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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Absenz in Sprache und Literatur"
RessourcentypCall for Papers
TitelAbsenz in Sprache und Literatur
BeschreibungCall for papers

Absenz in Sprache und Literatur

Paris, 20.-21. März 2009


Organisation: Anke Grutschus und Peter Krilles (Université de Paris 3)

Ort: Maison Heinrich Heine, Paris

Diese international ausgerichtete interdisziplinäre Tagung richtet sich an Doktoranden und PostDocs. Ziel ist es, Absenz-Phänomene von literatur- und sprachwissenschaftlicher Warte aus zu beleuchten.


Literaturwissenschaftliche und philosophische Perspektiven

Das Nachdenken über poetische Sprache und ästhetische Erfahrung geschah immer wieder in Zusammenhang mit Figuren der Absenz wie dem Schweigen, der Leerstelle oder dem Unsagbaren, man denke etwa an die Sprachkritik der Antike, Kants Ästhetische Ideen, aber auch an kanonische Texte der literarischen Moderne (Mallarmé, Rilke) sowie zahlreiche literaturtheoretische Ansätze des 20. Jahrhunderts. Seit jeher steht daher die Frage der Grenzen von Sprache und Repräsentation im Zentrum des abendländischen Denkens, sei es in Philosophie, Ästhetik oder Poetik.
Im Hinblick auf die Literatur nimmt die Frage nach dem Verhältnis von poetischem Sprechen und den verschiedenen Figuren der Absenz vor allem in Texten der literarischen Moderne einen besonderen Stellenwert ein. Traditionelle Positionen der Literaturtheorie und Poetik, in denen Absenz sowohl als Motiv wie als Bedingung literarischen Schreibens verstanden wird, rücken Absenz-Phänomene häufig vom Standpunkt der Repräsentation und des Zusammenhangs von Absenz und dem Unsagbaren in den Blick. Die Tagung möchte systematische und historische Perspektiven auf Figuren der Absenz eröffnen, wobei diese zunächst als Phänomene der Leere verstanden werden können, die in Texten material greifbar sind. Thematisiert werden sollen daher ebenso die medialen Modalitäten von Absenz in der Literatur wie die Frage, wie sich die Effekte der Diskontinuität auf die literarische Kommunikation auswirken.
Daraus ergeben sich drei Themenschwerpunkte: die Materialität und Medialität der Absenz sowie die Versuche, Absenz zu umgehen.

In möglichen Beiträgen könnte es z.B. um folgende Aspekte gehen:

• die Materialität der Absenz in der (modernen) Literatur: Figuren, Effekte und formale Phänomene (Typographie, Leerstellen, Interpunktion, Seitengestaltung; semantische, syntaktische und rhetorische Figuren)
• die mediale Dynamik von Präsenz und Absenz (mediale Bedingungen der Absenz in der Literatur, Literatur und die semiotischen Systeme anderer Kunstformen)
• Versuche des Füllens von (materialen) Leerstellen in literarischen Texten sowie diesbezügliche poetologische Reflexion (mediale Öffnung des Texts, performative Überschreitung)
• Absenz in der Literaturtheorie (Virtualität, Theorie der Spur, Alterität, Stellenwert des Schweigens und der Leere in literarischer Kommunikation)
• Absenz als modernes Phänomen? Rückkehr des Unsagbaren in der Postmoderne? (ästhetische Praxis und Theorie)
• philosophisch-ästhetische Fragestellungen: Absenz und Sprache, Absenz und Erkenntnis/Wissen, Status des Nichts; Überlegungen zu ästhetischen Kategorien wie dem Erhabenen oder dem Unsagbaren


Sprachwissenschaftliche Perspektiven

Die Betrachtung von sprachlichen Absenz-Phänomenen hat eine lange Tradition, die mit der antiken Rhetorik einsetzt: Die Auslassung bestimmter sprachlicher Elemente wird dort – je nach Funktion des fehlenden Elementes – z. B. als Ellipse oder als Aposiopese bezeichnet. Wie bereits die Verwendung von lat. defectus zur Bezeichnung der Ellipse unterstreicht, wird das Phänomen der Absenz hier negativ definiert.
Wesentlich später, in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erscheint der Begriff ‘Absenz’ in Form seines lateinischen Etymons absentia in völlig anderem Kontext, nämlich als semiotischer Fachbegriff: Bekanntlich werden paradigmatische Relationen auch als Relationen in absentia bezeichnet, während syntagmatische Relationen in praesentia bestehen. Auffällig und neu ist an dieser Begriffsverwendung, dass das Phänomen der Absenz nicht mehr negativ im Sinne eines Fehlens definiert wird, sondern eher mit einer virtuellen Präsenz gleichzusetzen ist.
Bei der Betrachtung sprachlicher Absenz-Phänomene darf die Berücksichtigung von Schweigen im Sinne einer Abwesenheit von Sprache nicht fehlen. Nachdem das Schweigen lange Zeit völlig unbeachtet geblieben oder bestenfalls als sprachliches Grenzphänomen betrachtet worden war, das über keinerlei Referenzpotential verfügte, steht es spätestes seit der Veröffentlichung von Tannen/Saville-Troke im Jahre 1985 im Zentrum sprachwissenschaftlicher Aufmerksamkeit. Bei Psycho- und Pragmalinguisten scheint Einigkeit darüber zu bestehen, dass Schweigen zentraler Bestandteil von Kommunikation ist und dass es nicht nur diskursstrukturierende Funktion hat, sondern auch propositionalen Gehalt aufweist. Zudem können einige Formen von Schweigen auch als Sprechakte im Searleschen Sinne aufgefasst werden.
Schließlich stehen sprachliche Absenz-Phänomene in enger Verbindung mit dem Topos der Unsagbarkeit: Manche Sachverhalte lassen sich offenbar nur sehr schwer in Worte fassen oder auf sprachlicher Ebene beschreiben – auch hier liegt also ein Absenz-Phänomen vor, diesmal jedoch auf der Ebene der Bezeichnungen. Als klassisches Beispiel kann in diesem Zusammenhang die Beschreibung von Musik angeführt werden.

Das Kolloquium soll dazu dienen, den Forschungsstand bezüglich sprachlicher Absenz-Phänomene wiederzuspiegeln und Impulse für weiterführende Forschungen in diesem Bereich liefern.
Mögliche Untersuchungsgebiete wären:

• Analyse sprachlicher Ellipsen, Unterbrechungen bzw. Abbrüche in Texten und deren typographischer Umsetzung
• Analyse verschiedener Formen des Schweigens bzw. Analyse von Pausen in gesprochener Sprache
• Analyse von Absenz-Phänomenen aus semiotischer Perspektive
• Beschreibung von Bereichen, die traditionell mit dem Topos der Unsagbarkeit in Verbindung gebracht werden sowie Beschreibung sprachlicher Prozesse zur Umgehung der „Unsagbarkeit“


Abstracts zu einem 20-minütigen Beitrag können auf Deutsch oder Französisch eingereicht werden (max. 2 Seiten). Eine Veröffentlichung ist geplant.

Bitte senden Sie Ihr Abstract vor dem 30. September 2008 an folgende Mailadresse: absences@ymail.com

Die Veranstaltung wird unterstützt von:
• Université de la Sorbonne Nouvelle Paris 3 (Centre d’études et de
recherches sur l’espace germanophone)
• Maison Heinrich Heine

Dr. des. Anke Grutschus
DAAD-Lektorat/Lectrice du DAAD
Université de Paris III - Sorbonne Nouvelle
Institut d'Allemand
94, avenue des Grésillons
92600 Asnières-Gennevilliers
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
VeranstaltungsortParis
Beginn20.03.2009
Ende21.03.2009
PersonName: Grutschus, Anke [Dr.] 
Funktion: Veranstalterin 
E-Mail: anke_grutschus@yahoo.de 
KontaktdatenName/Institution: Université de Paris III - Sorbonne Nouvelle, Institut d'Allemand 
Strasse/Postfach: 94, avenue des Grésillons 
Postleitzahl: 92600 
Stadt: Asnières-Gennevilliers 
LandFrankreich
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeLiteraturtheorie: Themen
Klassifikation03.00.00 Literaturwissenschaft > 03.06.00 Literaturtheorie
Ediert von  H-Germanistik
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URL dieses Wer-Was-Wo-Datensatzeshttp://www.germanistik-im-netz.de/wer-was-wo/4717

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