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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Workshop: Medialität im Minne- und Aventiureroman"
RessourcentypVerschiedenes (Workshops, Sommerschulen u.a.)
TitelWorkshop: Medialität im Minne- und Aventiureroman
BeschreibungDer Umgang mit und der Einsatz von Medien ist eine anthropologisch-universelle Praxis. Sie gewährt Menschen vielfältige Möglichkeiten, die Informationen, die sie umgeben, zu verwalten, zu fixieren und weiterzugeben. Aufgrund der Relevanz dieser Vorgänge und ihrer sich wandelnden Bedingungen bedarf es stets der Auseinandersetzung mit ihren Möglichkeiten und Grenzen. Die mit medialen Formen und Medialität verbundenen Fragen besitzen daher dauerhaft Aktualität, das Themenfeld unerschöpfliche, stets von medialen Veränderungen befeuerte Anziehungskraft für diverse wissenschaftliche Disziplinen.
In den letzten Dekaden erhält der mediale Diskurs angesichts der rasanten technologischen Entwicklungen und der deutlich spürbaren Auswirkungen dieser auf die Kommunikations-, Informations-, und Memorialkultur wieder vermehrt Aufmerksamkeit. Kommunikation in Ton und Bild ist rund um die Welt verzögerungsfrei möglich, in Social Networks kann jeder seine eigene Biographie bunt und individuell gestalten, sie auf entsprechenden mobilen Geräten stets bei sich tragen, aufrufen und mit anderen teilen. Auch in der germanistischen Mediävistik ist die Auseinandersetzung mit medialen Phänomenen bereits seit Jahren präsent, da mediale Formen innerhalb von Texten sowie auch die ihnen eigene Medialität und der Umgang der Texte mit dieser interessante Beobachtungsaspekte darstellen. Die Möglichkeiten des medientheoretisch geleiteten Blicks sind hier jedoch noch nicht ausgeschöpft. Forschungsbedarf besteht vor allem nach wie vor in der theoretischen Auseinandersetzung mit neueren Ansätzen der Medientheorie und Mediologie, ebenso wie in der Nutzung dieser in konkreter Textarbeit und im Anschluss an aktuelle Debatten benachbarter Disziplinen.
Eine Textgruppe, die (auch) im Hinblick auf Medialität noch unausgeschöpftes Potential birgt, ist die der Minne - und Aventiureromane. Lange abgewertet, wissenschaftlich vernachlässigt und bis heute in ihrer Bezeichnung und gattungshaften Zusammengehörigkeit umstritten, rücken die unter dieses Label fallenden Texte in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus mediävistischen Interesses. Das liegt nicht allein an dem bestehenden Aufarbeitungsbedarf, sondern auch daran, dass sie aufgrund des meist üppig ausfallendem Umfangs, ihrer Hybridität und Intertextualität, sowie ihrer stofflichen wie erzählerischen Vielfalt ganz unterschiedliche Untersuchungen und Fragestellungen anregen können.
Im Rahmen des Workshops „Medialität im Minne- und Aventiureroman“ an der Universität Hamburg sollen die skizzierten Forschungsfelder gewinnbringend zusammengeführt werden. Ausgangspunkt dafür ist die auffällige Präsenz medialer Prozesse und medientheoretischer Reflexivität bei Vertretern dieser Textgruppe. Zum einen evoziert die räumliche und zeitliche Ausdehnung der Handlung die Darstellung medialer Strategien, die zum erfolgreichen Ablauf handlungslogisch relevanter Kommunikations- und Memorialisierungsprozesse auf individueller wie kollektiver Ebene nötig sind; zum anderen sind Vorgänge zu beobachten, in denen mediale Vorgänge imaginiert werden, die die herkömmlichen Grenzen des Vermittelbaren berühren und die Konzepte des Medialen erweitern. Darüber hinaus entfalten die Texte meist einen umfassenden Erzählraum, der eine geschickte Anordnung und Verknüpfung der Ereignisse verlangt und dabei markante Erzählvorgänge mit zum Teil stark präsenten Erzählerfiguren hervorruft, in deren Rückgriff auf mediale Techniken die Texte die eigene Medialität implizit thematisieren oder explizit ausstellen und kommentieren. Die jeweilige Ausgestaltung einzelner medialer Prozesse, die Positionierung zu Fragen medialer Diskurse und die dabei in diese Diskurse integrierten Aspekte lassen sich daher ebenso gut untersuchen wie erzählerische Darstellung und Reflexion von Medialität und des eigenen medialen Wirkens. Diese hier angerissenen Überlegungen sollen einerseits unter Erprobung herkömmlicher und neuer medientheoretisch geleiteten Herangehensweisen bislang unbeachtete Aspekte einzelner Werke freilegen, andererseits soll über die Summe der Betrachtungen auch die Frage aufgeworfen werden, ob der Minne- und Aventiureroman eine eigene Darstellungs- und Funktionsweise von Medialität entwickelt und ob – daran anschließend – der Blick auf mediale Prozesse und die Medialität der Texte auch einen Beitrag zu der Konturierung und Einschätzung dieser Textgruppe leisten kann. Nicht zuletzt ist es schließlich die besondere Materialität und Medialität der Überlieferung dieser Textgattung, der die Aufmerksamkeit des Workshops gelten kann und soll.

Im Rahmen des geplanten Workshops sollen in einer Diskussion in gemeinsamer Lektüre Passagen aus den Minne- und Aventiureromanen „Appollonius von Tyrland“ und „Reinfried von Braunschweig“ im Hinblick auf die Inszenierung ihrer Medialität diskutiert werden.

Freitag, 02. Oktober 2015:
13:00‐14:00 Uhr – Martin Baisch/Britta Wittchow (Hamburg): Begrüßung|Einführung

14:00-‐14:30 Uhr – Textlektüre Reinfried von Braunschweig
Hilfsgesuch Yrkanes (V. 7196-­‐7671)
Träume und Marienerscheinungen (V. 12970-­13713)

14:30-‐15:15 Uhr – Maximilian Benz (Zürich): Medialität des Wissens und Medien der Übertragung im Reinfried von Braunschweig

Kaffeepause

15:30‐16:15 Uhr – Sandra Linden (Tübingen): Return to sender? Ein Bote auf der Suche nach dem Protagonisten im Reinfried von Braunschweig

16:15‐17:00 Uhr – Julia Weitbrecht (Kiel): Orte und Medien des Heils. Die Kreuzzugsthematik im Reinfried von Braunschweid und Wilhelm von Wenden

Kaffeepause

17:15‐18:00 Uhr: Britta Wittchow (Hamburg): Fragen zur Funktion ausgestellter Medialität im Minne- und Aventiureroman

Samstag, 03. Oktober 2015:
09:00‐09:45 Uhr – Björn Reich (Berlin): Maximilian und die Leerstelle. Zur Konzeption der Lücke im Theuerdank

09:45‐10:30 Uhr – Christine Putzo (Lausanne/Neuchâtel): Erzählen vermitteln. Mediale Strategien der Handlungsgestaltung und Sinnerzeugung im Minne- und Aventiureroman

Kaffeepause

11:00‐11:30 Uhr – Textlektüre Apollonius von Tyrland
Spiegelsäule (V. 11990‐12017, V. 12064‐12075, V. 12640-­‐12644, V. 12683‐12690, V. 12871‐12896, V. 13520‐13576, V. 14298‐14320, V. 14504‐14519)
Werbung um Lucina (V. 1980‐2107)

11:30‐12:15 Uhr – Denise Grduszak (Potsdam): Mediale Strategien in den Bildzeugnissen des Apollonius von Tyrland

12:15-­13:00 Uhr – Hanna Wimmer (Hamburg): Inszenierungen von Mündlichkeit und Schriftlichkeit in den Illustrationen zum Apollonius von Tyrland

13:00 Uhr – Resümee


ORT: Universität Hamburg Philosophenturm Raum 1331, Von-Melle-Park 6 20146 Hamburg

URL: https://www.slm.uni-hamburg.de/germanistik/ueber-das-institut/aktuelles/medialitaet-minne-und-aventiureroman.html
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttps://www.slm.uni-hamburg.de/germanistik/ueber-das-institut/aktuelle...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortHamburg
Beginn02.10.2015
Ende03.10.2015
PersonName: Baisch, Martin [Prof. Dr.] 
Funktion: Konzept/Ansprechpartner 
E-Mail: martin.baisch@uni-hamburg.de 
Name: Wittchow, Britta [M.A] 
Funktion: Konzept/Ansprechpartner 
E-Mail: britta.wittchow@uni-hamburg.de 
KontaktdatenStrasse/Postfach: Institut für Germanistik der Universität Hamburg 
Postleitzahl: 20146 
Stadt: Hamburg 
Telefon: +49 40 42838-4824 / -4779 
Fax: +49 40 42838-3553 
E-Mail: germanistik@uni-hamburg.de 
Internetadresse: https://www.slm.uni-hamburg.de/germanistik.html 
LandDeutschland
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