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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Schillers Zeitbegriffe"
RessourcentypCall for Papers
TitelSchillers Zeitbegriffe
BeschreibungUniversität Leipzig, 9.-11. Juni 2016

Das Problem der Zeit reflektiert Schiller auf allen Ebenen: gattungstheoretisch, rezeptionsästhetisch, historiographisch, geschichtsphilosophisch, moralisch, anthropologisch, aufklärungskritisch und darstellungstheoretisch. Er bringt mithin alles vor die „Gerichtsbarkeit der Zeit“ (Briefe über die ästhetische Erziehung), wie bereits drei repräsentative Beispiele zeigen: In gattungstheoretischer Hinsicht konstituieren die Zeitbezüge den Unterschied zwischen epischen und dramatischen Formen, sofern im einen Fall das Vergangene zu erzählen, im anderen das Gegenwärtige vor Augen zu stellen sei (Über epische und dramatische Dichtung, zus. mit Goethe). In aufklärungskritischer Hinsicht wiederum erblickt Schiller in der Zeit den entscheidenden Widerstand gegen die virulenten und von ihm selbst geteilten Postulate der Perfektibilität und der Selbstbestimmung, denn der Mensch muss sich in der Zeit zum „ganzen Menschen“ vervollkommnen, und er muss seine Selbstbestimmung gegen den Wechsel der Zeit durchsetzen und Souverän der eigenen Handlungen bleiben. Dabei veranschaulichen vor allem die Dramen Zeit als zentrales Kriterium individueller Selbstentwürfe ebenso wie moralischer Einstufungen, indem etwa die Lebensleistung des Einzelnen ins Verhältnis zu seinem Alter gesetzt wird – Don Carlos: „Schon 23 Jahre und noch nichts für die Ewigkeit getan“ – , oder indem der Umgang einzelner Figuren mit der Zeit selbst problematisiert wird, beispielsweise wenn es von Don Carlos heißt, er wisse nicht, was eine Minute ist. Das moralisch aufgeladene Zeitverhältnis einzelner Figuren, insbesondere die Frage nach ihrem Vermögen, den rechten Augenblick zu ergreifen, spielt noch in weiteren Dramen eine herausragende Rolle. In geschichtsphilosophischer Hinsicht schließlich bildet die Konstellation von Antike und Moderne als Fortführung der Querelle die Kernzone der Reflexion, gespiegelt zugleich in einem kontinuierlichen Nachdenken über die prinzipielle Relation von Altem und Neuem.

Die Radikalität, mit welcher der Autor die Verzeitlichung des Wissens und der Formen vorantreibt und zugleich Strategien der Entzeitlichung prüft, sucht um 1800 ihresgleichen. Und doch ist dies bisher selten gesehen worden, ja die Feststellung von der „›Zeitvergessenheit‹ in der Wilhelm Tell-Forschung“ (Peter Schnyder) lässt sich beinahe auf die gesamte Schiller-Forschung ausdehnen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie liegen einerseits in der getrennten Behandlung von Schillers verschiedenen Tätigkeitsfeldern, vor allem in der problematischen Trennung der Zuständigkeiten für seine literarischen, philosophischen und historiographischen Texte, wobei letztere aufgrund ihrer Diskreditierung im 19. Jahrhundert ohnehin über einen langen Zeitraum ein Schattendasein geführt haben. Sie liegen andererseits in der langjährigen Fokussierung auf die anthropologischen Dimensionen von Schillers Werk, die Fragen nach der Verzeitlichung notwendigerweise in den Hintergrund haben treten lassen. Diesem Desiderat möchte die geplante Tagung in umfassender Weise nachgehen. Erwünscht sind Beiträge, die Schiller als Dichter und Denker der Zeit darstellen, seine Zeitkonzeptionen auf den angesprochenen Ebenen rekonstruieren und zugleich in den übergreifenden Verzeitlichungsdiskurs um 1800 einbetten.

Die Tagung wird gefördert vom DFG-Schwerpunkt-Programm "Ästhetische Eigenzeiten. Zeit und Darstellung in der polychronen Moderne" (SPP 1688).

Bitte schicken Sie bei Interesse bis 31. August 2015 eine kurze Projektbeschreibung (max. 1 Seite) sowie die wichtigsten biobibliographischen Angaben per Email an einen der drei Veranstalter: Prof. Dr. Dirk Oschmann (dirk.oschmann@uni-leipzig.de), Dr. Helmut Hühn (h.huehn@uni-jena.de) oder Prof. Dr. Peter Schnyder (peter.schnyder@unine.ch). Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis 30. September 2015.

Ein Band, der die Ergebnisse der Tagung dokumentiert, ist geplant.

Veranstalter: Prof. Dr. Dirk Oschmann (Leipzig), Dr. Helmut Hühn (Jena), Prof. Dr. Peter Schnyder (Neuchatel)
Tagungsort: Universiät Leipzig
Tagungstermin: 9.-11. Juni 2016

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortLeipzig
Bewerbungsschluss31.08.2015
Beginn09.06.2016
Ende11.06.2016
PersonName: Prof. Dr. Dirk Oschmann 
Funktion: Professor für Neuere deutsche Literatur 
E-Mail: dirk.oschmann@uni-leipzig.de 
KontaktdatenName/Institution: Universität Leipzig 
Strasse/Postfach: Beethovenstrasse 15 
Postleitzahl: 04107 Leipzig 
Stadt: Leipzig 
Telefon: 0341/9737369 
E-Mail: dirk.oschmann@uni-leipzig.de 
Internetadresse: http://www.uni-leipzig.de/~germ/index.php?page=prof-dr-dirk-oschmann 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturwissenschaft; Dramentheorie; Erzähltheorie; Historische Semantik (Wissensgeschichte, Mentalitätsgeschichte, Ideengeschichte); Literatur 1770 - 1830; Literatur- u. Kulturgeschichte; Motiv- u. Stoffgeschichte; Rhetorik; Stilistik; Theater (Aufführungspraxis)
Klassifikation13.00.00 Goethezeit > 13.10.00 Klassik; 13.00.00 Goethezeit > 13.11.00 Idealismus; 13.00.00 Goethezeit > 13.14.00 Zu einzelnen Autoren
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