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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Ereignis – Technik – Material"
RessourcentypCall for Papers
TitelEreignis – Technik – Material
BeschreibungGraduiertenkolleg “Materialität und Produktion"

›Material‹ ist ein schillernder Begriff. Er bezeichnet in den Künsten etwa Farbe, Klang und Gips, in der Literatur Druckerschwärze und Papier oder in der Naturwissenschaft organische und anorganische Proben. Aber auch Ideen und Konzepte können als Material fungieren.

Ob Stoff oder Begriff, das Material versperrt sich eines einfachen Zugriffs. Denn es ist von einer Doppelgebärde durchsetzt: Wie ein Vexierbild zeigt und verbirgt es sich zugleich. Diese Dynamik wurde im 20. und 21. Jh. vielfach in Begriffsrelationen wie Verbergen/Entbergen, Mittelbarkeit/Unmittelbarkeit, Präsenz/Absenz oder Transparenz/Opazität zum Ausdruck gebracht. Damit einher geht, dass das Material nie als Roh-Stoff in Erscheinung tritt, sondern durch Techniken und Apparaturen immer bereits geformt ist. Das Moment der Formierung besitzt gleichwohl Ereignischarakter: Es ist unvorhersehbar, singulär sowie nicht-intentional und verweigert sich einer rein sinnlichen oder rein sprachlichen Auffassung.

In der Materialitätsdebatte seit den 1980er Jahren werden Material und Ereignis implizit sowie explizit ins Verhältnis gesetzt. Das Erscheinen des Materials entspricht hier einem aisthetisch-semiotischen Vorgang, der sich einer hermeneutischen Sinnkonstitution widersetzt. Apparaturen als mediale Bedingungen dieses Erscheinens fanden – vielfach mit Rückgriff auf Walter Benjamin und Martin Heidegger – ebenfalls Eingang in die aktuelle Materialitätsdebatte. Mehr Beachtung müssen allerdings Techniken als techné erhalten, die gleichermaßen maschinelle oder elektronische Systeme wie Strukturen des Wahrnehmens, des Denkens oder des Herstellens meinen können. Mit dem Begriff ›Technik‹ kann gerade die konstitutive Spannung zwischen intentionalen Akten der Produktion und dem nicht-intentionalen Ereignis ›Material‹ problematisiert werden.

Das Ziel dieser Tagung ist, der Technik als Instanz der Übersetzung zwischen Material und Ereignis besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Die Tagung »Ereignis – Technik – Material« will sich diesem Ziel in dreifacher Weise annehmen:

• Konstruktion der Technik: Die Technik entspricht einer Bedingung für das Ereignen des Materials, ist jedoch gleichzeitig Bestandteil seiner Erscheinung und damit selbst Konstrukt. Grundsätzlich müssen die Fragen gestellt werden, mittels welcher Techniken sich das Ereignis am Material manifestieren kann und inwiefern diese Erscheinungsweise des Materials die Technik konstituiert. Diese Frage betrifft nicht nur die Künste und die Literaturen, sondern ebenso die Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften. Plastisch wird dieses Verhältnis etwa in Woody Allens Purple Rose of Cairo (1985), als Tom Baxter aus der Leinwand tritt und zu Gil Shepherd wird, oder in den fiktiven Schreibszenen der Literatur (z.B. bei Friedrich Nietzsche oder Friedrich Dürrenmatt).

• Selbstaufhebung der Technik: Auch gilt es die Formen der Erscheinung von Material als Ereignis zu reflektieren. Denn dieses wird in einer Geste, in der es seine zeitliche und räumliche Extension zu entfalten vermag, nur augenblicklich verfügbar. In diesem Moment der Präsenz gehen Technik und Apparatur im Ereignis auf. Diese Form der Erscheinung prägt gleichermaßen Künste, Literaturen und Wissenschaften. Zu denken ist hier z.B. an die ephemeren Wolkeninstallationen von Berndnaut Smilde (ab 2010), John Cages Partitur zu »Music of Changes« (1951), die spoken word-Literatur oder auch die bildgebenden Verfahren der Naturwissenschaften.

• Diskurs-Ereignis ›Material‹: Neben den Relationen von Ereignis, Material und Technik sollen die diskursiven Bedingungen der aktuellen Materialitätsforschung thematisiert werden. Unter welchen historischen Voraussetzungen wurden Ereignis und Material in Beziehung gesetzt? Handelt es sich beim ausgerufenen material turn um eine Technik, Ereignisse als Diskurs zu produzieren? Diese Fragen zielen nicht nur auf eine Reflexion der aktuellen Debatte, sondern sind grundlegend dafür, um die ungenutzten Potenziale der Begriffe zu identifizieren und für eine allfällige Neuausrichtung fruchtbar zu machen.

Die zur Diskussion stehende Begriffstrias ›Ereignis‹, ›Material‹ und ›Technik‹ durchzieht die an der Materialitätsdebatte beteiligten Disziplinen wie Philosophie, Medien-, Kunst-, Literatur-, Geschichts- und Kulturwissenschaften sowie Wissenschaftstheorie. Entsprechend sind fortgeschrittene ForscherInnen sowie NachwuchswissenschaftlerInnen der genannten Disziplinen zu einer Bewerbung eingeladen.

InteressentInnen senden bitte einen Beitragsvorschlag von max. 500 Wörtern bis 15. Juli 2015 an folgende Mail-Adressen:

david.magnus@hhu.de
sergej.rickenbacher@hhu.de

Die Auswahl der Beiträge erfolgt bis zum 31. Juli 2015.

Kontakt:
Sergej Rickenbacher
David Magnus

»Materialität und Produktion« (GRK 1678)
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Universitätsstr. 1, Geb. 23. 21, Ebene 00, Raum 46b
40225 Düsseldorf

Tel.: +49 (0) 211/81-11805
Fax: +49 (0) 211/81-10431

Web: http://grk1678.hypotheses.org/656

Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortDüsseldorf
Bewerbungsschluss15.07.2105
Beginn14.01.2016
Ende16.01.2016
PersonName: David Magnus & Sergej Rickenbacher 
Funktion: Postdocs 
E-Mail: sergej.rickebacher@hhu.de 
KontaktdatenName/Institution: »Materialität und Produktion« (GRK 1678) Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  
Strasse/Postfach: Universitätsstr. 1, Geb. 23. 21, Ebene 00, Raum 46b 
Postleitzahl: 40225  
Stadt: Düsseldorf 
Telefon: +49 (0) 211/81-11805 
Fax: +49 (0) 211/81-10431 
E-Mail: sergej.rickebacher@hhu.de 
Internetadresse: http://grk1678.hypotheses.org/656 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeMethodologie / Wissenschaftsgeschichte; Pragmatik (Sprechakttheorie, Implikatur, Handlungstheorien, Historiopragmatik); Semiotik (Text und Bild); Literatur- u. Kulturgeschichte; Literaturtheorie: Klassiker; Literaturtheorie: Themen
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie; 03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.07.00 Ästhetik
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/47221

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