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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Didaktik des Animalen"
RessourcentypCall for Papers
TitelDidaktik des Animalen
BeschreibungDidaktik des Animalen
Tierethische Ansätze als Potenziale eines produktiven und wertgestützten Deutschunterrichts

Mit dem Aufkommen der Animal Studies gerät das Tier als kulturelle Konstruktion in den Fokus der Literaturwissenschaft. Zum einen werden darin traditionelle Symbolsysteme, zum anderen produktive und neuartige Alteritätserfahrungen signifiziert, welche sich – in Abhängigkeit vom jeweiligen epochalen Rahmen – in unterschiedlichen Mentalitäts- und Gesellschaftszustände spiegeln. Beispielgebend lässt sich von E.T.A. Hoffmanns „Lebens-Ansichten des Katers Murr“, über Franz Kafkas „Verwandlung“ bis hin zu Sibylle Lewitscharoffs „Blumenberg“ eine vielschichtige Genese der Moderne aus dem tierbezogenen Blickwinkel nachvollziehen. Im animalen Gegenbild äußern sich evolutionäre Fremdheitserfahrungen wie Heilsvisionen gleichermaßen.
Obgleich sich in der zunehmenden Aufmerksamkeit der Literaturwissenschaft für das Tier-Topos der Cultural turn bemerkbar macht, scheint jedoch die dezidierte Einbeziehung der philosophischen Teildisziplin der Tierethik bislang eher marginal zu sein. Mit der Aufdeckung semiotischer Schichten gehen neben ästhetischen und kulturgeschichtlichen Markierungen auch moralische Implikationen einher. Die zumeist anthropozentrischen Zugriffe literarischer Artefakte auf den Wesensbereich der Fauna erzwingen zugleich eine Verhältnisbeschreibung zwischen Mensch und Tier, wie sie gerade Konzeptentwürfe, angefangen von Peter Singers radikalutilitaristischer Bewusstseinskomparation, über Peter Carruthers Kontraktualismusidee bis hin zu Steve F. Sapontzis Entwicklung einer begründeten Rechtsposition des Animalen, zu konstituieren suchen.
Die inszenierte Präsenz von Tieren in künstlerischen Werken wirft dabei in zweierlei Hinsicht Fragen nach einer rechten Beziehung auf: Zum einen innerhalb des Werkkosmos selbst, zum anderen auf Ebene der Rezeption. Wie tierethische Positionen auf eine Lektüre einwirken können, lässt sich hinreichend ambivalent an Rainer Maria Rilkes „Der Panther“ exemplifizieren. Während der Text zunächst auf Ebene der Deskription den Subjetstatus der Raubkatze auslotet, teilt sich die Bestimmung eigentlich in zwei Wahrnehmungshorizonte auf, nämlich in jene des Panthers, dessen Selbstbestimmtheit durch eine anthropozentrischen Perspektive unzugänglich bleibt und jene des Rezipienten, welcher sich selbst gegenüber dem Schauobjekt als Subjekt akzentuieren muss. Das Bild, das zuletzt durch die Pupille geht und im Herzen aufhört zu sein, vermittelt sowohl eine genuin menschliche Zugriffs- und Herrschaftslogik als auch den möglichen Versuch einer visionären Beziehungsherstellung, wie sie den Dinggedichten des Jahrhundertwende-Autors eigen sind.
Bislang sind solcherlei interpretatorische Ansätze zwar durchaus im Rahmen der Animal Studies anzutreffen, jedoch selten mit einer dezidiert ethischen respektive didaktischen Ausrichtung versehen. Neben dem Biologieunterricht ist jener Schwerpunkt in den Bildungs- und Lehrplänen derzeit noch vornehmlich im Fach Philosophie/Ethik angesiedelt. An hessischen Realschulen kommt die Fragestellung exemplarisch innerhalb in der Unterrichtsreihe zu Freiheits- und Menschenrechten (9. Klasse) auf, in der baden-württembergischen Sekundarstufe ll (10./11. Klasse) innerhalb der Diskussion um ökoethische Modelle (anthropozentrisch, pathozentrisch, biozentrisch, holistisch) und Umwelttheorien.
Wendet sich die literaturwissenschaftliche Analyse des Tiermotivs in seinen vielfältigen Realisierungen auch wertebezogenen Fragestellungen zu, mag darin ein Potenzial für den Deutschunterricht liegen. Stärkung von Empathie durch Perspektivübernahme und Reflexionen über Ausweitungen des Würdebegriffes können etwa für tierethisch gestützte Lektüreerfahrungen ebenso gute Anknüpfungspunkte sein wie interdisziplinäre bzw. fächerübergreifende Unterrichtseinheiten zur Phänomenologie des Tierreiches.
Daraus ergeben sich exemplarische Teilgebiete und Fragen für einschlägige Literaturanalysen:

- Welche tierethischen Ansätze lassen sich diachron in der Literaturgeschichte beobachten und auf welche Weise können sie Eingang in den Deutschunterricht finden?
- Welche Teilbereiche der Inszenierung tierischen Lebens unter menschlicher Ägide (Landwirtschaft, Tierversuche, Unterhaltungsgenossen...) können benannt und innerhalb der Literaturgeschichte verortet werden?
- Wie lassen sich beispielsweise aus dekonstruktivistischer oder diskursanalytischer Sicht Machtverhältnisse und Hierarchiebildungen zwischen Mensch und Tier ausfindig machen und welche Sensibilisierungsstrategien lassen sich daraus für einen emphatischen Umgang von heranwachsenden Lesern mit dem Tier ableiten?
- Welche Alteritätsmodelle/erfahrungen kommen hierin zum Tragen? Wie beeinflusst die Gegenwart von Tieren die Identitätskonstruktionen literarischer Figuren? Wie den Leser aus rezeptionsästhetischer Perspektive?
- Welche Anknüfungsmöglichkeiten liefern tierethisch gestützte Lektüren für einen produktionsorientierten Unterricht?
- Ist es möglich, besondere Erzähl- oder Schreibweisen des Animalen oder der menschlichen Narrativierung des Animalen zu konturieren und inwiefern können diese sich im Deutschunterricht niederschlagen?
- Welche Ziele literarischen Lernens werden durch tierethisch gestützte Lektüren angesprochen und um welche Aspekte kann eine solch zielgerichtete Leselenkung das Tableau literarischen Lernens noch ergänzen?

Der geplante Sammelband soll sich primär auf Lerninhalte, Kanon und Anforderungen der Sekundarstufe I. und II. beziehen. Beitragsvorschläge, die bis zum 30.9.2015 eingereicht werden können, sollten maximal 200 Wörter umfassen und durch einige Angaben zur Person und zu wissenschaftlichen Interessen ergänzt werden. Schicken Sie bitte Ihre Abstracts an hayer@uni-landau.de und schroederk@uni-landau.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss30.09.2015
PersonName: Björn Hayer, Klarissa Schröder 
Funktion: Akademische Mitarbeiter 
E-Mail: hayer@uni-landau.de, schroederk@uni-landau.de 
KontaktdatenName/Institution: Institut für Germanistik, Universität Koblenz-Landau (Campus Landau) 
Strasse/Postfach: Fortstr. 7 
Postleitzahl: 76829 
Stadt: Landau 
Internetadresse: https://www.uni-koblenz-landau.de/de/landau/fb6/germanistik 
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literaturdidaktik; Motiv- u. Stoffgeschichte
Zusätzliches SuchwortTierethik im Deutschunterricht
Ediert von  H-Germanistik
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