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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Galanterie als Verhaltenskonzept in der Literatur der Frühen Neuzeit"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
TitelGalanterie als Verhaltenskonzept in der Literatur der Frühen Neuzeit
BeschreibungGalanterie als Verhaltenskonzept in der Literatur der Frühen Neuzeit

Jenseits von gegenwärtig populären Diskussionen über Fragen der 'Höflichkeit' und guter 'Manieren' ist das ambivalente Konzept der Galanterie überaus interessant für literaturwissenschaftliche Forschungen auf dem Gebiet des Kulturtransfers: Unter dem Einfluss italienischer und spanischer Vorbilder entwickelt es sich in Frankreich im 17. Jahrhundert als Ideal der gesellschaftlichen Elite, das im Medium der Künste (Literatur, bildender Kunst, Tanz und Musik) vermittelt wird. Im Zuge der Ausrichtung an französischer (vornehmlich höfischer) Kultur wird es auch in Deutschland um 1700 zu einem Leitwert der Verhaltensliteratur, zumal solcher, die sich an die Führungsschichten in absolutistischen Staaten wendet. Darüber hinaus erscheint Galanterie im deutschsprachigen Bereich als ein zentrales Motiv - vor allem bezogen auf den Umgang zwischen den Geschlechtern - in einer Spielart des frühen neuzeitlichen Romans, der in der Literaturgeschichtsschreibung als ein bloßes 'Übergangsphänomen' zwischen Barock und Aufklärung angesehen und weitgehend vernachlässigt worden ist. Daraus ergibt sich eine doppelte Zielsetzung für die Göttinger Tagung: Im Austausch von Fachwissenschaftlern aus Germanistik, Romanistik, Komparatistik, Geschichtswissenschaft und Kunstgeschichte aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz gilt es zum einen, in einer diachronen Perspektive Galanterie als Verhaltensideal zu bestimmen und dabei nach 'nationalen' Besonderheiten zu fragen. Dabei wird das Verhältnis von 'Galanterie' und 'Höflichkeit' ebenso wichtig sein wie die Affinität von 'galantem' und 'politischem' Verhalten. Bedeutsam erscheinen in diesem Zusammenhang auch die Forderungen nach Affektmodellierung und Affektinszenierung in einem geselligen Kontext, zumal im Umgang zwischen den Geschlechtern. Der zweite Schwerpunkt der Tagung ist dagegen synchron zu sehen: Der deutschsprachige galante Roman wird in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, und es ist zu untersuchen, inwiefern diese Gattung, die sich um 1700 großer Popularität erfreut hat, der spielerisch-unterhaltsamen Vermittlung und/oder der kritischen Reflexion galanten Verhaltens dient. Die Frage nach dem Stellenwert und der rezeptionssteuernden Funktion von Erotik in dieser Art von Erzählprosa wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Die Tagung versucht, Erkenntnisse zusammenzuführen, die auf diesem Gebiet in Frankreich und Deutschland in jüngster Zeit erarbeitet worden sind.


PROGRAMM:

Leitung: Prof. Dr. Ruth Florack, Dr. Rüdiger Singer
Zeit: 25.-27.09.2008
Veranstaltungsort: Göttingen, SUB / Forschungsbibliothek, Papendiek 14


Donnerstag, den 25. 9. 2008

14.00
RUTH FLORACK / RÜDIGER SINGER (Göttingen):
Begrüßung, Einführung in das Tagungsthema, Leitfragen

14.45
ALAIN MONTANDON (Clermont-Ferrand):
De la galanterie en France: analyse d'un modèle comportemental

15.45
BERNHARD JAHN (Magdeburg):
Galante Konzepte im Musiktheater um 1700

Kaffeepause


17.00
MARIE-THERESE MOUREY (Paris):
Tanzen als Schule galanten Gebarens

18.00
ANDREAS W. VETTER (Braunschweig):
Antoine Watteau - Maler galanter Feste?


Freitag, den 26. 9. 2008

9.00
HARTMUT BLEUMER (Göttingen):
Zwischen Fiktionalität und Ritual: Eine Spurensuche nach dem Galanten im höfischen Diskurs des deutschsprachigen Mittelalters

10.00
CAROLINE EMMELIUS (Göttingen):
Liebe und Geselligkeit. Die Kommunikation der Geschlechter in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Erzähltexten

Kaffeepause

11.15
FRANZISKA MEIER (Göttingen):
Vom Ideal des 'cortegiano' zum Verhaltensmodell der Galanterie

12.15
MANFRED HINZ (Passau):
Ausschlussmechanismen bei Castiglione, Della Casa und Gracián

Mittagspause

14.45
JÖRN STEIGERWALD (Bochum/Köln):
Affekt-Erzählungen: Die galanten Novellen Scudérys und Villedieus

15.45
ANKE DETKEN (Göttingen):
Novellistik im "Mercure galant"

Kaffeepause

17.00
JOHANNES SÜßMANN (Frankfurt):
Wie wurde der deutsche Adel galant? (Wenn er es wurde.) Wege des Galanterietransfers in der Adelserziehung des frühen 18. Jahrhunderts

18.00
DIRK NIEFANGER (Erlangen):
'Galante' Romanpoetik um 1700: Thomasius, Hunold, Neumeister

19.00
FLORIAN GELZER (Bern):
Einige Thesen zum galanten Roman


Samstag, den 27. 9. 2008

9.00
DIRK ROSE (Magdeburg):
Galanterie als Text. Systematische Überlegungen zu Funktion und Status galanter Textproduktion

10.00
ISABELLE STAUFFER (Marburg):
Spuren französischer Frauenkultur oder Dominanz des männlichen Blicks? Deutsche galante Literatur aus genderkritischer Perspektive

Kaffeepause

11.15
FOTIS JANNIDIS (Darmstadt):
"Von dem übrigen ist nichts zu gedenken" - An der Grenze des Erlaubten in Schnabels Roman "Der im Irr-Garten der Liebe herum taumelnde Cavalier"

12.15
THOMAS BORGSTEDT (München):
Galanterie und Anakreontik: Lyrische Optionen im 18. Jahrhundert

13.15 Kaffeepause

13.30 Abschlussdiskussion

14.00 Ende der Tagung


Der Eintritt ist kostenlos, interessierte Besucher sind herzlich willkommen.

Fragen zur Tagung bitte an:
rsinger@gwdg.de



Dr. Rüdiger Singer
Seminar für Deutsche Philologie
Käte-Hamburger-Weg 3
37073 Göttingen
Tel. 0551-39-7514

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGöttingen
Beginn25.09.2008
Ende27.09.2008
PersonName: Singer, Rüdiger [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: rsinger@gwdg.de 
KontaktdatenName/Institution: Seminar für Deutsche Philologie der Universität Göttingen 
Strasse/Postfach: Käte-Hamburger-Weg 3 
Postleitzahl: 37073  
Stadt: Göttingen 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1580 - 1700; Literatur 1700 - 1770; Literatur- u. Kulturgeschichte
Klassifikation10.00.00 16. Jahrhundert > 10.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
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