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Ergebnisanzeige "KORREKTUR: 25. Germanistentag 2016 - Sektion Germanistentag Bayreuth 2016: Panel: Sich selbst erzählen. Autobiographie – Autofiktion – Autorschaft"
RessourcentypCall for Papers
TitelKORREKTUR: 25. Germanistentag 2016 - Sektion Germanistentag Bayreuth 2016: Panel: Sich selbst erzählen. Autobiographie – Autofiktion – Autorschaft
BeschreibungSektion Germanistentag Bayreuth 2016

Sich selbst erzählen. Autobiographie – Autofiktion – Autorschaft

Sonja Arnold (Wuppertal)
Stephanie Catani (Bamberg)
Anita Gröger (Genua)
Christoph Jürgensen (Wuppertal)
Klaus Schenk (Dortmund)
Martina Wagner-Egelhaaf (Münster)



Das autobiographische Erzählen stellt einen Grenzfall des Erzählens dar, dessen Virulenz sich sowohl in einer anhaltenden Theoriedebatte als auch in immer neuen literarischen Formen und Experimenten niederschlägt. Um der theoretischen, methodischen und künstlerischen Vielfalt der Selbsterzählung gerecht werden zu können, richtet der Germanistentag eine sich über drei Tage erstreckende Sektion zum Thema ein, deren Panels jedoch miteinander verbunden sind. Didaktische Beiträge sind willkommen.


Montag, 26. September 2016
14 – 14.30 Uhr

Einführung in die Gesamtsektion (Arnold, Catani, Gröger, Jürgensen, Schenk, Wagner-Egelhaaf)


14.30 – 16 Uhr
Panel I (Leitung M. Wagner-Egelhaaf)

Narratologie der Selbsterzählung
„Die meisten Menschen sind im Grundverhältnis zu sich selbst Erzähler“, schreibt Robert Musil im Mann ohne Eigenschaften . Menschen erzählen permanent (von) sich selbst; die Adressaten dieser Erzählungen sind andere Menschen – aber auch, wie das Diktum von Robert Musil zu verstehen gibt, sie selbst. Literarisch hat dieser Grundgestus des homo narrans zur Ausprägung des Genres der Autobiographie geführt, die seit jeher einen Grenzfall des Erzählens darstellt. Die Literaturwissenschaft hat die Autobiographie als ein hybrides Genre zwischen Faktualität und Fiktionalität diskutiert, das auch die ‚Toterklärung‘ des Subjekts im Zuge des Poststrukturalismus überlebt hat. Mehr denn je werden neue und experimentelle Formen erprobt, die unter dem Stichwort der ‚Autofiktion‘ auch die ‚Grenze‘ zwischen ‚Fakt‘ und ‚Fiktion‘, ‚Literatur‘ und ‚Leben‘ infrage stellen. Eine Herausforderung für die Erzähltheorie bildet die Tatsache, dass im Zeichen der ‚Autofiktion‘ reale Personen fiktional werden und fiktionale Konstellationen Wirklichkeitsmacht erlangen. Nach den Debatten über die Fiktionalität des autobiographischen Ichs ist es nun an der Zeit, die Narratologie der Autobiographie sowie der Autofiktion wieder stärker in den Blick zu nehmen. Nicht zufällig wird in Frankreich derzeit verstärkt die Kategorie der ‚Autonarration‘ diskutiert. Das vorgeschlagene Panel möchte die neuen Debatten um ein altes Genre aufgreifen und ihre theoretische, aber auch ihre literarische Produktivität diskutieren. Dabei treten vor allem die Kategorien von Raum und Zeit sowie die Frage nach der Erzählinstanz ins Zentrum der Aufmerksamkeit. In besonderer Weise fokussiert werden die vermeintliche ‚Grenze‘ von ‚Leben‘ und ‚Text‘ und die Realitätseffekte literarischer Selbstentwürfe. Im Sinne der postklassischen Narrativität sollen auch die nichtliterarische Selbsterzählung, beispielsweise in sozialen Netzwerken, und die genreübergreifende Funktion der Lebensgeschichte als kulturelles ‚Narrativ’thematisiert werden. Gleichermaßen gilt es zu diskutieren, ob und inwiefern Ansätze der Cognitive Narratology, etwa über die Kategorie des ‚embodiment‘, geeignet sind, die Insistenz selbstbiographischen Erzählens besser zu verstehen und damit die Autobiographietheorie weiterzuführen. Erbeten werden Vorschläge für Vorträge (20min.), aber auch für theoretische und literarische Texte, die (ggfs. in Auszügen) in gemeinsamen Workshop-Phasen erarbeitet werden sollen.

16.30 – 17.00 Uhr
Fortsetzung Panel I


17.00 – 19.00 Uhr
Panel II (Leitung: S. Arnold, A. Gröger)

Figurenentwürfe – Selbstentwürfe
Biographische und autobiographische Erzählerfiguren, die ihre eigene Zuverlässigkeit infrage stellen und sich mit den Möglichkeiten und Grenzen des Erzählens von individueller Geschichte befassen – dabei handelt es sich um Strategien fiktionaler Texte, die sich in selbstreflexiver Weise mit (Auto)Biographie und deren narrativer Dimension auseinandersetzen. Hierbei treten Phänomene zutage, die immer wieder auf den Fiktions- und Konstruktionscharakter, d.h. die 'Gemachtheit', narrativer Figuren- und Selbstentwürfe verweisen und die in einem ersten Schritt mit dem Begriff der Metaisierung gefasst werden können. Im Rahmen von maximal 6 Vorträgen vertieft das Panel zum einen die theoretische Situierung des Begriffs, und stellt zum anderen textnah spezifische Schreibstrategien seiner Subgattungen – insbesondere fiktionaler Autobiographien und Biographien sowie autofiktionaler Texte – ins Zentrum. Ein abschließender Vortrag oder Workshop gibt einen Ausblick auf die Möglichkeiten der didaktischen Vermittlung der genannten Metagenres.


Dienstag, 27. September 2016
14 – 16 Uhr
Panel III (Leitung: Klaus Schenk)

Dimensionen des Ich-Erzählens in der interkulturellen Gegenwartsliteratur
Formen des Ich-Erzählens haben in der Erzähltheorie eine breite Diskussion entfacht. Unterschiedliche Versuche der Bestimmung wurden dabei unternommen, besonders im Hinblick auf die Ebenen fiktiven Erzählens. Ausgehend von der narratologischen Forschung sollen im Panel Formen des Ich-Erzählens in der interkulturellen Literatur untersucht werden. Deutschsprachige Autoren der interkulturellen Gegenwartsliteratur wissen ihre Erzählweisen auch formal innovativ zu gestalten. Besonders die autobiographische bzw. autofiktionale Dimension interkulturellen Erzählens wirft dabei Fragen nach der Instanz des Ich-Erzählers wie auch der/den erzählten Figur/en im Erzählen auf. Verunsichert wird eine Aussagerelation, die den autobiographischen Pakt allererst begründen könnte. Im Hinblick auf die Problematik literarischer Inter-/Transkulturalität soll daher nach der Spezifik dieser autofiktionalen Erzählweisen gefragt werden. Im Vordergrund stehen dabei die zwischensprachlich-kulturelle Problematik, das skriptural-mediale Feld sowie die imaginäre Zwischenlage der Texte. Aber nicht nur die autofiktionale Dimension entwirft neue Perspektiven auf das interkulturelle Erzählen, vielmehr setzen sich Verunsicherungen des Erzählens ebenso in der Struktur des Ausgesagten um. So folgt z.B. die Annahme eines ‚unzuverlässigen Erzählens’ einer monokulturellen Perspektive, seine Umbesetzung aber zur pluralisierten Narration, die verschiedene sprachlich-kulturelle Rollen und Kodes annehmen kann, bietet eine interkulturelle Variante. Vor allem pikareske Ich-Erzählweisen sind hier anzuführen, wie sie in der interkulturellen Literatur immer wieder anzutreffen sind. Zwischenkulturelle Verunsicherungen in der Relation von Aussagestruktur und Ausgesagtem können als eine Erweiterung des Erzählens verstanden werden. Dies betrifft zunächst Theorieansätze, wie sie sich im Spannungsfeld zwischen Kulturalität und Transkulturalität herausgebildet haben; zum anderen aber auch die Theoriebildung zur Transformation von narrativen Techniken, Instanzen und Verfahren. Im Panel sind Beiträge zum Grenzbereich zwischen der autobiographischen bzw. der autofiktionalen Dimension und anderen ambivalenten Relationen des Ich-Erzählens in der interkulturellen Gegenwartsliteratur willkommen.


Mittwoch, 28. September 2016
10.30 – 12.30 Uhr
Panel IV (Leitung: S. Catani, Chr. Jürgensen)

Autorschaft erzählen. Gegenwartsliterarische Verfahren der Auto(r)fiktion
Der längst topischen Rückkehr des einst voreilig für tot erklärten Autors in die literaturwissenschaftliche Diskussion korrespondiert eine Rückkehr auch in die Erzählliteratur: Der scripteur, so konnte Albert Meier schon zu Beginn des neuen Jahrtausends feststellen, „darf […] als Autor wieder ‚ich‘ sagen (und das auch buchstäblich so meinen).“ Ein solches autorschaftliches ‚Ich’ artikulierte sich seither in einer Vielzahl von Texten quer durch die Gattungen, wobei ihnen grundsätzlich gemeinsam ist, dass sie in je unterschiedlicher Gewichtung einen autobiografischen Pakt und einen Fiktionspakt mit dem Leser kombinieren. Um nur einige Beispiel für diese Kombination anzuführen: Auto(r)fiktionen zeigen sich in so genannten Erinnerungstexten, die, wie Uwe Timms Am Beispiel meines Bruders (2003) oder W. G. Sebald Erzählband Die Ausgewanderten (1992) oder Austerlitz (2001), durch explizit markierte autobiografische Bezüge die Grenze zwischen Erzählinstanz und Autorfigur unterlaufen. Literarische Spiegelungen außerliterarischer Weltereignisse reagieren, wie Ulrich Peltzers Erzählung Bryant Park (2002), auf die Drastik realer Katastrophen mit dem jähen ‚Einbruch‘ der Autorfigur in die Fiktion. In Romanen wie Thomas Glavinic‘ Das bin doch ich (2007) oder Felicitas Hoppes Hoppe (2012) wiederum deutet sich die intrikate Präsenz des Autors in seinem literarischen Text bereits im Titel an, und ‚naturgemäß’ bieten auch Hybridgattungen wie das Tagebuch günstige Explorationsfelder für Autorinszenierungen, so etwa das (traditionell publizierte) Tagebuch von Helmut Krausser oder das (digital präsentierte) von Alban Nikolai Herbst. All diese und viele weitere Texten verbindet, dass das Ich des jeweiligen Autors gleichsam auf dem Spiel steht, mit Andreas Maiers Poetik-Vorlesungen, die bezeichnenderweise Ich betitelt sind, programmatisch formuliert: „In den Büchern suchte ich immer ein Ich, und jetzt bin ich ein Buch geworden. Ein Buch auf dem ich steht.“ Oder narratologisch gesagt: Gemeinsam ist all diesen Texten ein hohes Maß an Selbstbezüglichkeit, das eine konsequente metareferenzielle Bezugnahme unterschiedlicher Erzählebenen und -perspektiven aufeinander verantwortet. Das Panel untersucht folglich Texte der Gegenwartsliteratur, die über ihre erzählenden Instanzen die Autorfigur und den Akt des Schreibens gleichermaßen reflektieren – histoire und discours treten hier in ein reziprokes Spannungsverhältnis. Eingeladen zur Mitarbeit an dem Panel sind sowohl theoretische Positionierungen wie konkrete Textinterpretationen, die das Erzählen von Autorschaft in der Gegenwartsliteratur insgesamt in seiner formalen und funktionalen Vielfalt sichtbar machen und neue Perspektiven im Kontext von Autorbegriff- und -diskussion vorschlagen. Da von einer Verlesung einzelner Vorträge im Rahmen des Panels zugunsten gemeinsamer Diskussionen und eines konstruktiven Austausches abgesehen wird, werden nach der Entscheidung über die Zusammensetzung des Panels alle Beteiligten aufgefordert, ihre druckfertigen Beiträge bis zum 15.6.2016 einzureichen. Anfang Juli werden diese Beiträge an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer verschickt, auf dem Germanistenkongress kurz vorgestellt und gemeinsam intensiv diskutiert.


14 – 16 Uhr
Gemeinsames Abschlusspanel

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://www.uni-muenster.de/Germanistik/Lehrende/wagner-egelhaaf_m/inde...
Verknüpfte Ressourcehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBayreuth
Bewerbungsschluss15.08.2015
Anmeldeschluss15.08.2015
Beginn25.09.2016
Ende28.09.2016
PersonName: Martina Wagner-Egelhaaf 
Funktion: Professorin 
E-Mail: egelhaa@uni-muenster.de 
KontaktdatenName/Institution: Westfälische Wilhelms-Universität, Germanistisches Institut, Abt. Neuere deutsche Literatur 
Strasse/Postfach: Schlossplatz 34 
Postleitzahl: 48143 
Stadt: Münster 
Telefon: +251-8324431 
Fax: +251-8325424 
E-Mail: egelhaa@uni-muenster.de 
Internetadresse: http://www.uni-muenster.de/Germanistik/Lehrende/wagner-egelhaaf_m/index.shtml 
Name/Institution: 25. Deutscher Germanistentag 
Stadt: Bayreuth 
Internetadresse: http://www.germanistentag2016.de/ 
LandDeutschland
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft)
Zusätzliches SuchwortNarratologie
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/48232

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