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Ergebnisanzeige "Nachwuchstagung: Wo die Epigonen wohnen. Epigonalität in Wissenschaftsgeschichte, Theorie und Praxis"
RessourcentypCall for Papers
TitelNachwuchstagung: Wo die Epigonen wohnen. Epigonalität in Wissenschaftsgeschichte, Theorie und Praxis
BeschreibungWo die Epigonen wohnen
Epigonalität in Wissenschaftsgeschichte, Theorie und Praxis

Nachwuchstagung an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
04. bis 06. Februar 2016

Die jahrzehntealte Dominanz des ‚klassischen‘ Kanons in der mediävistischen Lehre ist im Verfall begriffen. In den Fokus rücken nach und nach Texte, denen noch bis vor kurzem aufgrund der – sich unhinterfragt ästhetischen Werturteilen des 19. Jahrhunderts anschließenden – Zuschreibung ‚epigonal‘ kein Platz im Lehrangebot eingeräumt wurde. Versteht sich dieser Trend bloß als Gegenbewegung zur traditionellen Textauswahl, birgt er die Gefahr einer Anti-Kanonbildung, die ihren Untersuchungsgegenstand ebenso unreflektiert in Negation des Gegebenen überhöht. Mit seiner kürzlich geäußerten Forderung, dass „[e]ine künftige Germanistik […] Mut zum ästhetischen Urteil haben“ müsse, schlägt Jan-Dirk Müller einen zwischen Festhalten am traditionellen Lehrkanon und neopositivistischer Willkür oszillierenden Mittelweg vor. Doch würde nicht auch die Revision ästhetischer Urteile des 19. Jahrhunderts unter modernen Prämissen erneut zu einer Kanonbildung führen, welche bereits im Moment ihrer Etablierung ihre eigenen Implikationen invisibilisierte?


Um diese Entwicklung angemessen beurteilen zu können, ist es geboten, zunächst die Entstehung des ‚klassischen‘ mittelhochdeutschen Kanons in der vorwissenschaftlichen Phase einer weitestgehend der Genieästhetik des späten 18. Jahrhunderts verpflichteten Germanistik zu rekonstruieren, und dabei ihre literaturhistorischen, geschichtsphilosophischen, politischen und gesellschaftlichen Implikationen aufzudecken. Exemplarisch ließe sich die Auffassung einer kontinuierlich wirksamen Rezeption der ‚Klassiker‘ anführen, die sich im Gegensatz zu derjenigen ‚epigonaler‘ Dichtung nicht mit den zeitgenössischen Rezeptions- und Distributionszeugnissen (Handschriften und Drucke sowie deren Ausgestaltung, Fresken, Wandteppiche, Inventare, Buchhändleranzeigen etc.) deckt. Diese kritische Neuausrichtung, die auf der Loslösung des Ausdrucks ‚epigonal‘ von seinen pejorativen Konnotationen basiert, zielt folglich darauf, die Texte von bestehenden, anachronistischen Werturteilen zu befreien und auf diese Weise Raum für deren je individuell implizit wie explizit verhandelte Eigenpositionierung in Bezug auf das Adaptieren einer gegebenen materia (dilatatio / erniuwen) zu schaffen.


Vor diesem Hintergrund möchte sich unsere Nachwuchstagung dem Phänomen der Epigonalität anhand der folgenden Frageansätze nähern:

Wie verhält sich das evolutionsgeschichtliche, auf der Vorstellung von Blütezeit und Verfall basierende Literaturmodell zum Kanongedanken? Sind ästhetische Werturteile erforderlich, um die Relevanz mediävistischer Untersuchungsgegenstände zu ermessen?

Inwiefern muss das Konzept der Epigonalität, ausgehend von der Prämisse, dass jedes Erzählen immer auch als Wiedererzählen begriffen werden kann, erweitert werden? Wie sollten Textgruppen gefasst werden, die notwendig epigonalen Charakters sind (etwa Antikenromane)? Lassen sich gattungsspezifische Ausprägungen des Epigonalen feststellen?

Wie sind mögliche mittelalterliche Kanonbildungen, etwa in Form werkinhärenter Literaturkataloge oder Rezeptionszeugnisse, zu denken? Verfügt das Mittelalter über einen eigenen Epigonalitätsdiskurs? Wie positioniert sich der heute unter dem Label ‚Epigone‘ geführte Dichter selbst zu seinen Vorlagen und Vorgängern?

Lassen sich moderne Produktions- und Analyseverfahren für die Neufassung des Konzepts mittelalterlicher Epigonalität fruchtbar machen? Inwiefern könnte die – möglicherweise genuin germanistisch-mediävistische – Auffassung von Epigonalität im Vergleich zu Begriffen benachbarter Disziplinen (etwa dem Sujet-Begriff der Kunstgeschichte) modifiziert werden? Wie verhält sich das Konzept der Epigonalität im medialen Wandel?

Wie verselbstständigt sich das Labeling ‚Epigone‘ im mediävistischen Lehrbetrieb? Wie könnte eine mediävistische Lehre aussehen, die zum einen die Kanonbildung wissenschaftshistorisch reflektiert und zum anderen ‚periphere‘ Texte/Autoren berücksichtigt?

Die Ausschreibung richtet sich an NachwuchswissenschaftlerInnen. Die Vorträge sollen für eine Dauer von 30 Minuten konzipiert sein. Wir bitten um Abstracts (max. 500 Wörter) mit einer kurzen bio-bibliographischen Notiz bis zum 25. August 2015 an: cfp@wodieepigonenwohnen.de

Organisation/Kontakt:

Anna Chalupa-Albrecht, Jan Habermehl, Marie Vorländer, Maximilian Wick

Goethe-Universität Frankfurt am Main
Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik
Ältere deutsche Literaturwissenschaft

Norbert-Wollheim-Platz 1
IG-Farben-Haus Fach 17
60629 Frankfurt am Main
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortFrankfurt am Main
Bewerbungsschluss25.08.2015
Beginn04.02.2016
Ende06.02.2016
PersonName: Chalupa-Albrecht, Anna 
Funktion: Organisation 
E-Mail: anna@chalupa-albrecht.de 
Name: Habermehl, Jan 
Funktion: Organisation 
E-Mail: jhabermehl@posteo.de 
Name: Vorländer, Marie 
Funktion: Organisation 
E-Mail: mvorlaender@goethehaus-frankfurt.de 
Name: Wick, Maximilian 
Funktion: Organisation 
E-Mail: MaximilianWick@gmx.de 
KontaktdatenName/Institution: Goethe-Universität Frankfurt am Main / Institut für deutsche Literatur und ihre Didaktik 
Strasse/Postfach: Norbert-Wollheim-Platz 1 / IG-Farben-Haus Fach 17  
Postleitzahl: 60629  
Stadt: Frankfurt am Main 
Telefon: 069 79832684 
Internetadresse: https://www.uni-frankfurt.de/41138034/aedl 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeErzähltheorie; Geschichte der Germanistik; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literarische Wertung/Literaturkritik; Literatur 1150 - 1300; Literatur 1300 - 1500; Literatur 1500 - 1580; Literatur 1580 - 1700; Literatur- u. Kulturgeschichte; Motiv- u. Stoffgeschichte
Klassifikation01.00.00 Allgemeine deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft; 05.00.00 Deutsche Literaturgeschichte; 06.00.00 Mittelalter; 07.00.00 Frühes Mittelalter (Von den Anfängen bis 1170); 08.00.00 Hochmittelalter; 09.00.00 Spätmittelalter und Übergangszeit (14. und 15. Jahrhundert)
Ediert von  H-Germanistik
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