VIRTUELLE FACHBIBLIOTHEK GERMANISTIK Germanistik im Netz Logo

Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "KORREKTUR Literatur und (ihre) Institutionen. Hetero- und Autonomie der deutschsprachigen Literatur der Schweiz "
RessourcentypCall for Papers
TitelKORREKTUR Literatur und (ihre) Institutionen. Hetero- und Autonomie der deutschsprachigen Literatur der Schweiz
BeschreibungLiteratur und (ihre) Institutionen. Hetero- und Autonomie der deutschsprachigen Literatur der Schweiz

6. Internationale wissenschaftliche Tagung der Gesellschaft für die Erforschung der Deutschschweizer Literatur (G.E.D.L) und des Schweizerischen Literaturarchivs

8./9. September 2016
Schweizerische Nationalbibliothek, Bern

Voraussetzungen
Friedrich Dürrenmatt bezeichnete dasjenige Land als Gefängnis, dem er mit seinem Nachlass zugleich eine Institution zur Pflege und Erforschung der Literatur schenkte - nämlich das Schweizerische Literaturarchiv. In seinen Texten erweisen sich die Institutionen aber oft machtlos gegenüber den zerstörerischen Kräften des Menschen, so dass die Literatur selbst als eine Art aufklärende und schützende Institution fungiert.

Ein Blick in die Reihe der Autoren zeigt, dass ihre Beziehungen zu Institutionen oft problembehaftet sind. So machte Friedrich Glauser seit seiner Kindheit Bekanntschaft mit Anstalten aller Art, die in vielen seiner Texte vielgestaltig auftauchen. Doch sie sind nicht bloss Motiv, Gerüst oder Kulisse, sondern ihre institutionellen Mechanismen werden mit analytischer Tiefenschärfe durchdrungen und für die poetische Produktion genutzt. - Auch C.A. Loosli blieben in seiner Jugend Erfahrungen mit einer Erziehungsanstalt nicht erspart, und die Denunzierung der Zustände in Erziehungsinstitutionen blieb dann eines seiner Lebensthemen. - Die Protagonisten Robert Walsers schliesslich scheinen ihre Existenz auf nichts zu gründen, doch gewinnen sie gerade aus der Umgehung der institutionellen Erfassungen ihren Lebensantrieb. Im Vorbeiwandern behalten sie die Fassaden stets im Blick, treten aber nicht selten plötzlich doch ein und ziehen einen eigenen Genuss daraus, sich den Hausordnungen zu unterwerfen. - Der Begriff der „Reichsunmittelbarkeit der Poesie“, mit dem Gottfried Keller die Freiheit der Literatur behauptet, artikuliert die ambivalente Beziehung der Literatur zu den Institutionen und ihre Tendenz, sich selbst zu einer zu machen.

Schon diese kurzen Einkehren bei bekannten Schweizer Schriftstellern offenbaren eine Vielfalt und Dichte der Beziehungen von Literatur und Institution. Zwischen den Anfängen Kellers, dem ein großzügiges Stipendium des Kantons Zürich die Gründung einer Schriftstellerexistenz ermöglichte, in den 1840er Jahren und der von Friedrich Dürrenmatt angestoßenen Gründung des Schweizerischen Literaturarchivs im Jahre 1990 bildete sich ein immer dichteres Netz spezifisch literarischer Institutionen aus. Der Schweizerische Schriftstellerverein (C.A. Loosli war die treibende Kraft bei seiner Gründung), die Schweizerische Schillerstiftung, die Stiftung Pro Helvetia, eine grosse Zahl von kommunalen, kantonalen und eidgenössischen Literaturkommissionen, eine Handvoll Literaturhäuser u.a.m. setzen sich zum fast paradoxen Ziel, Schriftstellerinnen und Schriftsteller in ihrem Freisein zu unterstützen.
Die hier ins Auge gefasste Tagung sollte aber nicht nur die Beziehungen der Literatur zu ihren eigenen Institutionen und diejenige dieser Institutionen zu ihrer Literatur beleuchten. Es geht auch um die Beziehung der Literatur zur institutionalisierten Welt ganz allgemein. Diese Beziehungen sind nicht einfach nur thematisch oder biographisch, sondern schreiben sich bis in die intime Poetik der Texte ein und greifen weit aus in die jeweiligen politischen, sozialen, wissenschaftlichen und kulturellen Diskurse und Praktiken. Das Fehlen von politischen und sozialen Verwerfungen, kriegerischen Konflikten und Naturkatastrophen mit Langzeitfolgen (im europäischen Vergleich) brachte es mit sich, dass die eigentümlichen Beziehungen von Literatur und Institution in der Schweiz weniger in großen Skandalen und Polemiken als in langweiliger Routine, feinen Ungereimtheiten und Reibungen der scheinbar befriedeten Verhältnisse zu Tage tritt.

Mögliche Fragestellungen
Das Verhältnis von Literatur und Institution soll einerseits in seiner Fundamentalität, andererseits in der jeweiligen Funktionalität in den Blick genommen werden. Zwischen diesen beiden Polen lassen sich folgende thesenhaften Leitfragen formulieren:
• Welche Beziehungen unterhält Literatur zu Institutionen in ihrer Funktion als fundamentale zivilisatorische und kulturalisierende Einrichtungen?
• Wie wird die Literatur von Institutionen in Anspruch genommen, und wie werden Institutionen von der Literatur in Anspruch genommen? Welcher Art sind diese Ansprüche (immateriell: Mythos, Legitimation, Repräsentation; materiell: Subsidien)?
• Inwiefern ist Literatur selbst eine fundierende Kraft? Wo und wie ist sie selbst Institution?
• Inwiefern entzieht sich Literatur der Inanspruchnahme und Dienstbarmachung durch Institutionen? Inwiefern ist Literatur immer Nicht-Institution und autonom?
• Wie thematisiert, modelliert, performiert und reflektiert Literatur Institutionen bzw. Institutionalität?
Unter der Bedingung, daß auch das Verhältnis von Literatur und Institution in dieser Fundamentalität thematisiert und reflektiert wird, sollen die spezifischen, historisch-lokalen Verhältnisse untersucht werden. Neben den Grundinstitutionen und ihren weitverzweigten Unterinstitutionen, die nicht unmittelbar mit der Literatur verknüpft sind, können auch die Institutionen des Literaturbetriebs in Betracht kommen:
• Grundinstitutionen: Staat, Kirche, Militär, Schulen
• Anstalten: Erziehungsheim, psychiatrische Klinik, Gefängnis, Kloster
• Literaturbetrieb: Bibliothek, Archiv, Verlag, Zeitungen, Zeitschriften, Radio/Fernsehen, Literaturhäuser, Literaturförderung, Literaturpreise

Die Tagung wird organisiert durch die Gesellschaft für die Erforschung der Deutschschweizer Literatur (G.E.D.L) in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Literaturarchiv.

Bitte senden Sie ein Exposé im Umfang von max. 3'000 Zeichen bis zum 1. September 2015 an:

Stefanie Leuenberger stefanie.leuenberger@gess.ethz.ch

Organisation/Kontakt:
Gesellschaft für die Erforschung der Deutschschweizer Literatur (G.E.D.L)
Homepage: www.gedl.ch

Dr. Stefanie Leuenberger, ETH Zürich
stefanie.leuenberger@gess.ethz.ch
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortBern
Bewerbungsschluss01.09.2015
Beginn08.09.2016
Ende09.09.2016
PersonName: Dr. Stefanie Leuenberger 
E-Mail: stefanie.leuenberger@gess.ethz.ch 
KontaktdatenName/Institution: Gesellschaft für die Erforschung der Deutschschweizer Literatur (G.E.D.L) 
Internetadresse: www.gedl.ch 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Literatur 1770 - 1830; Literatur 1830 - 1880; Literatur 1880 - 1945; Literatur nach 1945; Literatur- u. Kulturgeschichte; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.)
Ediert von  H-Germanistik
Ein Angebot vonGermanistik im Netz
URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/48136

© Virtuelle Fachbibliothek Germanistik | Letzte Änderung 13.07.2015 | Impressum | Intern