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Wer-Was-Wo - Detailanzeige

Ergebnisanzeige "Status Quo Vadis. Kulturen der Kritik in Literatur, Film und Performing Arts der Gegenwart"
RessourcentypCall for Papers
TitelStatus Quo Vadis. Kulturen der Kritik in Literatur, Film und Performing Arts der Gegenwart
BeschreibungStatus Quo Vadis. Kulturen der Kritik in Literatur, Film und Performing Arts der Gegenwart.

„Die verstörte Gesellschaft“ – so beschreibt der Soziologe Wilhelm Heitmeyer im vierten Band seiner Reihe „Deutsche Zustände“ (2005) die krisenhafte Dissoziation von wirtschaftlicher Entwicklung und sozialer Integration innerhalb der bundesrepublikanischen Gesellschaft. Die alltäglichen Meldungen vom Abbau und der Verlagerung von Arbeitsplätzen trotz stetig steigender Umsätze der Unternehmen, die zunehmenden Informationen über das zweifelhafte Verhalten der wirtschaftlichen Eliten sowie der Eindruck, die Politik könne dem globalisierten Kapitalismus und seinen Auswirkungen kaum noch etwas entgegensetzen – all dies führe zu einem allmählich zunehmenden und diffusen Unbehagen an den gegenwärtigen gesellschaftlichen Zuständen.

Dass nicht nur das Feuilleton auf ähnliche gesellschaftliche Prozesse in der Vergangenheit gewöhnlich mit der Forderung reagiert hat, die Kunst müsse zur krisenhaften Wirklichkeit kritisch Stellung beziehen, sondern dass darüber hinaus die Kunst nach 1945 auch tatsächlich soziale und politische Verwerfungen stets ästhetisch verarbeitet hat, ließe sich historisch an zahlreichen Beispielen zeigen, so zum Beispiel am Kriegsende, der Studentenrevolte oder der deutsch-deutschen Wende. Vor diesem Hintergrund erscheint es kaum verwunderlich, dass auch das gegenwärtig den öffentlichen Diskurs prägende Gefühl von sozialer Ungerechtigkeit, Werteverfall oder politischer Konzeptlosigkeit seit einigen Jahren verstärkt in unterschiedlichen Kunstformen wahrnehmbar ist. Um nur einige Beispiele zu nennen: In seinem Film „Die fetten Jahre sind vorbei“ (2004) schickt Hans Weingartner drei junge Gesellschaftskritiker aus, um über die Aktualität leninistisch-sozialistischer Ideologie und die Möglichkeit einer neuen Jugendbewegung zu debattieren. Uwe Tellkamp beschwört mit seinem Roman „Der Eisvogel“ (2005) eine neokonservative Abrechnung mit der heruntergekommenen gesamtdeutschen Gesellschaft. Joachim Zelter widmet sich mit seiner dystopischen „Schule der Arbeitslosen“ (2006) der Massenarbeitslosigkeit; eine Thematik, die auch Armin Petras mit seinem Stück „3 von 5 Millionen“ (2005) verarbeitet und auf die Theaterbühne bringt. Die Popgruppe Tocotronic hingegen proklamiert auf ihrem Album „Kapitulation“ (2007) trotzig die demonstrative Integration in die als defizitär empfundenen Gesellschaftskonzepte.

Der geplante Sammelband will die Frage nach der ästhetischen Produktivität der sozialen Verwerfungen seit Ende der 1990er Jahre stellen und das Feld gegenwärtiger Kulturen der Kritik in Literatur, Film und Performing Arts (Theater, Popmusik, Oper etc.) kartieren. Dabei soll insbesondere die Frage nach den diskursiven Bedingungen der Kritik im Fokus der Betrachtung stehen: Wie lässt sich emphatisches Dagegensein heute überhaupt formulieren? Dieser Frage liegt die Annahme zugrunde, dass sich die Kritik mit essentiellen Problemen konfrontiert sieht, die in den künstlerischen Entwürfen deutlich zutage treten: Handelt es sich bei diesem Phänomen, wie oft behauptet, um eine weitere Spielart eines postmodernen „anything goes“, in dem das Dagegensein lediglich Zitat vorgegebener Diskursmuster ist? Oder entwickelt der kritische Blick auf die diskursiven Praktiken möglicherweise selbst subversive Ansätze? Liegt vielleicht gerade in der Diskursverweigerung die Möglichkeit einer effektiven Diskurskritik? Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen fiktionaler Wirklichkeitskonstruktion und dem Anspruch, gesellschaftlich relevante Aussagen zu treffen?

Im Einzelnen sind Beiträge zu folgenden Themenkomplexen denkbar:

- Diskurse und Inszenierungen von Kritik in Literatur, Film, Theater, Oper und Popmusik/-kultur
- Rückbindung der Medienprodukte an feuilletonistische Diskurse („Neue Ernsthaftigkeit“, „Ende der Spaßgesellschaft“)
- Verhältnis der Medienprodukte zu der als unpolitisch apostrophierten Popkultur der 90er Jahre
- Verhältnis der Medienprodukte zur sozialkritischen Kunst, beispielsweise zur politischen Literatur, zur Popmusik und zum Theater in den 60er und 70er Jahren
- Zur Intertextualität gegenwärtiger Kulturen der Kritik (RAF, 68er usw.)
- Anbindung der Medienprodukte an postmoderne Kritikkonzeptionen
- Zum Verhältnis künstlerischer Autonomieansprüche und politischer bzw. gesellschaftlicher Partizipation

Exposés (maximal eine Seite) werden erbeten bis zum 1. September 2008.

Ingo Irsigler, Ole Petras, Kai Sina
Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Leibnizstraße 8
24118 Kiel
Tel.: 0431/8803415
iirsigler@ndl-medien.uni-kiel.de
opetras@ndl-medien.uni-kiel.de
kaisina@web.de
Quelle der BeschreibungInformation des Anbieters
Internetadressehttp://h-net.msu.edu/cgi-bin/logbrowse.pl?trx=vx&list=H-Germanistik&mo...
Bewerbungsschluss01.09.2008
PersonName: Irsigler, Ingo 
Funktion: Ansprechpartner 
E-Mail: iirsigler@ndl-medien.uni-kiel.de 
LandDeutschland
BenutzerführungDeutsch
SchlüsselbegriffeKomparatistik (Kulturvergleich, Interkulturelle Literaturwissenschaft); Literatur nach 1945; Medien- u. Kommunikationsgeschichte (Hand-, Druckschrift, Film, Rundfunk, Computerspiel usw.)
Klassifikation04.00.00 Allgemeine Literaturgeschichte > 04.03.00 Vergleichende Literaturgeschichte; 19.00.00 1990 bis zur Gegenwart
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