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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Recht und Unrecht. Poesie und Jura im 13. und 14. Jahrhundert"
RessourcentypCall for Papers
TitelRecht und Unrecht. Poesie und Jura im 13. und 14. Jahrhundert
BeschreibungIn der Geschichte Westeuropas wechselt das Verhältnis zwischen Poesie und Jurisprudenz
von Phasen gegenseitiger Befruchtung bis hin zur Verschmelzung zu solchen, in denen
Dichtung und Jura einander fremd werden, wenn nicht sogar sich gegenseitig ausschließen.
Im 13. und 14. Jahrhundert gestaltet sich in Westeuropa das Verhältnis sehr eng; fast möchte
man meinen, das eine sei ohne das andere nicht zu denken. Das Aufkommen der Vernaculare-
Literatur vollzieht sich im Schlepptau des Aufstiegs von Juristen. Die eindrücklichsten
Beispiele dafür finden sich in Italien und England. Die Anfänge der italienischen Literatur am
Hofe von Kaiser Friedrich II. liegen in den Händen von Beamten mit juristischer Ausbildung;
die Anfänge der englischen Literatur verbinden sich unter anderem mit dem umfangreichen
Schaffen eines Juristen, der auch mit den Universitäten vertraut war, und Hofmanns, Geoffrey
Chaucer. Das enge Verhältnis von Poesie und Jura setzt sich auch auf der Seite der Rezeption
fort: Unter die ersten Leser und Förderer der jungen volkssprachlichen Literaturen fallen
nachgerade Juristen. Schon im 14. Jahrhundert mehren sich, etwa in Italien, allerdings auch
die Anzeichen für eine wachsende Konkurrenz und bald auch Entfremdung.
Die internationale und interdisziplinäre Tagung möchte sich dem Verhältnis von Dichtung
und Jurisprudenz aus drei verschiedenen Blickwinkeln nähern:
1. Von Seiten der Person: Die Figur des Dichter-Juristen wäre neu zu befragen und an den
Texten jeweils klarzumachen, ob und wie sich die juristische Ausbildung auf das Dichten
auswirkt. Neben der häufig behandelten Interferenz des juristischen Kasus, der Kasuistik mit
den einfachen Formen der Prosaerzählung sind besonders Beiträge zur Versdichtung
erwünscht. Zudem wären die Juristen-Leser im Unterschied zu Kaufleuten oder Medizinern
als Rezipienten sowie ihr Beitrag zur Literatur zu bestimmen. Von Interesse wären hier auch
frühe, womöglich stereotype Darstellungen von Juristen- und Dichterfiguren in Bild und Text
(Prosa oder Poesie).
2. Von Seiten der Disziplinen: Für das 13. und 14. Jahrhundert wäre zu rekonstruieren, wie
das Verhältnis von Jura und Dichtung oder auch von Juristen und Dichtern dargestellt und
bewertet worden ist. Wann und warum finden sich Punkte oder Phasen der Konvergenz oder
Divergenz? Inwiefern kommt es in den westeuropäischen Ländern zu unterschiedlichen
Entwicklungen? Und inwiefern wäre die Disziplin Jura in sich nochmals zu differenzieren?
Zum Beispiel in ziviles, kanonisches Recht und Notariatsausbildung? Inwiefern beginnen
Dichter und Juristen als Repräsentanten einer eigenen Disziplin miteinander darum zu
streiten, wer der erste ist, wenn es darum geht, Recht und Unrecht in einer Gesellschaft zu
bestimmen und damit Macht und Einfluß auf die Gesellschaftspolitik zu gewinnen?
3. Von Seiten gemeinsamer Denkweisen und Legitimitätsverfahren: In der Nachfolge Ernst
Kantorowiczs, dem zufolge sich die Souveränität des schöpferischen Künstlers von Rechts-
Konstruktionen im kanonischen Recht herschreibt, stellt sich die Frage nach weiteren
Parallelen: beim juristischen und literarischen Umgang mit Fiktionen, beim juristischen und
literarischen Verhältnis zur Natur oder auch bei Sprachbildung, Rhetorik und Begrifflichkeit.

Die Tagung, die sich gleichermaßen an Philologen, Historiker sowie an Kunst- und
Rechtswissenschaftler wendet, möchte die längst bekannte Nähe von Jura und Dichtung für
das Aufkommen der volkssprachlichen Literatur und die Ausbildung der Kultur im 13. und
14. Jahrhundert sowohl dia- als auch synchron neu erkunden. Sie findet im Herbst 2016 (genauer Termin folgt) im Rahmen des Göttinger Dante-Forums statt.
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortGöttingen
Bewerbungsschluss15.09.2015
Beginn31.08.0016
Ende30.09.0016
PersonName: Meier, Franziska [Prof. Dr.] 
Funktion: Veranstalter 
E-Mail: franziska.meier@phil.uni-goettingen.de,  
KontaktdatenName/Institution: Seminar für Romanische Philologie, Lehrstuhl für französische und italienische Literaturwissenschaft / Göttinger Dante-Forum 
Strasse/Postfach: Humboldtallee 19 
Postleitzahl: 37073 
Stadt: Göttingen 
Telefon: +49 551 39-4134 
E-Mail: franziska.meier@phil.uni-goettingen.de,  
Internetadresse: http://www.uni-goettingen.de/de/37385.html 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Komparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur 1150 - 1300; Literatur 1300 - 1500; Literatursoziologie; Rhetorik
Zusätzliches SuchwortRecht Literatur
Ediert von  H-Germanistik
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