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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige ""Die Natur ist überall bey uns." Mensch und Natur in der Frühen Neuzeit"
RessourcentypKonferenzen, Tagungen, Kolloquien
Titel"Die Natur ist überall bey uns." Mensch und Natur in der Frühen Neuzeit
Beschreibung"Die Natur ist überall bey uns. Sie empfängt uns bey unserm Eintritte in die Welt, und sie begleitet uns bis zum Ausgange aus derselben. Sollten wir uns wohl der Betretung dieses großen Schauplatzes der prächtigsten Werke und Begebenheiten der Natur nur einen Augenblick für würdig schätzen können, wenn wir nicht einmal zu wissen verlangen, wo wir sind und was wir empfinden? (...) Durch nichts werden die Augen der Sterblichen so sehr geöffnet, als durch die Betrachtung der Natur."

So schreibt Christlob Mylius 1747 in seiner Zeitschrift "Der Naturforscher", in der er seinem Leserkreis die "Wunder der Schöpfung" näherbringen und erläutern will. Mit der Vorstellung der Allgegenwart der Natur beschreibt er einen Naturbegriff, der auf ein Lebensgefühl verweist, das den Menschen inmitten dieser, das menschliche Erdenleben bestimmenden, Schöpfung ansiedelt.

Naturerlebnis, Naturwahrnehmung, Vorstellungen von der Natur und ihren Elementen sowie der Umgang mit der Natur sind in weiten Teilen kulturell geprägt und variieren von Epoche zu Epoche. Wie der Mensch sich der Natur nähert, sie sich aneignet, sie erfährt, nutzt oder auch Naturtheorien entwirft, ist von Traditionen, kollektiven Vorstellungsgehalten, also kulturellen Prädispositionen, geprägt. In diesem Sinne lässt sich das Naturerleben oder der Umgang mit der Natur nicht zuletzt auch als Spiegel der jeweiligen Kultur beschreiben.

Unter dem Tagungsthema "Mensch und Natur in der Frühen Neuzeit" sollen Naturvorstellungen und -wahrnehmungen sowie Verhaltensweisen frühneuzeitlicher Menschen gegenüber der sie alltäglich umgebenden Natur in den Blick genommen werden.

Der Mensch der Frühen Neuzeit sah in der Natur - in Tieren, Pflanzen, Wind und Wetter – vielfach ein handelndes Gegenüber, das in allen seinen Gaben und Widrigkeiten immer auch verbunden war mit dem göttlichen Gegenüber, mit dem in der Natur waltenden, ewigen, guten, aber auch strafenden Schöpfergott.
Mit der Objektivierung der Natur, der beginnenden Naturbeobachtung und Naturerforschung setzt jedoch gerade in der Frühen Neuzeit ein Wandlungsprozess ein, der die Moderne und ihren Umgang mit der Natur massgeblich bestimmt hat.

So können Fremdheit, Brüche und Kontinuitäten in den Bildern von der Natur und im Umgang mit ihr ebenso behandelt werden, wie grössere Linien des Wandels. Der Wandel des Bildes von der Natur geht dabei auch Hand in Hand mit dem Wandel des Bildes vom Menschen und seiner Situierung in der Natur. Die Modifikationen und Ablösungen des theologisch-anthropozentrischen Weltbildes durch moderne naturwissenschaftliche Sichtweisen erfassen die gesamte Vorstellung der Ordnung von Mensch, Tier und dem Lebensraum Erde. Dabei sind in dieser Epoche über lange Strecken sehr verschiedene Sichtweisen und Strömungen nebeneinander anzutreffen. Alte Ordnungsvorstellungen konkurrieren mit neuen; Fragen nach der Beziehung des Menschen zur Natur tauchen auf und werden auf die verschiedensten Weisen beantwortet.

Inwiefern sich die Positionierungen des Menschen gegenüber der Natur – und deren Wandel - in den historischen Quellen antreffen lassen, wie sie sich im konkreten, alltäglichen Umgang des Menschen mit Tieren, Rohstoffen, Elementen darstellen, soll untersucht werden. Kollektive Mentalitäten können hier ebenso aufschlussreich sein wie etwa individuelle Zugangsweisen. Inwieweit dabei die gängige These der Emotionalisierung des Zugangs zur Natur im 18. Jahrhundert tragfähig bleibt, ist offen.

Forschende, die sich in ihren Projekten mit dem Bild, dem alltäglichen Naturerleben und dem Umgang mit der Natur in der Frühen Neuzeit befassen, werden zu dieser zwischen Mentalitäts-, Umwelt-, Wissenschafts- und Emotionengeschichte angesiedelten Tagung beitragen.


Weitere Auskünfte erteilen Ihnen:
Sophie Ruppel (sophie.ruppel@unibas.ch) und Aline Steinbrecher (aline.steinbrecher@access.uzh.ch)


PROGRAMM

Donnerstag, 28. August:

16.00
Anreise und Willkommens-Kaffee

17.30
Einführung und Begrüssung (Aline Steinbrecher/ Sophie Ruppel)

18.30
Einführungsvortrag für den folgenden Tag:
Paul Münch (Essen): Menschen und andere Tiere. Varianten des Umgangs.

20.00
Abendbuffet und anschliessender Empfang auf der Gartenterrasse


Freitag, 29. August:

Themenblock I: Die alltägliche Natur

9.00-10.30

Aline Steinbrecher (Zürich): Die gezähmte Natur im Wohnzimmer. Bürgerliche Hundehaltung in der Frühen Neuzeit

Carsten Stühring (Göttingen): Tiermedizinische Praxis im 18. Jahrhundert. Zur Wahrnehmung von Rinderseuchen im Kurfürstentum Bayern im 18. Jahrhundert

10.30-11.00
Kaffeepause

11.00-12.30

Sebastian Bott (Zürich). Ermunterung zu einer schweizerischen Vogelkunde. Helevtischer Patriotismus und "politische Vögel" im ausgehenden 18. Jahrhundert

Martin Schmid (Wien): Die Donau als sozio-naturaler Schauplatz. Grundlagen für die Umweltgeschichte einer europäischen Wasserscheide in der Frühen Neuzeit

13.00
Mittagessen und Mittagspause

14.30-16.00

Heike Düselder (Osnabrück): Vom „Botanisieren“ und der „Nützlichkeit der Natur“. Naturaneignung und Herrschaftsverständnis des Adels im Kontext von Bildung, Ökonomie und Ästhetik

Sophie Ruppel (Basel): Das grünende Reich der Gewächse. Vom vielfältigen Nutzen der Pflanzen im bürgerlichen Diskurs (1750-1830)

16.00-16.30
Kaffeepause

16.30-17.15

Urte Stobbe (Göttingen): Pflanzen zählen, Erträge errechnen und Tabellen schreiben. Der Alltag der Hofgärtner in den Lustgärten des Herrscherhauses Hessen-Kassel Ende um 1800

17:30
Führung durch das Landgut Castelen

18.00
Abendessen

20.00
Einführungsvortrag für den folgenden Tag:
Kaspar von Greyerz (Basel): Religion und Natur in der Frühen Neuzeit. Aspekte einer vielschichtigen Beziehung.

Themenblock II: Natur – Mensch – Gott; Aussergewöhnliche Natur


Samstag, 30. August:

9.00-10.30

Tina Asmussen (Luzern) : Zwischen Eschatologie und Autopsie - der Blick in die Natur im 17. Jahrhundert

Simona Boscani-Leoni (Chur): Zwischen Gott und Wissenschaft. Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733) und die Naturwahrnehmung in der Frühen Neuzeit

10.30-11.00
Kaffeepause

11.00-12.30

Ursula Schlude (Dresden): Natur und Schriftlichkeit. Warum eine Fürstin des 16. Jahrhunderts nicht den Mont Ventoux besteigt und sie Gott braucht, um in die Natur verbessernd einzugreifen

Jens Awe (Freiburg): Der Beginn und die Paradigmen positiver Wahrnehmung von Bergen bei Conrad Gesner und Benedict Marti i

12.30-13.00
Schlussdiskussion

ab 13.00
Imbiss, kleines Buffet und Abreise


Kontakt:
Aline Steinbrecher
Historisches Seminar
Universität Zürich
0446344096
E-mail: aline.steinbrecher@access.uzh.ch

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLandgut Castelen (Basel)
Beginn28.08.2008
Ende30.08.2008
PersonName: Steinbrecher, Aline [Dr.] 
Funktion: Ansprechpartnerin 
E-Mail: aline.steinbrecher@access.uzh.ch 
LandSchweiz
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteratur 1500 - 1580; Literatur 1580 - 1700
Klassifikation10.00.00 16. Jahrhundert > 10.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 10.00.00 16. Jahrhundert > 10.07.00 Studien; 11.00.00 17. Jahrhundert > 11.03.00 Geistes- und Kulturgeschichte; 11.00.00 17. Jahrhundert > 11.05.00 Studien
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