterstücke und publizistische Arbeiten gleichermaßen in den Blick genommen werden sollen. Es sind außerdem Beiträge erwünscht, die übergeordnete narrative Verfahren (z.B. Satire, Groteske, Ironie) an einzelnen Texten oder dem Gesamtwerk in den Blick nehmen.

Neben Literatur- und Kulturwissenschaftler/innen sind insbesondere Theaterwissenschaftler/innen und -praktiker/innen eingeladen, sich mit einem Beitrag zu beteiligen. Bitte übersenden Sie ein kurzes Abstract Ihres Beitrages (300 Zeichen inkl. Leerzeichen) per Mail bis zum 31.10.2015 an Dr. Anett Krause (anett.krause@germanistik.uni-halle.de). Über die Auswahl der Beiträger/innen wird bis 30.11.2015 entschieden. Der Einsendeschluss für die fertigen Beiträge ist der 15.03.2016.


Kontakt

Dr. phil. Anett Krause
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Germanistisches Institut
Ludwig-Wucherer-Straße 2
06108 Halle (Saale)

anett.krause@germanistik.uni-halle.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss31.10.2015
KontaktdatenName/Institution: Dr. Anett Krause, Germanistisches Institut der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg 
Strasse/Postfach: Ludwig-Wucherer-Straße 2 
Postleitzahl: 06108 Halle (Saale) 
E-Mail: anett.krause@germanistik.uni-halle.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur nach 1945; Theater (Aufführungspraxis)
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